Von: idr
Crans-Montana – Nach dem verheerenden Inferno im schweizerischen Skiort Crans-Montana, bei dem in der Silvesternacht 40 Menschen starben und 115 verletzt wurden, davon 80 lebensbedrohlich – unter ihnen zahlreiche Jugendliche – sind die Ermittler nun überzeugt, dass ein Tischfeuerwerk den Brand auslöste. Währenddessen fehlt von der Inhaberin der Bar „Le Constellation“ jede Spur.
Die Ermittler stellten klar: „Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass das Feuer von Tischfeuerwerken ausging, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu sehr in die Nähe der Decke kamen“, erklärt Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud auf einer Pressekonferenz. Videos aus der Bar zeigen Gäste, die Champagnerflaschen mit Wunderkerzen in die Höhe halten – Funken sprühen Richtung Decke, die offenbar mit Schallschutzpaneelen verkleidet ist. Sekunden später steht die Decke in Flammen.
Was folgte, bezeichnen Experten als einen „Flashover“ – die schlagartige Entzündung sämtlicher brennbarer Materialien in einem Raum. Binnen Sekunden verwandelt sich der Kellerraum in ein Inferno. Die Flammenfront schlägt mit enormer Wucht nach außen, Menschen geraten in Panik. Viele versuchen, die enge Treppe nach oben zu erreichen. Manche schaffen es nicht. Die endgültige Identifizierung der Opfer ist aufgrund der Schwere der Verbrennung nur noch anhand von DNA möglich und kann daher noch Tage andauern.
Inhaber spurlos verschwunden
Die Bar Le Constellation gehört dem französischen Ehepaar Jacques und Jessica Moretti. Während er in einem anderen Lokal arbeitete, befand sich Jessica in der Bar, als das Feuer ausbrach. Sie überlebte mit leichten Verbrennungen am Arm. Beide sind seither nicht mehr erreichbar – ihre Social-Media-Kanäle wurden gelöscht, ebenso Bilder, die die Inneneinrichtung der Bar zeigten. Schweizer Medien berichten, dass auf manchen Bildern brennbare Schalldämmungen zu sehen gewesen seien, die in Gewerbebetrieben verboten sind.
Auf der Pressekonferenz reagierte Gemeindepräsident Nicolas Féraud auf die Fragen der Journalisten nach Brandschutz und Sicherheitsmaßnahmen sichtlich hilflos. Er konnte nicht einmal sagen, in welchem Turnus solche Sicherheitsüberprüfungen stattfinden. „Es gibt die Regel, dass solche Bars alle ein oder zwei Jahre untersucht werden müssen. Wir müssen fragen, ob sich die Besitzer diesen Untersuchungen gestellt haben.“
Rund 100 Menschen kämpfen um ihr Leben
In den Spitälern von Lausanne, Genf, Zürich und sogar Stuttgart kämpfen Ärzte um das Leben der Brandverletzten. Allein in der Universitätsklinik Lausanne wurden 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist, erklärt Chefarzt Wassim Raffoul. Über ein Dutzend Schwerverletzte wurden nach Frankreich und Polen verlegt, drei weitere nach Baden-Württemberg. Die Prognosen sind ernst, die Behandlung wird Monate dauern.
Unter den Opfern sind zahlreiche Italiener, Franzosen und Schweizer. Viele von ihnen waren minderjährig, manche sollen mit gefälschten Ausweisen in die Bar gelangt sein. Das Le Constellation galt als angesagter Treffpunkt für junge Leute – ein Ort, an dem man feiern, tanzen und das Leben genießen wollte. Für viele wurde er zur tödlichen Falle.



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