Von: mk
Bozen – In den vergangenen Wochen wurde wiederholt über einen möglichen Nutztierärztemangel in Südtirol berichtet. Aus Sicht der Tierärztekammer Bozen entspricht diese Darstellung jedoch nicht unbedingt der aktuellen Situation.
Die tierärztliche Versorgungslage in Südtirol sei derzeit noch gut. In wenigen Gemeinden, wo bereits viel Obst- Weinbau und Tourismus vorherrschen, bestünden aber bereits Herausforderungen bei der Versorgung der bestehenden Nutztierbetriebe. Von einem flächendeckenden oder bevorstehenden akuten Tierärztemangel könne man daher noch nicht sprechen, erklärt die Tierärztekammer Bozen in einer Aussendung.
„Die Feststellung, im Grödnertal gebe es keinen Tierarzt mehr, entspricht nicht der Realität. Erst vor Kurzem hat dort eine junge Tierärztin ihre Tätigkeit aufgenommen und trägt zur lokalen Versorgung bei“, so die Tierärztekammer.
Trotz allem zeige sich im Großtierbereich auch eine positive Tendenz: Zwar sind in den Jahren 2024 und 2025 einige Tierärzte in den Ruhestand getreten, gleichzeitig aber haben auch junge Tierärztinnen und Tierärzte ihre berufliche Tätigkeit im Nutztierbereich aufgenommen.
Mit Blick auf die Ausbildung werde dieser Trend bestätigt. Aktuell studieren mehr als 30 Südtirolerinnen und Südtiroler Veterinärmedizin an verschiedenen Universitäten. Es finden auch regelmäßig Treffen mit Studierenden an ausländischen Universitäten statt, um für den Standort Südtirol zu werben. Zumindest die Ausbildung des tierärztlichen Nachwuchses ist positiv.
Herausforderungen bestehen laut Tierärztekammer Bozen allerdings weiterhin bei der Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Es ist schwer nachvollziehbar, dass die Anerkennung eines österreichischen Veterinärmedizin-Diploms in der Schweiz oder Deutschland innerhalb von Wochen erfolgen kann, während vergleichbare Verfahren in Italien bis zu sieben Monate und mehr in Anspruch nehmen“, betont die Tierärztekammer Bozen. Eine Beschleunigung und Vereinfachung dieser Prozesse würden einen wichtigen Beitrag der Auslandsstudierenden für die Rückkehr zur Sicherung der Versorgung in Südtirol leisten.
Die bestehenden Schwierigkeiten in einzelnen Gebieten seien zudem nicht primär auf das Alter der praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte zurückzuführen, sondern auf strukturelle Rahmenbedingungen. „In Gebieten mit geringer Viehdichte und einem hohen Anteil an Obst- und Weinbau ist es für einen Neueinsteiger schwierig, eine wirtschaftlich tragfähige tierärztliche Praxis zu führen. Dieses Problem betrifft junge und erfahrene Tierärzte gleichermaßen. Auch ein neu zugezogener oder frisch ausgebildeter Tierarzt kann langfristig nur bleiben, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufsausübung gegeben sind“, so die Tierärztekammer Bozen.
Zusammenfassend hält die Tierärztekammer Bozen Folgendes fest: „Südtirol verfügt derzeit noch über eine zufriedenstellende tierärztliche Versorgung mit einzelnen lokalen Herausforderungen. Ein genereller Mangel an Tierärztinnen und Tierärzten oder ein grundlegendes Nachwuchsproblem ist derzeit zumindest nicht erkennbar. Um die Versorgung aber langfristig abzusichern, gilt es vielmehr, strukturelle Rahmenbedingungen zu verbessern, lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen und bürokratische Hürden bei der Anerkennung von Studienabschlüssen und bei der Ausübung des tierärztlichen Berufes abzubauen. Das sind die Hauptgründe, wenn junge Tierärztinnen und Tierärzte sich entscheiden im benachbarten Ausland ihre berufliche Tätigkeit zu beginnen.“




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