„Si vis pacem para bellum“ – ein Kommentar

Teurer Krieg und verlorene Illusionen

Donnerstag, 24. März 2022 | 04:44 Uhr

Bozen – Der Schreiber dieser Zeilen kann sich noch gut erinnern, als vor mehr als drei Jahrzehnten Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika die friedliche Öffnung seines Landes einläutete und die Berliner Mauer fiel.

Der Kalte Krieg und das Gleichgewicht des Schreckens der gegenseitigen nuklearen Bedrohung fanden ein jähes Ende. Viele glaubten damals, dass ein neues Zeitalter der Demokratie, der Abrüstung und des Friedens beginnen würde. Alle dachten daran, die „Friedensdividende“ zu kassieren und Geldmittel anstatt für neue Waffen für Wohlstand und Fortschritt auszugeben.

APA/APA/dpa/Christophe Gateau

Nach mehreren Kriegen, unzähligen Terrorangriffen und endgültig seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine erscheint der damalige friedliche Umbruch wie ein ferner Traum. Brutaler hätte das Aufwachen nicht sein können. Aller Illusionen einer friedlichen Welt beraubt, denken die Europäer nur mehr daran, aufzurüsten. Selbst das sonst klamme Italien plant, in den kommenden 15 Jahren 60 Milliarden Euro für neue Waffen auszugeben. Deutschland will sogar für 100 Milliarden Euro aufrüsten.

Twitter/Ukraine Weapons Tracker

Während diese Rüstungsausgaben für die Bürger erst in den nächsten Jahren spürbar sein werden, bricht die kriegsbedingte Erhöhung der Energie- und Lebensmittelkosten bereits jetzt große Löcher in die heimischen Haushaltskassen. Im Vergleich zum Leid der Menschen in der Ukraine und der Kriegsflüchtlinge verblassen aber diese typischen Sorgen der Südtiroler.

Twitter/MFA of Ukraine

Weit schwerer als teurere Rechnungen wiegt aber die beängstigende Erkenntnis, dass von den damaligen Träumen einer friedlicheren Welt, in der Völker und Staaten sich mit Respekt begegnen, kaum mehr etwas übrig ist, und dass diese Illusionen dem Faustrecht und der waffenstarrenden Abschreckung gewichen sind. „Si vis pacem para bellum“ – „Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg“, sagten die alten Römer. Wir sind 2000 Jahre später nicht weiter.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "Teurer Krieg und verlorene Illusionen"


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Savonarola
1 Monat 25 Tage

mit Pazifismusparolen ist man nicht imstande, den Frieden zu gewährleisten oder wiederherzustellen, das ist die traurige Wahrheit.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 24 Tage

Mit Aufrüstung aber auch nicht! Hätten wir 2 mal so viel Waffen, Putin wäre trotzdem in der Ukraine!

Sun
Sun
Universalgelehrter
1 Monat 24 Tage

Hätte die Ukraine ihre Atomwaffen 1994 behalten, wäre dieser Psychotphat nicht in die Ukraine einmarschiert. N.G. dein Urteilsvermögen schwächelt.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 24 Tage

@Sun Dann auch deines, denn die Atomwaffen haben nie der Ukraine gehöhrt.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 24 Tage

@Sun Auserdem, wohin hat Aufrüstung geführt? Zu immer besseren Waffen und aus diesen sind Atomwaffen erst entstanden. Das ist sozusagen das Ergebnis daraus! Fein gemacht! Einer will immer der Stärkere sein und dann frag dich was in Zukunft aus der neuen Aufrüstung entstehen wird. Vielleicht willst du das dann gar nicht aber zu spät, heute schreit ihr nach angeblicher Sicherheit, was daraus wird, wisst ihr nicht ..!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 25 Tage

“Willst du Frieden, dann rüste zum Krieg”
Was bringt angesichts atomarer Bedrohung einem Deutschland oder Italien mit der Premisse wir müssen und verteidigen können hunderte Milliarden in sinnlose Waffen zu investieren?
Vor wem verteidigen? Vor Russland?
Glaubt man im Ernst Russland hat vor bis Spanien vorzurücken, in einem konventionellen Krieg?
Je mehr Waffe, desto größer die Gefahr eines Krieges den man im Grunde eigentlich verhindern möchte!
Nach 2000 Jahren sind wir echt nicht viel weiter gekommen und am Ende siegt jetzt wieder die Dummheit!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 24 Tage
Prinzipiell gebe ich ihnen recht. ABER: 1. Atomwaffen sind immer das allerletzte Mittel im Krieg. Darunter braucht Europa eine gemeinsame, schlagkräftige Armee um genau solche Szenarien wie in der Ukraine zu vermeiden. 2. Es ist offiziell Putins Bestreben die Sowjetunion wieder herzustellen und seinen Einfluss bis Berlin auszudehnen. Damit wären die baltischen Staaten, Georgien, Moldau, Polen und Ostdeutschland die nächsten Ziele, sobald die NATO oder die EU Schwäche zeigen. 3.Putin denkt nur in den Kategorien Sieg oder Niederlage. Jedes Anzeichen von Schwäche nutzt er gnadenlos aus. Wenn sich Europa nicht selbst verteidigen kann, ist es schon mittelfristig verloren. Was glauben… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 24 Tage
@Look_at_Yourself Prinzipiell gebe ich auch dir Recht und auf Punkt 2 einzugehen, Putin will “sein” Reich erweitern ab da stellt sich die Frage was der Westen an seiner Rede 2007, München, damals nicht verstanden hat und vor allem, warum nichts unternommen wurde!? Im Gegenteil, man hat ihm die Hand entgegen gestreckt. Nennt man das Sicherheitspolitik? Passiert seit 10 Jahren nicht genau das Selbe mit China? Wirtschaftlich wird ihnen der H… geleckt, Olympiaden vergeben… ein klein wenig die Menschenrechte angeprangert aber so leise , dass es meist der Rest der Welt nicht höhrt um Chinas Boss nicht zu verärgern und würde… Weiterlesen »
Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 24 Tage

@N. G.
Ich kritisiere schon seit Jahren die “Geiz ist Geil” Mentalität, die dazu geführt hat, dass wir uns von Russland und China abhängig gemacht haben und zugleich uns nicht aus der Abhängigkeit von Amerika gelöst haben.
Besonders wir in Deutschland stehen nach 16 Jahren Merkel vor einem Scherbenhaufen, wohin man auch schaut.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 24 Tage

@Look_at_Yourself Sind wir dann nicht alle ein bischen schuldig? (retorische Frage) Nur niemand wills wahr haben!
Die Geschichte wiederholt sich, das grausame daran, gerade jetzt wiederholt sie sich mit China und China ist das neue aber rafiniertere Russland.
Merkel bin ich nicht ganz deiner Meinung. 6-8 Jahre passabel bis sehr gut, alles war dabei, der Rest Schweigen!

Hustinettenbaer
1 Monat 25 Tage

Vor 2000 Jahren war Menschenschlachterei “normal”. Seit 1949 nicht mehr.
Der russische Salto Mortale in die Vergangenheit stellt mir die Nackenhaare auf:
“Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht Russland einem „totalen Krieg“ durch den Westen ausgesetzt. Das sei ein „echter hybrider Krieg“, sagte Lawrow am Freitag. Das Ziel sei es, „die russische Wirtschaft und Russland als Ganzes zu zerstören, brechen, vernichten, strangulieren“.”

Kriegsverbrechen – Wikipedia
Russischer Außenminister Sergej Lawrow: Westen hat Russland „totalen Krieg“ erklärt (rnd.de)
1943: Goebbels will den „Totalen Krieg“: Joseph Goebbels ruft 1943 im Sportpalast zum „totalen Krieg“ auf – Videos – FOCUS Online

Hustinettenbaer
1 Monat 25 Tage

Stoppok – Weit weg, lange her
https://www.youtube.com/watch?v=v1-Qa4XuLAA

Sun
Sun
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

@Hustinette, Lawrows Prophezeiung wird durch den Angriff auf die Ukraine nun Realität, Putin hat sich selbst ins Aus geschossen. Leider werden auch wir einen nicht unerheblichen Preis dafür zahlen.
Demokratie ist leider kein Selbstläufer, aber es zahlt sich aus darum zu kämpfen.
Es sind Autokraten, welche durch Herrschsucht den Weltfrieden gefährden.

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 24 Tage

Gott sei Dank halten sich die “Erfahrungen” der Welt (mächte) mit dem Einsatz von Atomwaffen im engen Grenzen. Ich bete dafür, dass das auch weiterhin so bleibt…

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