Er lässt "rotes Blut" fließen

Trump behält die Zügel der Macht unter den Republikanern

Freitag, 22. Mai 2026 | 12:21 Uhr

Von: mk

Donald Trump mag derzeit unter rekordverdächtig schlechten Umfragewerten leiden. In seiner eigenen Partei sitzt der amtierende US-Präsident aber weiterhin unangefochten im Sattel. Wer bei den Republikanern das Sagen hat, zeigte sich zuletzt am Dienstag, als in Kentucky die Primaries seiner Partei für die Midterms im November ausgezählt waren. Keine zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale wurde Trumps Kandidat Ed Gallrein mit rund zehn Punkten Vorsprung zum Sieger im vierten Kongresswahlbezirk erklärt. Dessen Kontrahent Thomas Massie war zuvor bei Trump in Ungnade gefallen.

Der bislang unbekannte Republikaner Gallrein wurde nicht nur mit umgerechnet rund 16,3 Millionen Euro unterstützt, womit der Vorwahlkampf zum teuersten wurde, den man je für das Repräsentantenhaus geführt. Trump überhäufte Massie außerdem mit bitteren Attacken und beschimpfte ihn als „Vollidioten“ und „Widerling“.

Massie, der Kentucky seit fast 15 Jahren im US-Repräsentantenhaus vertreten hat, zog sich zunächst Trump Ärger zu, weil er aus Protest gegen das steigende Haushaltsdefizit und zunehmende Militärausgaben gegen Trumps sogenannte Big Beautiful Bill gestimmt hatte.

Im November 2025 setzte sich der Abgeordnete dann noch als prominentester Republikaner neben Marjorie Taylor Greene lautstark für die Öffnung der Epstein-Akten ein. Taylor Greene nahm darauf freiwillig ihren Hut, nun ist auch Massie außen vor.

Schon Anfang Mai hatte Trump „rotes Blut“ fließen lassen, und zwar in Indiana. Dort verloren fünf Senatoren auf Betreiben von Trump die Vorwahlen. Der US-Präsident stellte sich im Wahalkampf gegen sie, weil sie zuvor gegen eine Neuzeichnung der Wahlbezirke gestimmt hatten, die Trump angesichts Midterms im November für vorteilhafter hielt. Die widerspenstigen Republikaner hatten argumentiert, dieser Schritt sei im ohnehin roten Indiana exzessiv und unterminiere das Vertrauen in die Demokratie. Trump ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, Widerstand wird nicht geduldet.

Die Vorfälle zeigen aber auch: Die Unzufriedenheit mit Trump mag auch innerhalb seiner eigenen Partei groß sein – unter anderem aufgrund des Iran-Kriegs, der engen Allianz mit Israel, kostspieliger Militäreinsätze außerhalb der USA, aufgrund der Todesopfer bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE sowie wegen seines Umgangs mit den Epstein-Akten. Der Kern seiner Anhänger innerhalb MAGA-Bewegung hält aber nach wie vor zu ihm, während die Moderaten innerhalb der Republikaner kaum Gewicht haben.

Dadurch werden die Midterms im Herbst zur entscheidenden Schlacht. Gewinnen die Demokraten in den USA die Wahlen, könnten sie die Macht des US-Präsidenten stark einschränken. Behalten die Republikaner unter Trump die Vorherrschaft könnte dies dramatische Folgen für die USA und die Welt haben – zumal Trump und seine Gefolgsleute immer wieder versuchten, die demokratische Strukturen und Kontrollmechanismen in den Vereinigten Staaten zu untergraben.

Trump hat unterdessen seine Erfolge bei den parteiinternen Vorwahlen gefeiert, doch auch Thomas Massie ließ sich feiern. „Es hat als Wahl begonnen und ist eine Bewegung geworden!“, erklärte der Abgeordnete nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses vor seinen jubelnden Anhängern. „Warum bin ich im Moment hoffnungsvoll? Wir haben die jüngere Generation auf unserer Seite. Ihr seid Patrioten und ihr werdet dieses Land erben. Ihr werdet es besser machen.“ In den USA gebe es eine Sehnsucht nach jemandem, der nach den Prinzipien seiner Partei abstimme, erklärte der Abgeordnete.

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