Von: idr
Rimini – Auf der Buchungsplattform Booking.com bot ein Vier-Sterne-Hotel in Rimini ein Doppelzimmer inklusive Frühstück für schlappe 18 Euro an. Was nach einem verlockenden Angebot klingt, entpuppt sich als Symptom einer gefährlichen Entwicklung. Die Tourismusbranche zeigte sich besorgt über den Preis, der eigentlich viel zu gut ist, um wahr zu sein.
Entdeckt hat das Billigangebot Mauro Santinato, Gründer der Beratungsfirma Teamwork und selbst Hotelier. Er teilte einen Screenshot auf Facebook und stellte die kritische Frage: „Wie ist es möglich, ein Zimmer für 18 Euro in einem Vier-Sterne-Hotel zu verkaufen?“ Seine Sorge geht weit über Preispolitik hinaus – für ihn steht die Zukunft der gesamten Branche auf dem Spiel.
Die betroffene Hotelgruppe, die mehrere Häuser in Rimini betreibt, erklärte auf Nachfrage, dass es sich um spezielle Tarife für Booking.com handle. Direktbuchungen über die eigene Website seien teurer. Zeitgleich bot dieselbe Gruppe in anderen Unterkünften Doppelzimmer für 33 Euro an. Ein Versehen sei es nicht gewesen – die Zimmer seien tatsächlich zu diesem Preis buchbar gewesen.
Unmoralische Deals zum Leidwesen der Branche
Santinato rechnet vor: „Wenn ein Vier-Sterne-Hotel ein Doppelzimmer für 18 Euro anbietet, dann sollte ein Drei-Sterne-Hotel zu zwölf Euro anbieten? Und ein Zwei-Sterne-Hotel zu acht Euro?“ Seine Analyse ist schonungslos: Bei solchen Preisen könnten weder Personal angemessen bezahlt noch Qualität gehalten oder investiert werden. Im Resultat setzt dieses Superschnäppchen die gesamte Konkurrenz der Branche ebenfalls unter Druck.
Plattformen wie Booking.com kassieren nicht nur Provisionen von 15 bis 20 Prozent pro Buchung, sondern setzen Hotels zusätzlich unter Druck, mit aggressiven Rabatten sichtbar zu bleiben. Wer in den Rankings nach oben will, muss günstige Angebote schaffen. Gleichzeitig zieht Booking mit diesen Super-Deals mehr Kunden an und baut seine Marktmacht aus – ein Teufelskreislauf, der Margen weiter drückt und Unterkünfte in die Abhängigkeit treibt.
Die Reaktionen sind gespalten: Während manche die Niedrigpreise als normale Strategie für schwache Nebensaison-Zeiten verteidigen, warnen andere vor Imageschaden. Während einige Betriebe argumentieren, dass sie so die Zwischensaison unbeschadeter überstehen, geraten andere unter die Räder. Ob Italien weiter gegen das Preisdumping vorgeht, bleibt abzuwarten.




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