Die Meeresenge ist ein geopolitisches Nadelöhr

USA starten Hormuz-Seeblockade

Montag, 13. April 2026 | 20:19 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Die USA haben eigenen Angaben nach mit der Blockade der Straße von Hormuz begonnen. Das teilte ein Regierungsbeamter am Montag mit. US-Präsident Donald Trump bestätigte später vor Reportern in Washington, die Blockade sei wie geplant in Kraft getreten. Washington will mit der Maßnahme den Druck auf Teheran erhöhen. Die iranischen Streitkräfte sprachen ihrerseits von einem “Akt der Piraterie” und von einem “Bluff” Trumps. Außerdem werde es eine Reaktion darauf geben, hieß es.

Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (CENTCOM) hatte am Sonntag mitgeteilt, ab diesem Montag 10.00 Uhr US-Ostküstenzeit (16.00 Uhr MESZ) bestimmte Schiffe an der Durchfahrt durch die Meerenge zu hindern. Blockiert werden sollen demnach Schiffe, die einen iranischen Hafen als Start oder Ziel haben. Dies schließe iranische Häfen am Persischen Golf und am Golf von Oman ein, hieß es.

Zugleich hatte das US-Militär erläutert, dass die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormuz ohne iranischen Ziel- oder Startpunkt nicht beeinträchtigt werden solle. Die Ankündigungen nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran lösten Reaktionen an den Börsen aus – und sorgten für Empörung im Iran.

Bericht: Mehr als 15 US-Kriegsschiffe könnten Einsatz unterstützen

Das “Wall Street Journal” berichtet unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten, dass mehr als 15 US-Kriegsschiffe bereit seien, den Einsatz zu unterstützen. Laut Vertretern des Militärs hätten die USA einen Flugzeugträger, mehrere Lenkwaffenzerstörer, ein amphibisches Angriffsschiff sowie weitere Kriegsschiffe im Nahen Osten, schreibt die Zeitung.

Einige der Schiffe seien in der Lage, Handelsschiffe in bestimmte Gebiete zu eskortieren, um sie dort festzuhalten. Das Blatt zitiert einen ehemaligen hochrangigen Soldaten der US-Marine mit der Einschätzung, dass die Kriegsschiffe wahrscheinlich außerhalb der Straße von Hormuz eingesetzt würden, um eine Bedrohung durch den Iran zu vermeiden.

Nach Informationen des “Wall Street Journal” erwägen Trump und seine Berater außerdem, auch begrenzte Militärschläge im Iran wieder aufzunehmen, um die festgefahrenen Gespräche wieder in Gang zu bringen.

Iran spricht von “Piraterie”

Irans Streitkräfte bezeichneten die Seeblockade als “Akt der Piraterie”. Einschränkungen für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern seien eine illegale Maßnahme, sagte ein Sprecher der iranischen Militärführung laut der Nachrichtenagentur Tasnim. “Die Sicherheit der Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman ist entweder für alle oder für niemanden.”

Trumps Ankündigung sei nichts als Bluff, schrieb der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, in der Nacht auf Montag auf X. Dies würde als Militäroperation gewertet, “und wir würden darauf reagieren”. Die Revolutionsgarden warnten davor, dass sich Militärschiffe der Straße von Hormuz nähern. Dies würde als “klarer Verstoß gegen die (seit Mittwoch) bestehende Waffenruhe betrachtet”, hieß es Sonntagabend in einer Mitteilung.

Gibt es weitere Verhandlungen?

Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren Sonntagfrüh ohne Einigung zu Ende gegangen. In Pakistan, Schauplatz der Verhandlungen am Wochenende, mehrten sich zuletzt wieder Gerüchte über neue Gespräche. “Die Diplomatie ist noch nicht tot”, sagte ein pakistanischer Regierungsbeamter. Wo und wann die Gespräche weitergehen könnten, sei jedoch unklar.

Trump sagte in Washington, der Iran habe angerufen. “Sie wollen einen Deal machen” und zwar unbedingt, sagte er wie bereits in früheren Äußerungen. Eine entsprechende öffentliche Äußerung aus dem Iran gab es zunächst nicht.

Was Trump erreichen will

Trump will mit der Blockade verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangt, und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden. Die Straße von Hormuz zwischen dem Iran und dem Oman ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel.

Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Teheran die Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch blockiert, was die Preise für Energie in die Höhe trieb. Der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen.

Kommentare

Aktuell sind 8 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen