Von: APA/dpa/Reuters
Im Krieg der USA und Israels gegen den Iran sind Staatsmedien zufolge bei einem Luftangriff auf eine religiöse Anlage im Nordwesten des Landes drei Menschen ums Leben gekommen. Infolge der Attacke in der Stadt Zanjan seien zwölf weitere Menschen verletzt und in Kliniken gebracht worden, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sieht die kommenden Tage im Krieg mit dem Iran als entscheidend an.
“In nur einem Monat haben wir die Bedingungen festgelegt – die kommenden Tage werden entscheidend sein”, sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington. Hegseth betonte, er bevorzuge es, den Krieg mit einem Abkommen zu beenden. “In der Zwischenzeit werden wir mit Bomben verhandeln.” Hegseth bekräftigte die Darstellung, der Iran sei militärisch am Ende.
Bunkerbrechende Bomben gegen Munitionsdepots
Im Krieg gegen den Iran haben die USA mit bunkerbrechenden Bomben Militäreinrichtungen angegriffen. Laut Medienberichten waren große Munitionsdepots im Raum Isfahan das Ziel. Der Iran bestätigte die Attacken. “Derzeit liegen noch keine Informationen über das Ausmaß der Schäden oder die Zahl der Toten und Verletzten dieser Angriffe vor”, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Isna den Vizegouverneur der Provinz, Akbar Salehi.
In der Ziel-Region liegt auch die Atomanlage Isfahan. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) geht davon aus, dass die Islamische Republik in Isfahan zumindest Teile ihres hochangereicherten Urans unterirdisch gelagert hat.
Aufnahmen in den sozialen Medien zeigten schwere Explosionen in der Nacht. Auf Bildern war nach den Bombardierungen unter anderem ein glühend orangefarbener Nachthimmel zu sehen. “Sechs bunkerbrechende Bomben trafen den Berg Sofeh, sehr viele Folgeexplosionen, mehrere pro Sekunde, der Himmel ist hell erleuchtet”, zitierte der Netzaktivist Vahid eine Nachricht.
In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal “Newsmax” betonte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, dass die Zerstörung der Uranvorräte Teherans aktuell das zentrale Ziel der Angriffe sei. Zum Verlauf des Krieges sagte er: “Wir haben mehr als die Hälfte des Weges zum Erfolg unserer Mission zurückgelegt.”
Entsalzungsanlage auf Insel Qeshm außer Betrieb
Eine Entsalzungsanlage im Süden des Iran ist nach Raketenbeschuss außer Betrieb. Eine Reparatur der Anlage auf der Insel Qeshm sei nicht möglich, berichtete die Zeitung “Shargh” unter Berufung auf das Zentrum für Umweltschutz. Die konkreten Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung auf der landschaftlich spektakulären Insel, die auch ein beliebter Touristenort ist, war zunächst unklar.
Unterdessen meldete die Nachrichtenagentur Mehr einen weiteren Angriff auf Qeshm. Bei der Bombardierung eines Hafenabschnitts habe es keine Opfer gegeben, hieß es unter Berufung auf die Verwaltung der zuständigen Provinz Hormusgan.
Ex-Außenminister: Pharmaunternehmen im Iran bombardiert
Im Iran ist nach Worten des früheren Außenministers Mohammad Javad Zarif ein Pharmaunternehmen Ziel eines Angriffs geworden. “Nach einem Monat voller Kriegsverbrechen wurde heute die Firma Tofigh Daru Research & Engineering zum Ziel”, schrieb der ehemalige Minister auf der Plattform X. “Die verzweifelten Angreifer – denen es nicht gelungen ist, ihre teuflischen Wahnvorstellungen zu verwirklichen – haben nun gezielt einen Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen, darunter auch Krebsmedikamente, angegriffen.” Er veröffentliche dazu ein Foto, das ein zerstörtes und ausgebranntes Stockwerk der Einrichtung zeigt.
Mehrere Einschläge nach iranischem Raketenangriff auf Israel
Nach einem neuen iranischen Raketenangriff auf Israel hat es unterdessen nach Polizeiangaben mehrere Einschläge im Großraum Tel Aviv gegeben. Polizei und Sprengstoffexperten arbeiteten an der Absicherung der Einschlagsorte, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden sechs Menschen verletzt. Gebäude und Fahrzeuge seien beschädigt worden, berichteten israelische Medien. Das Nachrichtenportal “ynet” berichtete, Teheran habe erneut Streumunition eingesetzt.
Im Umkreis der Stadt Tel Aviv hatte es zuvor Raketenalarm gegeben, Einwohner berichteten von Explosionsgeräuschen. Auch der staatliche Rundfunk im Iran berichtete von einer neuen Welle von Raketenangriffen auf Israel.
Israels Militär auf “weitere Wochen” von Kämpfen vorbereitet
Israel ist nach Angaben eines Militärsprechers auf “weitere Wochen” der Kämpfe im Iran vorbereitet. Die Entscheidung darüber liege allerdings bei den Politikern, sagt Militärsprecher Nadav Shoshani vor Reportern. “Aber wir sind bereit, noch wochenlang weiterzumachen. Wir haben die Ziele dafür, die Munition dafür, die personellen Ressourcen dafür.” Der Angriff Israels und der USA auf den Iran hat Ende Februar begonnen. US-Präsident Donald Trump hatte damals gesagt, der Einsatz werde vier Wochen oder weniger dauern.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, die Krise im Nahen Osten könne sich zu einem noch größeren Konflikt ausweiten. Die USA und Israel hätten kein Interesse an einer Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Iran und dessen Nachbarn. Die US-Pläne für einen Regierungsumsturz im Iran hätten ebenso wie die des Umsturzes in Venezuela das Ziel, mehr Kontrolle über die jeweiligen Öl- und Gasreserven zu bekommen.
EU-Ratspräsident verlangt von Iran Stopp der Angriffe
EU-Ratspräsident António Costa hat nach eigenen Angaben von Irans Präsident Massoud Pezeshkian in einem Telefonat einen Stopp der Angriffe und mehr diplomatische Bemühungen verlangt. “Um die Lage zu deeskalieren, habe ich Iran aufgefordert, die inakzeptablen Angriffe auf Länder in der Region einzustellen”, schrieb Costa in den sozialen Medien. Das Land solle sich diplomatisch bemühen, insbesondere mit den Vereinten Nationen, um die freie Schifffahrt in der Straße von Hormuz zu gewährleisten. Die EU sei bereit, alle diplomatischen Anstrengungen für eine Lösung zu unterstützen und gleichzeitig die umfassenderen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Iran zu adressieren.
Costa nennt Angriff auf Schule “zutiefst bedauerlich”
Costa rief zudem alle Parteien zur Achtung des Völkerrechts auf. “Der Verlust unschuldiger Menschenleben, unter anderem in der Schule von Minab, ist zutiefst bedauerlich”, beklagte er. Bei dem Angriff in Minab am Persischen Golf waren Ende Februar mindestens 168 Schülerinnen, 26 Lehrerinnen sowie 4 Eltern ums Leben gekommen. US-Medienberichten zufolge sind US-Streitkräfte für den Angriff verantwortlich, Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte dazu eine Untersuchung angekündigt.




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