Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Nach den nächtlichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran ist nun offen, wie es mit den Bemühungen um Frieden weitergeht. Beide Seiten beschossen einander in der Nacht auf Freitag und gaben sich gegenseitig die Schuld dafür. US-Präsident Donald Trump betonte aber, die Waffenruhe sei weiter in Kraft. Eine Reaktion Teherans auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Kriegs steht noch aus, wird aber für Freitag erwartet.
Das iranische Militärkommando warf den USA vor, einen Öltanker, ein weiteres Schiff sowie zivile Gebiete angegriffen und damit die seit einem Monat geltende Waffenruhe gebrochen zu haben. Der Iran werde auf jeden Angriff ohne Zögern und mit aller Härte reagieren, hieß es in einer in den staatlichen Medien verbreiteten Erklärung vom Freitag. Das US-Militär sprach dagegen von einem Akt der Selbstverteidigung nach unprovozierten Angriffen aus Teheran.
Nach den US-Luftangriffen auf Ziele entlang der Küste kam iranischen Angaben zufolge mindestens ein Mensch ums Leben. Ein Regierungsvertreter der Küstenstadt Minab berichtete laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim über Opfer, nachdem ein Frachtschiff im Meer getroffen worden war. Zehn von 15 Besatzungsmitgliedern seien verletzt worden. Für den Rest der Crew wurde eine Suchaktion eingeleitet. Ein Mitglied wurde am Freitag schließlich tot geborgen.
USA: Haben zwei Tanker unter iranischer Flagge angegriffen
Das US-Militär setzte nach eigenen Angaben erneut unter iranischer Flagge fahrende, unbeladene Öltanker außer Gefecht. Zwei solche Schiffe hätten versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Von einem US-Kampfflugzeug seien an diesem Freitag Schüsse auf die Schiffe abgefeuert worden, um zu verhindern, dass sie die US-Seeblockade brechen würden, hieß es.
Das US-Militär verwies darauf, dass es bereits am Mittwoch einen anderen unbeladenen Öltanker, der unter iranische Flagge fuhr, außer Gefecht gesetzt habe. “Alle drei Schiffe sind nicht mehr auf dem Weg in den Iran”, hieß es. “Die US-Streitkräfte im Nahen Osten setzen sich weiterhin für die vollständige Durchsetzung der Blockade von Schiffen ein, die den Iran anlaufen oder verlassen”, betonte der Centcom-Kommandeur, Admiral Brad Cooper.
Saudi-Arabien untersagt USA Nutzung seines Luftraums für Hormuz-Einsätze
Aus Saudi-Arabien wurde derweil publik, dass den USA eine Nutzung des saudi-arabischen Luftraums und dessen Militärstützpunkte für Einsätze zur Sicherung der Straße von Hormuz fortan untersagt werde. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus informierten saudi-arabischen Kreisen. Für andere Zwecke könne Washington jedoch weiterhin den saudi-arabischen Luftraum sowie die Stützpunkte nutzen.
Unterdessen registrierten die Vereinigten Arabischen Emirate einen neuen iranischen Raketen- und Drohnenangriff. Drei Menschen seien dadurch verletzt worden, erklärte das emiratische Verteidigungsministerium am Freitag im Onlinedienst X. Die Emirate hatten in dieser Woche mehrere Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran verzeichnet – die ersten seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe im vergangenen Monat. Der Iran bestritt, für die Angriffe auf die Emirate verantwortlich zu sein.
Rubio erwartet iranische Antwort am Freitag
US-Außenminister Marco Rubio sagte, Washington erwarte für den Freitag eine iranische Reaktion auf den Vorschlag. “Ich hoffe wirklich, dass es ein ernsthaftes Angebot ist”, sagte er bei einem Besuch in Rom. Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif hatte sich vor den jüngsten Angriffen “zuversichtlich” gezeigt, dass die Dynamik in den Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden führen könne.
Als Bedingung für eine Einigung nannte Trump den Verzicht der Islamischen Republik auf Atomwaffen. Laut Medienberichten liegt bisher ein einseitiges Memorandum aus Washington vor, auf dessen Grundlage über eine umfassende Friedenslösung weiter verhandelt werden soll. Dem US-Sender CNN zufolge wird in dem Memorandum ein Ende des Konflikts erklärt und eine 30-tägige Frist in Gang gesetzt. Währenddessen sollen nukleare Forderungen geklärt, iranische Vermögenswerte freigegeben und Sicherheitsfragen in der Straße von Hormuz verhandelt werden.
Laut dem Nachrichtenportal Axios sieht die Vereinbarung vor, dass sich der Iran zu einem Moratorium für die Urananreicherung verpflichtet und die USA im Gegenzug eingefrorene iranische Gelder in Milliardenhöhe freigeben. Dem Bericht zufolge setzte Trump dem Iran eine 48-stündige Frist zur Einigung auf die Kernpunkte. Der US-Präsident bestätigte dies nicht. Irans Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei erklärte, Teheran werde seinen Standpunkt dem Vermittler Pakistan “nach Abschluss seiner Beratungen” übermitteln.
Satellitenbilder deuten auf Ölteppich vor iranischer Insel Kharg hin
Satellitenbilder deuten indes auf einen möglichen Ölteppich von etwa 45 Quadratkilometern vor der iranischen Ölinsel Kharg im Persischen Golf hin. Die grau-weiße Schliere sei auf Aufnahmen der europäischen Copernicus-Satelliten vom 6. bis 8. Mai westlich der acht Kilometer langen Insel zu sehen gewesen, erklärten Umweltforscher. Die Verschmutzung stimme vom Aussehen mit einem Ölteppich überein. Die Ursache und die genaue Herkunft seien unbekannt. Das US-Militär und die iranische UN-Vertretung in Genf äußerten sich zunächst nicht zu den Aufnahmen.
Von der Insel Kharg, etwa 25 Kilometer vor der iranischen Küste, werden 90 Prozent der iranischen Ölexporte verschifft. Die US-Streitkräfte haben seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar nach eigenen Angaben militärische Ziele auf der Insel angegriffen.




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