Russland umgeht Sanktionen mit Schattenflotte

USA beschlagnahmen russischen Öltanker im Nordatlantik

Mittwoch, 07. Januar 2026 | 23:35 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters/dpa

Die USA haben Armeeangaben zufolge einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik “beschlagnahmt” und einen weiteren Tanker in karibischen Gewässern festgesetzt. Der russische Tanker “Bella 1”, der zuvor wochenlang von der US-Armee verfolgt worden war, sei im Auftrag des Justizministeriums und des Innenministeriums “wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen” unter US-Kontrolle gebracht worden, erklärte das US-Militärkommando für Europa am Mittwoch auf X mit.

Die “Bella 1” sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN. US-Medien hatten zudem berichtet, dass Russland ein U-Boot in Richtung Atlantik geschickt habe, um den leeren Tanker zu eskortieren. US-Behörden zufolge gehört das Schiff mutmaßlich zur sogenannten Schattenflotte, die unter Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran transportiert. Am Mittwoch befand sich der Tanker laut der Website Marinetraffic in der Nähe der ausschließlichen Wirtschaftszone vor Island.

US-Justizministerin Pam Bondi schrieb auf der Plattform X, die USA hätten einen Befehl zur Beschlagnahmung des Rohöltankers vollstreckt, “der für den Transport von sanktioniertem Öl aus Venezuela und dem Iran verantwortlich ist”. Wohin das Öl aus dem nun beschlagnahmten Schiff transportiert werden sollte, wird aus Bondis Mitteilung nicht deutlich. Das Schiff sei wegen seiner Rolle “in einem Netzwerk zur Umgehung von Sanktionen, das für die Unterstützung ausländischer terroristischer Organisationen verantwortlich ist”, in das Visier der USA geraten, schrieb Bondi.

Bondi schrieb weiter, gegen die Besatzungsmitglieder des Schiffs werde umfassend ermittelt, weil sie den Anweisungen der Küstenwache nicht Folge geleistet und versucht hätten zu fliehen. Gegen alle schuldigen Akteure würden strafrechtliche Schritte eingeleitet. Das Justizministerium überwache zudem mehrere andere Schiffe im Hinblick auf ähnliche Durchsetzungsmaßnahmen. “Jeder, der sich auf einem Schiff befindet und den Anweisungen der Küstenwache oder anderer Bundesbeamter nicht Folge leistet, wird überprüft und mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt.”

Moskau fordert ungehinderte Heimkehr

Das russische Außenministerium fordert eine ungehinderte Heimkehr der Seeleute auf dem von der US-Marine im Nordatlantik aufgebrachten Öltanker. Man verfolge die Lage auf der “Marinera” aufmerksam, teilte das Ministerium in Moskau nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen mit. Das US-Militär benutzt für den Tanker den Namen “Bella-1”, so hieß es vor einer Umbenennung.

“Angesichts der Berichte, dass russische Bürger zur Besatzung gehören, verlangen wir von der amerikanischen Seite, ihre humane und würdige Behandlung sicherzustellen, ihre Rechte und Interessen strikt zu wahren und eine schnellstmögliche Rückkehr in die Heimat nicht zu behindern”, hieß es.

Das russische Verkehrsministerium kritisierte das US-Vorgehen unter Verweis auf die UN-Seerechts-Konvention von 1982. Demnach habe kein Staat das Recht, in internationalen Gewässern die freie Fahrt ordnungsgemäß registrierter Schiffe zu behindern. Der Tanker habe am 24. Dezember eine vorläufige Erlaubnis erhalten, unter russischer Flagge zu fahren, hieß es. Diese sei ordnungsgemäß und nach internationalem Recht erteilt worden.

Seit 2024 unter US-Sanktionen

Das Schiff steht seit 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Iran und zur libanesischen Hisbollah-Miliz unter US-Sanktionen. Der Tanker wird seit dem 21. Dezember von der US-Küstenwache verfolgt. Seitdem fährt er unter russischer Flagge und hat seinen Namen in “Marinera” geändert. Im vergangenen Monat malte die Crew Berichten zufolge eine russische Flagge auf das Schiff. Das russische Außenministerium hatte am Dienstag erklärt, es beobachte die Verfolgung des Tankers durch die USA “mit Sorge”.

Unklar war zunächst, wohin die beschlagnahmte “Marinera” nun gebracht werden soll. Insidern zufolge dürfte sie in britische Hoheitsgewässer einlaufen. Das britische Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Einem Zeitungsbericht zufolge war die britische Luftwaffe an der US-Operation zur Beschlagnahmung des Tankers beteiligt. Britische Luftwaffenstützpunkte würden als Basis für die an der Operation beteiligten US-Militärflugzeuge genutzt, berichtete die Zeitung “i”. Auch dazu lag zunächst keine Stellungnahme ⁠des britischen Verteidigungsministeriums vor.

“Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt in VOLLER WIRKUNG – überall auf der Welt”, erklärte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth dazu. Eine offizielle Stellungnahme aus Moskau lag zunächst nicht vor. Der russische Staatssender RT veröffentlichte jedoch ein Bild, das einen Hubschrauber im Schwebeflug nahe dem Schiff zeigt.

Weiteres Schiff in der Karibik beschlagnahmt

In karibischen Gewässern wurde Armeeangaben zufolge zudem der staatenlose Tanker “M/T Sophia” beschlagnahmt. Das Schiff unterliege ebenfalls US-Sanktionen, gehöre zur Schattenflotte und habe “illegale Aktivitäten” in der Region vorgenommen, erklärte das für die Region zuständige US-Militärkommando Southern Command auf X.

Die USA hatten Ende Dezember, vor der Gefangennahme des venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro, eine Blockade gegen sanktionierte Öltanker verhängt, die Venezuela ansteuern oder verlassen. Zudem beschlagnahmten die USA im Dezember binnen zwei Wochen zwei Öltanker.

Auch nach der Festnahme Maduros soll die Blockade vorerst beibehalten werden. Sie sei ein “enormer Hebel”, um politische Veränderungen in Venezuela herbeizuführen, sagte US-Außenminister Marco Rubio.

Kommentare

Aktuell sind 7 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen