Von: APA/dpa/Reuters
Durch russischen Beschuss sind am Mittwoch im ostukrainischen Gebiet Donezk nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Im südostukrainischen Gebiet Saporischschja sind mindestens fünf Zivilisten durch russische Angriffe getötet worden. Russland meldete unterdessen den Tod des Chefingenieurs des AKW Saporischschja durch einen ukrainischen Drohnenangriff.
Eine Drohne habe den Dienstwagen des Chefingenieur des von Russland kontrollierten Atomkraftwerks, Alexej Jakowlew, zwischen dem Kraftwerk und der Stadt Enerhodar getroffen, teilte der Chef des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, mit. Dabei seien Jakowlew und sein Fahrer ums Leben gekommen. Eine Stellungnahme der Ukraine lag zunächst nicht vor.
Lichatschow verlangte demnach von der internationalen Atomaufsicht IAEA eine “klare Reaktion”. Die russische Führung sei informiert worden. In Moskau reagierte das Außenministerium sofort. “Wir fordern von den zuständigen internationalen Gremien, allen voran der IAEA, eine klare und unmissverständliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird”, schrieb die Sprecherin, Maria Sacharowa, bei Telegram. Namentlich nannte sie den Chef der IAEA Rafael Grossi.
Eine Stellungnahme der IAEA folgte später auf der Plattform X. Demnach verurteilte Grossi den Vorfall, bezeichnete ihn als “inakzeptabel” und als Gefährdung der nuklearen Sicherheit. Die Organisation rufe zur Einstellung aller Angriffe auf oder nahe Nuklearanlagen und deren Personal auf. Das AKW Saporischschja ist mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6.000 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas. Es steht seit der Eroberung durch russische Truppen im März 2022 unter deren Kontrolle. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Reaktoren heruntergefahren.
Ukrainischer Angriff auf Kraftwerk auf der Krim
Allein in der Gebietshauptstadt Saporischschja seien drei Menschen ums Leben gekommen und 15 verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Zuvor hatte er über zwei getötete Männer infolge von Angriffen mit ferngesteuerten Drohnen in der frontnahen Stadt Orichiw informiert. Acht weitere Menschen wurden laut ukrainischen Behörden bei Angriffen auf die Siedlung Jasna Poljana und die Stadt Kramatorsk unter anderem mit ferngesteuerten Drohnen verletzt.
Das ukrainische Militär griff nach eigenen Angaben ein Kraftwerk in Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim an. Bei der Attacke in der Nacht auf Mittwoch sei das Wärmekraftwerk Balaklawa getroffen worden, teilen die ukrainischen Spezialkräfte auf Telegram mit. Die Anlage ist für fast die Hälfte der Stromerzeugung auf der Halbinsel verantwortlich.
Nach ukrainischen Angriffen wird in Sewastopol stundenweise der Strom abgeschaltet. Die von Russland eingesetzten Behörden hatten am Dienstag mitgeteilt, dass die Stromversorgung vorerst auf zwei Stunden begrenzt ist, gefolgt von sechsstündigen Ausfällen.
Gegenseitige Angriffe im Schwarzen Meer
In der Nacht auf Mittwoch hatten die Ukraine und Russland einander gegenseitig im Schwarzen Meer attackiert. Die Ukraine griff demnach nach eigenen Angaben 20 russische Schiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen an. Dabei seien 17 Öltanker, zwei Gastanker und ein Schlepper getroffen worden, teilte der Kommandant der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mit.
Bei russischen Angriffen auf Handelsschiffe vor der Küste der Region Odessa und im Schwarzen Meer wurden am Dienstag nach Behördenangaben drei Menschen getötet. Dabei seien vier Schiffe getroffen worden, die Fracht für das ukrainische Militär geliefert hätten. Die Angriffe hätten sich gegen die Häfen von Odessa und Tschornomorsk gerichtet. Zudem seien Hafenanlagen zum Entladen von Kraft- und Schmierstoffen sowie Treibstofftanks getroffen worden. Auch im Hafen von Dnipro-Bug seien Schiffe attackiert worden. In der Region Mykolajiw sei bei einem russischen Drohnenangriff auf die Hafeninfrastruktur ein Mann verletzt worden, teilte Gouverneur Witalij Kim auf Telegram mit.
Bei Angriffen auf Hafeninfrastruktur in der Region Odessa sei ein unter der Flagge der Marshallinseln fahrendes Schiff von einer Drohne getroffen worden, teilte Regionalgouverneur Oleh Kiper im Onlinedienst Telegram mit. “An Bord brach ein Feuer aus. Leider wurden zwei Menschen getötet.” Im Schwarzen Meer seien außerdem zwei unter tansanischer und liberianischer Flagge fahrende Handelsschiffe angegriffen worden, erklärte Kiper. Der Kapitän eines der beiden Schiffe sei dabei getötet worden. Die übrigen elf Besatzungsmitglieder, von denen drei verletzt worden seien, wurden nach Angaben des Gouverneurs in Sicherheit gebracht.
“Kriegsverbrechen gegen globale Ernährungssicherheit”
Kiper erklärte, die im Schwarzen Meer angegriffenen Schiffe hätten die für den Export ukrainischen Getreides vorgesehenen Korridore befahren. “Jeder dieser zynischen feindlichen Angriffe stellt ein Kriegsverbrechen gegen die friedliche Bevölkerung, die zivile Schifffahrt und die globale Ernährungssicherheit dar”, betonte der Gouverneur.
Die Region Odessa und ihre Hafeninfrastruktur sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 regelmäßig Ziel russischer Angriffe. Die ukrainische Armee hat ihrerseits in jüngster Zeit ihre Angriffe auf Schiffe im Asowschen Meer verstärkt. Das Meer dient als wichtige Transportroute für den Export russischer Agrarprodukte sowie für die Versorgung der annektierten Krim.
Die Ukraine hat bei ihren Angriffen auf die russische Öl-Infrastruktur neben Raffinerien teils tief im Landesinneren zuletzt auch verstärkt Tanker im Schwarzen Meer ins Visier genommen. Die Angriffe führten zu Treibstoffengpässen in Russland, insbesondere auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim.




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