Vermummte Justizwachebeamte brachten Angeklagte in den Saal

Verhinderter Swift-Attentäter wollte “groß rauskommen”

Dienstag, 12. Mai 2026 | 15:18 Uhr

Von: apa

Am Dienstag ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen Beran A. wegen eines mutmaßlich verhinderten Terroranschlags auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion fortgesetzt worden. “Ich wollte mich so stark wie möglich bewaffnen, damit ich groß rauskomme”, sagte der 21-Jährige zu seinen Anschlagplänen. Er habe vor der Terror-Miliz “Islamischer Staat” (IS) “wie ein Held” da stehen und “berühmt” werden wollen.

Schon Wochen vor einer insgesamt dreitägigen Konzert-Serie, die Anfang August 2024 im Happel-Stadion über die Bühne hätte gehen sollen, hatte Beran A. Kontakt mit einer Security-Gruppe aufgenommen, um sich als Sicherheitsmitarbeiter einzuschleusen und die Örtlichkeit in Augenschein nehmen zu können. Davon nahm er dann wieder Abstand, “weil das Geld, das ich dort verdienen würde, haram (im Islam verboten, Anm.) ist. Musik ist haram”, legte er den Geschworenen dar.

Entschuldigte sich “bei den ganzen Swifties”

Bei den Anhängerinnen von Taylor Swift entschuldigte sich Beran A. heute: “Ich möchte mich bei den ganzen Swifties und den 200.000 Leuten, die das Konzert besuchen wollten, und jeder anderen Person, die durch mich terrorisiert wurde, entschuldigen. Ich möchte den Swifties sagen: ihr seid ganz wunderbare und gutherzige Frauen.”

Ursprünglich Selbstmordanschlag mit Lkw angedacht

Angedacht hatte der junge Niederösterreicher mit nordmazedonischen Wurzeln einen Selbstmordanschlag. Er legte dafür im Vorfeld auch einen Treueschwur auf den IS ab, “damit Gott mich nicht in die Hölle schickt, wenn ich sterbe.” Ursprünglich geplant war seiner Aussage zufolge “wo reinzufahren mit einem Lkw. Ich habe mich erkundigt, wie das mit einem Lkw ist und was ich dafür tun muss. Erstens braucht man dafür einen Führerschein. Die größte Idee wäre, mit einem Lkw, bewaffnet, mit Bomben und Messern.”

Beran A. gelang es allerdings nicht, in den Besitz von Schusswaffen zu kommen. Entsprechende Versuche, diese online aus dem Ausland zu bestellen, scheiterten. Auch mit seinen Bemühungen, eine Bombe zu basteln, kam er nicht weiter, wie er dem Gericht offenbarte: “Die Schwefelsäure hatte nur ein Konzentrat von sechs Prozent.” Für die Herstellung von TATP (Acetonperoxid, ein explosives Gemisch aus Alltagschemikalien wie Wasserstoffperoxid, Aceton und Säure, die in jeder Drogerie erhältlich sind, Anm.) wäre aber mehr als 30-prozentige Schwefelsäure nötig gewesen.

Auf einen Taylor Swift-Auftritt als Anschlagsziel war Beran A. seiner Darstellung nach nicht gleich gekommen. Zuerst hatte er die Botschaften der USA bzw. von Israel im Visier, auch Synagogen und ein jüdisches Lokal in Wien kamen ihm in den Sinn. Das Gelände um die Botschaften hätte er auch “inspiziert”, verriet er den Geschworenen. Dann habe er sich aber “weiter beraten lassen von anderen IS-Leuten”, mit denen er über Messenger-Dienste laufend in Kontakt stand. In weiterer Folge war es seine Absicht, am 8. August 2024 das Stadion zu inspizieren, wo er dann einen Tag später das Attentat durchführen wollte. Nach einem Hinweis eines ausländischen Partnerdiensts konnte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) den anschlagsbereiten IS-Anhänger gerade noch rechtzeitig ausforschen und festnehmen. Bis zu seiner Verhaftung habe er seine Anschlagspläne aufrecht erhalten.

“Ich war ein großer IS-Fanatiker”

Laut Anklage wollte Beran A. außerdem einen damals 15-jährigen Deutschen, den er auf Tiktok kennenlernte, zu gleichzeitigen Anschlägen in Deutschland und Österreich bewegen. “Wie wäre es, wenn ich in eine Menschenmenge fahre?”, fragte er den Jugendlichen, woraufhin dieser entgegnete: “Besser wäre es auf ein Fest von homosexuellen Menschen.” Der 16-Jährige wurde im August des Vorjahres aufgrund seiner Unterstützung vom Kammergericht Berlin zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Beran A. nannte den Deutschen heute seinen “Berater” und “Übersetzer”, da ihm dieser eine Bombenbauanleitung aus dem Arabischen eingedeutscht hatte.

Eine “Bestätigung” oder “Erlaubnis” für einen Anschlag von Vertretern des IS hätte man eigentlich nicht gebraucht, Beran A. wollte sie dennoch einholen: “Ich war ein großer IS-Fanatiker. Ich wollte, dass man mich auf ihrer Nachrichtenagentur postet”, weshalb er über den 15-Jährigen Kontakt zum “Zuständigen für Märtyreroperationen” vermittelt bekam und diesem ein Video mit Glaubensbekenntnis sendete. Von dem Mann hätte er auch gewollt, dass er “eine Heilung für mich spricht, damit er mir die Angst vorm Sterben nehmen kann.” Damals sei es ihm sehr wichtig gewesen, berühmt zu werden, wie er mehrmals festhielt. “Heute bin ich ein komplett anderer Mensch.” Heute sei er stolz auf sich.

Auch Arda K. befragt

Der zweite Verhandlungstag hatte mit der Befragung des Zweitangeklagten Arda K. begonnen. Die beiden Angeklagten waren überzeugte IS-Anhänger und sollen mit einem Dritten Teil einer anschlagsbereiten Terror-Zelle gewesen sein. Neben dem mutmaßlich verhinderten Swift-Attentat sollen sie Hasan E. – den dritten im Bunde – bei einem Anschlag in Mekka im März 2024 bestärkt haben. Das stellte Arda K. in Abrede. Er habe keinen psychischen Tatbeitrag zum Vorgehen von Hasan E. geleistet: “Es war umgekehrt. Er hat mich dazu gebracht.” Arda K. und Beran A. zogen von ihren zeitgleich zu Mekka geplanten Anschlägen in Istanbul bzw. Dubai in letzter Sekunde zurück.

Ihr gemeinsamer Tatplan sah laut Anklage vor, am 11. März 2024 getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute zu töten. Während Beran A. und Arda K. jeweils unverrichteter Dinge aus Dubai und Istanbul zurückkehrten, stach Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee in Mekka einem Sicherheitsbeamten ein Messer in den Hals und verletzte vier weitere Personen, ehe er überwältigt werden konnte. Der 21-Jährige wartet seither in einem Gefängnis in Saudi-Arabien auf den Ausgang seines von den saudischen Behörden geführten Strafverfahrens. Die beiden Angeklagten bestritten am ersten Verhandlungstag, Hasan E. in seinen Absichten unterstützt zu haben.

“Das Ziel war, dass sich die Welt fragt, warum drei Muslime in drei muslimischen Ländern Anschläge machen”, sagte Arda K. am Dienstag vor Gericht. Man hätte “ein Zeichen” setzen wollen, und “muslimische Geschwister” wie die Uiguren oder Palästinenser “rächen” wollen.

“Mein einziger radikalislamistischer Freund”

Er habe die Schule abgebrochen, “weil ich damals radikal war”, räumte Arda K. vor den Geschworenen ein. Hasan E. sei “mein einziger radikalislamistischer Freund” gewesen, mit dem er “sehr eng” war. Dieser habe ihn beeinflusst. Er habe mit diesem “über alles Mögliche sprechen können”, während er mit anderen Freunden “Spaß hatte”. Er habe “keinen Sinn in der Schule und die Matura zu machen” gesehen, schilderte der in Wien aufgewachsenen Sohn eines türkischen Vaters und einer slowakischen Mutter. Hasan A. habe ihm das Gedankengut des IS nahe gebracht. Auf die Frage, ob er Mitglied des IS gewesen sei, erwiderte Arda K: “Kann man so sagen.” Später habe er sich auch mit Beran A. angefreundet.

Im Jänner 2024 habe ihm Hasan E. von seinem Vorhaben erzählt, “in Mekka einen Anschlag zu begehen.” “Ich war zu dem Zeitpunkt radikal, aber ich war nicht bereit, auf Menschen los zu gehen”, behauptete Arda K. “Willst du zehn, zwanzig Jahre hinter Gitter sein, oder eine ‘gute Sache’ machen und dann hast du es hinter dir”, hätte Hasan E. zu ihm gesagt. Arda K. sei es daher “logisch vorgekommen, wenn ich zeitgleich mit ihm einen Anschlag mache”.

Da Hasan E. befürchtete, Arda K. könnte für ihn “eine Last in Mekka” sein, habe dieser ihm als Anschlagsziel Istanbul vorgeschlagen und Tickets nach Istanbul gebucht, gab der Angeklagte zu Protokoll: “Dort gibt es alle fünf bis zehn Meter Polizisten und Wachebeamte.” Hasan habe ihm aufgetragen “Arda, du nimmst ein Messer und läufst auf einen Beamten los, dann wird man dich durchlöchern”. Ziel sei es gewesen, “dass ich dort draufgehe.” Wie beim Prozessauftakt Ende April schon Beran A., stellte auch Arda K. Hasan E. als die treibende Kraft unter den Dreien dar: “Man muss ja auch Verantwortung für die eigenen Taten übernehmen, aber es hat schon ein psychischer Druck geherrscht.”

“Das Wichtige war, dass wir das zeitgleich ausführen”

Erst als er in Istanbul war, habe er erfahren, dass Hasan auch Beran A. “miteingebaut” habe. Dieser sei nach Dubai geflogen. Das Wichtige war, dass wir das zeitgleich ausführen”, betonte Arda K. Zur vereinbarten Uhrzeit – “17.00 Uhr oder so” – habe er “nicht auf einem Menschen losgehen können und alles (gemeint: ein Messer, das Handy, alle Ausweise, Anm.) weggeworfen”: Auf die Frage, warum er den Anschlag nicht ausgeführt habe, erwiderte der 21-Jährige: “Weil ich kein Mörder bin.” Vorzuwerfen habe er sich, Hasan E. nicht von seinen Anschlagsplänen abgebracht zu haben. “Fakt ist: Ich hätte ihn aufhalten können”, so der Angeklagte.

Von Swift-Anschlagsplänen aus den Medien erfahren

Von dem mutmaßlichen vereitelten Anschlag auf das Taylor Swift-Konzert habe er aus den Medien erfahren, sagte Arda K. aus. Als er von “einem 19-Jährigen aus Ternitz mit nordmazedonischen Wurzeln” gelesen habe, habe er sofort an Beran A. gedacht. Im nächsten Bericht sei dann auch ein Bild gewesen, da sei es ihm klar gewesen. Zum Ende ihrer Befragung wollte die Vorsitzende von ihm wissen, was er “als freier Mann” zuerst tun würde. “Ich wurde halt zwei Wochen vor der Matura festgenommen. Das ist ein bisserl blöd”, betonte Arda K., sich auf seine Ausbildung fokussieren zu wollen.

Nach der Einvernahme der beiden Angeklagten wurde das Beweisverfahren eröffnet. Als erste Zeugin wurde eine informierte Vertreterin der DSN befragt. Auf Ersuchen ihres Dienstgebers wurde die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Der Prozess wird am kommenden Dienstag mit der Befragung weiterer Zeuginnen und Zeugen fortgesetzt.

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