Von: APA/Reuters/dpa
US-Präsident Donald Trump zieht einen begrenzten militärischen Schlag gegen den Iran in Betracht. Auf die Frage, ob er einen solchen Schritt erwäge, um die Führung in Teheran zu einem Atomabkommen zu bewegen, sagte er am Freitag vor Journalisten im Weißen Haus: “Ich denke, ich kann sagen, dass ich das in Erwägung ziehe.” Weitere Einzelheiten nannte er zunächst nicht. Am Vortag hatte er dem Erzfeind eine Frist von zehn bis 15 Tagen zum Einlenken im Atomstreit gegeben.
Der iranische Außenminister wies das US-Ultimatum zurück und zeigte sich zuversichtlich, dass beide Seiten zu einem diplomatischen Abkommen finden werden. “Es gibt überhaupt kein Ultimatum und wir sprechen lediglich über ein schnelles Abkommen, an dem beide Seiten interessiert sind”, sagte Abbas Araqchi in einem Interview des US-Senders MS NOW.
Er kündigte er an, in den kommenden zwei bis drei Tagen einen Entwurf für einen Gegenvorschlag vorzulegen. Dieser könne dann von der iranischen Führung geprüft werden. Weitere Gespräche mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner seien in etwa einer Woche möglich. Ein diplomatischer Durchbruch sei “in sehr kurzer Zeit” erreichbar. Ein militärisches Vorgehen würde die Bemühungen um ein Abkommen jedoch erschweren, warnte Araqchi.
Irans Außenminister: “Keine Aussetzung angeboten”
Widersprüchliche Angaben gab es zu den Inhalten der bisherigen Gespräche in Genf. Araqchi erklärte, die USA hätten keinen vollständigen Verzicht auf Uran-Anreicherung gefordert. “Wir haben keine Aussetzung angeboten, und die US-Seite hat nicht nach null Anreicherung gefragt”, sagte er. Es gehe vielmehr um vertrauensbildende Maßnahmen, um den friedlichen Charakter des Programms sicherzustellen.
Das Weiße Haus widersprach dieser Darstellung umgehend. “Der Präsident hat klargemacht, dass der Iran keine Atomwaffen oder die Fähigkeit zu deren Bau haben darf und dass sie kein Uran anreichern dürfen”, hieß es in einer Stellungnahme zu Araqchis Äußerungen.
Planungen schon weit fortgeschritten
Insidern zufolge sind die militärischen Planungen der USA für einen Angriff schon weit fortgeschritten und umfassen drastische Optionen. Sollte Präsident Trump den Befehl erteilen, könnten gezielte Tötungen innerhalb der iranischen Führung bis hin zu einem erzwungenen Regimewechsel in Teheran erfolgen, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Vorbereitungen sind das jüngste Anzeichen dafür, dass sich Washington für einen ernsthaften Konflikt rüstet, sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern. Reuters hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet, dass sich das US-Militär auf eine wochenlange Luftoffensive gegen iranische Sicherheitsanlagen und die nukleare Infrastruktur einstellt.
Die neuen Informationen deuten auf detailliertere und ehrgeizigere Pläne hin. Trump hatte in den vergangenen Tagen öffentlich über einen Sturz der Führung in der Islamischen Republik spekuliert und dies als “das Beste, was passieren könnte”, bezeichnet. Zwar nannten die Insider keine Namen potenzieller Zielpersonen, verwiesen aber auf die Effektivität gezielter Schläge gegen die Befehlskette.
Ein Regierungsvertreter erinnerte an den zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Jahr. Damals seien israelischen Angaben zufolge mindestens 20 hochrangige Kommandanten getötet worden, darunter Generalstabschef Mohammad Bagheri. Dies habe den Nutzen solcher Angriffe auf die Führungsriege der Revolutionsgarden (IRGC) bewiesen.
Iran warnt vor einer Eskalation
Der Iran warnte in einem Brief an UN-Generalsekretär Antonio Guterres vor einer Eskalation, kündigte aber im Fall eines Angriffs eine “entschlossene und verhältnismäßige” Reaktion an. Die Revolutionsgarden drohten mit Vergeltung gegen US-Stützpunkte in der Region. Das US-Militär ist unter anderem in Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei präsent. Zudem könnte die Regierung in Teheran die Straße von Hormuz blockieren, durch die ein Fünftel der weltweiten Öltransporte fließt. Die Kriegsgefahr trieb die Ölpreise bereits in die Höhe.




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