Die Ukraine greift immer wieder russische Rafinerien an (Archivbild)

Ukraine überzieht Russland erneut mit Drohnenangriffen

Freitag, 10. Juli 2026 | 12:32 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Die Ukraine hat in der Nacht auf Freitag mit Drohnen eine Raffinerie und mehrere Öldepots im Süden Russlands angegriffen und beschädigt. Die russische Luftverteidigung meldete den Abschuss von 376 ukrainischen Drohnen. Am Freitag gab der Kreml dann bekannt, dass der russische Präsident Wladimir Putin weiterhin offen für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts sei.

Das meldete Kremlsprecher Dmitri Peskow. Als Reaktion auf eine Eskalation seitens der Regierung in Kiew richte Russland jedoch eine ausgedehntere Pufferzone in der Ukraine ein. Peskow reagierte damit auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach jüngste ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und Häfen Putin in seiner Entschlossenheit bestärkt haben. Da die Ukraine derzeit kein Interesse an Verhandlungen zeige, setze Russland seinen Militäreinsatz fort, erklärte Peskow weiter.

Brände und Schäden nach ukrainischen Angriffen

In Krasnodar brach laut örtlichen Behörden infolge der ukrainischen Angriffe ein Feuer in der Ölraffinerie Ilski aus, das mittlerweile gelöscht wurde. Menschen seien dabei nicht zu Schaden gekommen.

Auch in der Region Rostow kam es zu Schäden an Ölanlagen. Dort seien in der Stadt Asow zwei Objekte zur Lagerung von Öl und ein Verwaltungsgebäude in Brand geraten. Das teilte der Rostower Gouverneur Juri Sljussar auf Telegram mit. Zudem sei in der Großstadt Taganrog der Hafen unter Beschuss geraten. Die Löscharbeiten liefen, schrieb Sljussar. Opfer gäbe es keine.

Russland wirft Ukraine “Terror” vor

Darüber hinaus vereitelte Russland nach eigenen Angaben in Rostow einen “Terrorakt” gegen einen Militärflugplatz. An dem Angriff seien ukrainische Drohnen beteiligt gewesen, teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB der staatlichen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit.

Der Kreml warf der Ukraine auch eine Eskalation “terroristischer” Angriffe auf das von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja vor. Dies sei äußerst gefährlich, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag. Die Ukraine nehme zivile Infrastruktur sowie Anlagen unter Beschuss, die direkt mit dem Kraftwerk in Verbindung stünden. Beide Seiten beschuldigen sich seit langem gegenseitig, die Sicherheit der Atomanlage durch militärische Aktionen zu gefährden.

Seit mehr als vier Jahren führt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Diese wehrt sich nun verstärkt mit Drohnenangriffen, die auf Militärobjekte, Rüstungsbetriebe und strategisch wichtige Anlagen der Ölindustrie zielen. Wegen der ständigen Attacken ist in Russland die Verarbeitung von Öl deutlich gesunken. In praktisch allen russischen Regionen mangelt es an Treibstoff.

Kiew: Russische Verluste hoch und Eroberungstempo halbiert

Das russische Militär hat nach Angaben aus Kiew im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Russland habe eine großangelegte Offensive geplant, aber praktisch keins seiner gesteckten Ziele erreicht, schrieb der Oberbefehlshaber der ukrainischen Truppen, Olexander Syrskyj, bei Telegram.

Die Ukraine verteidige sich weiter und habe an einzelnen Frontabschnitten die Initiative übernommen. “Dank der aktiven Handlungen der Verteidiger ist im ersten Halbjahr 2026 das Tempo des Vorrückens russischer Truppen um mehr als die Hälfte gesunken”, schrieb er.

Das schleppende Vorankommen der russischen Truppen bestätigen auch unabhängige Militäranalysten. Laut Syrskyj ist es den Ukrainern zuletzt sogar gelungen, annähernd so viel Territorium zurückzuerobern, wie sie an anderer Stelle verloren haben.

Syrskyj: Russische Verluste liegen bei 32.000 pro Monat

Die Verluste der russischen Seite bezifferte er dabei auf monatlich knapp 32.000 Tote oder Schwerverwundete. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Kiews Ziel besteht darin, den russischen Einheiten höhere Verluste zuzufügen, als Moskau Nachschub gewährleisten kann.

Nach Angaben von Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew haben sich 2026 im ersten Halbjahr 210.000 Russen für den Krieg in der Ukraine verpflichtet. Diese Zahlen werden von Analysten angezweifelt.

Die Zahl der Freiwilligen ist trotz Rekordprämien nach Angaben des unabhängigen Portals “Wjorstka” 2026 um ein Drittel eingebrochen, liegt demnach unter 30.000 pro Monat. Zuletzt hatten in sozialen Netzwerken Videos für Aufruhr gesorgt, die zeigten, wie Männer in der Provinzstadt Pensa gewaltsam für den Militärdienst rekrutiert wurden. Probleme mit der Rekrutierung waren zuvor eigentlich nur in der Ukraine bekannt.

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