Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Im Konflikt zwischen syrischen Regierungskräften und kurdischen Kämpfern hat die syrische Armee ihren Einmarsch in die Stadt Tabqa in der Provinz Raqqa gemeldet. Parallel komme es zur Einkreisung der terroristischen PKK-Milizen innerhalb des Militärflughafens von Tabqa, erklärte die Armee am Samstag laut staatlicher Nachrichtenagentur SANA. Die USA hatten Syrien zuvor aufgefordert, den Vormarsch in den von Kurden kontrollierten Gebieten im Norden des Landes zu stoppen.
“Die Truppen der syrischen Armee haben begonnen, aus mehreren Richtungen in die Stadt Tabqa einzdringen”, verlautete seitens der syrischen Armee. Zuvor hatte sie mitgeteilt, die Kontrolle über zwei von den Kurden gehaltene Ölfelder nahe Tabqa übernommen zu haben.
Das regionale US-Militärkommando CENTCOM wiederum forderte die syrischen Regierungstruppen wiederum auf, Angriffe im Gebiet zwischen Aleppo und Tabqa zu unterlassen. Dort müssten “jegliche Offensivhandlungen” eingestellt werden, erklärte CENTCOM im Onlinedienst X. “Das entschlossene Vorgehen gegen den IS und das unerbittliche Ausüben militärischen Drucks erfordern Teamarbeit unter den syrischen Partnern”, hieß es zum Vorgehen gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Syrische Truppen sollten “jegliche Offensivhandlungen in den Gebieten” zwischen der Stadt Aleppo und der rund 160 Kilometer weiter östlich gelegenen Stadt Tabqa einstellen. Zuvor war es zu Zusammenstößen zwischen der Armee und kurdischen Kämpfern um strategische Stellungen und Ölfelder entlang des Euphrat gekommen.
Ausgangssperre in Raqqa verhängt
Wegen des Vorrückens der syrischen Armee hatten die kurdischen Behörden für die Region Raqqa “bis auf Weiteres” eine Ausgangssperre verhängt. Die Provinz Raqqa war lang Zeit eine Hochburg des IS. Der Vorstoß zur Rückeroberung von Teilen der Provinz Aleppo folgte auf tagelange Gefechte in der gleichnamigen Stadt, in deren Verlauf kurdische Kämpfer die letzten beiden Stadtviertel aufgaben, die sie dort noch kontrolliert hatten.
Südöstlich der syrischen Millionenstadt Aleppo war am Samstag erneut zu Gefechten gekommen. Die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) meldeten, dass es bei Dibsi Afnan zu Zusammenstößen gekommen sei. Sie warfen der Übergangsregierung einen “hinterhältigen Angriff” vor. Die syrische Armee ihrerseits erklärte, ihre Truppen in Dibsi Afnan seien angegriffen worden.
Syrische Truppen hatten sich bei mehreren Dörfern westlich des Euphrat versammelt und die von der Kurden geführte SDF-Miliz zum Rückzug auf das andere Ufer des Flusses aufgefordert. SDF-Kämpfer zogen sich daraufhin Samstag früh als Zeichen des guten Willens aus dem Gebiet zurück. Sie warfen den syrischen Truppen jedoch vor, die Vereinbarung gebrochen zu haben und weiter in Städte und Ölfelder vorgedrungen zu sein, die nicht Teil der Abmachung gewesen seien. Hintergrund der Spannungen sind die stockenden Verhandlungen über Forderungen von Präsident Ahmed al-Sharaa, die militärischen und zivilen Strukturen der Kurden in die Staatsinstitutionen zu integrieren.
Die SDF sind ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Allerdings müssen die USA dies mit ihrer neuen Unterstützung für Präsident Sharaa in Einklang bringen, dessen islamistische Rebellen Ende 2024 den langjährigen Machthaber Bashar al-Assad gestürzt haben.
Al-Sharaa erkennt Kurden als “integralen Teil” Syriens an
Nach anhaltenden Spannungen zwischen Kurden und der Übergangsregierung hatte Interimspräsident Ahmed al-Sharaa am Freitagabend ein Dekret unterzeichnet, das die syrischen Kurden als integralen Teil des syrischen Volkes anerkennt. Das Gesetz garantiert deren kulturelle und sprachliche Identität, erlaubt den Unterricht der kurdischen Sprache in Schulen und hebt diskriminierende Maßnahmen aus der Vergangenheit auf. Zudem wurde das Neujahrsfest Nowruz zum offiziellen Feiertag erklärt.
Die Kurden sind die größte Minderheit in Syrien. Unter der jahrzehntelangen, Ende 2024 gestürzten Assad-Herrschaft waren sie weitläufigen Diskriminierungen ausgesetzt. Während des Bürgerkrieges haben sie sich im Nordosten des Landes eine Selbstverwaltung aufgebaut. Eigentlich sollten die zivilen und militärischen Institutionen nach einem im März geschlossenen Abkommen in die staatliche Ordnung eingegliedert werden. Dies ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.
Beobachter befürchten, die anhaltenden Spannungen zwischen den kurdischen Kräften und der Regierung könnten zu einem größeren Konflikt führen.
US-Gesandter traf kurdische Vertreter
SDF-Chef Mazloum Abdii wurde unterdessen am Nachmittag gemeinsam mit dem US-Gesandten Tom Barrack vom irakischen Kurdenführer Masoud Barzani in Erbil im Irak empfangen. Bei den Gesprächen stand einer Erklärung von Barzanis Büro zufolge die Lage in Syrien im Fokus. Barrack soll am Abend auch den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Nechirvan Barzani, treffen.
Syrischer Präsident besucht am Dienstag Deutschland
Am Dienstag trifft al-Sharaa als erster syrischer Präsident seit 25 Jahren zu einem offiziellen Besuch in Deutschland ein. Er wird von Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Johann Wadephul empfangen. Erklärtes Ziel der Bundesregierung sind “eine Vertiefung und ein Neustart” der Beziehungen, eines der Themen soll die Rückkehr syrischer Flüchtlinge sein.




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