Ein toter Mafia-Boss bringt die Kirche in Italien in die Bredouille

Streit um kirchliche Trauerfeier für Mafia-Boss in Italien

Montag, 23. Februar 2026 | 13:11 Uhr

Von: apa

Eine geplante kirchliche Trauerfeier nach dem Tod des zu lebenslänglicher Haft verurteilten Mafia-Bosses Domenico Belfiore sorgt in Italien für heftige Diskussionen. Der Leichnam des 74-Jährigen, der als Auftraggeber des Mordes an dem Turiner Staatsanwalt Bruno Caccia im Jahr 1983 galt, hätte am Dienstag in der Pfarrei Madonna del Loreto in Chivasso bei Turin beigesetzt werden sollen. Nach heftigen Protesten wurde die Trauerfeier nun verboten.

Belfiore war als führende Figur der kalabrischen ‘Ndrangheta im Norden Italiens aktiv. Er starb unter Hausarrest, der ihm aus gesundheitlichen Gründen zugestanden worden war. Belfiore hatte nie öffentlich Reue gezeigt, und auch ein Schuldeingeständnis hatte er bis zuletzt nicht abgelegt.

Gründer der Anti-Mafia-Organisation Libera kritisiert Beschluss

Scharfe Kritik an der kirchlichen Trauerfeier kam vom Priester Luigi Ciotti, Gründer der Anti-Mafia-Organisation Libera und Galionsfigur im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Eine kirchliche Bestattung für einen Mörder ohne Reue sei “nicht nur ein pastoraler Fehler, sondern eine zusätzliche Wunde für die Angehörigen der Opfer”, erklärte Ciotti laut Medienangaben. Es gehe nicht darum, einem Verstorbenen das Gebet zu verweigern, sondern um das öffentliche Signal einer feierlichen Messe.

Dem Druck Ciottis gab der Polizeichef von Turin, Massimo Gambino, nach. So erließ er für das Begräbnis strenge Auflagen. Demnach soll die Trauerfeier nicht in einer Kirche stattfinden, auch ein Leichenzug ist untersagt. Die Beisetzung auf dem Friedhof von Chivasso soll im engsten Familienkreis erfolgen.

Unterstützung hatte die Entscheidung zur kirchlichen Feier hingegen vom Bischof der Stadt Ivrea, Daniele Salera erhalten. Zu seiner Diözese gehört die Kleinstadt Chivasso. Man kenne die Taten des Verstorbenen, könne jedoch nicht über dessen inneres Verhältnis zu Gott in den letzten Momenten urteilen. Die Kirche unterscheide zwischen der äußeren Form des öffentlichen Lebens und dem inneren Gewissen. Die Liturgie solle daher in schlichter Form als Wortgottesdienst begangen werden. Auch der örtliche Pfarrer verwies darauf, keine anderslautenden Weisungen der Kurie erhalten zu haben. Man vertraue den Verstorbenen der Barmherzigkeit Gottes an; das letzte Urteil liege nicht beim Menschen.

Staatsanwalt 1983 in Turin erschossen

Der 1983 in Turin erschossene Caccia war der erste von der organisierten Kriminalität getötete Staatsanwalt in Norditalien. Der Fall gilt als Zäsur, die die Verwurzelung der ‘Ndrangheta auch außerhalb Kalabriens offenlegte.

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