Mölten feiert 200 Jahre Stiftung Oberrauch

Vom Lumpenhaus zum Pflegeheim

Montag, 23. März 2026 | 11:44 Uhr

Von: mk

Mölten – Die Gemeinde Mölten, die Pfarrei Maria Himmelfahrt und die Altershilfe Tschögglberg haben am Wochenende vom 20. bis 22. März 2026 das 200-jährige Bestehen der Stiftung Oberrauch gefeiert. Mehr als 500 Menschen aus Mölten und den umliegenden Gemeinden nahmen an den Feierlichkeiten teil. Den Auftakt bildete am Freitag eine Heilige Messe in der Kapelle des Alters- und Pflegeheims Mölten. Der Sonntag stand im Zeichen des Festtages: Bischof Ivo Muser zelebrierte um 9.30 Uhr die Messe in der Pfarrkirche. Im Anschluss wurde eine Gedenktafel enthüllt. Beim Festakt im Seniorenwohnheim dankte der Stiftungspräsident der Altershilfe Tschögglberg Konrad Tratter allen Mitwirkenden, insbesondere den Mitarbeitenden unter der Leitung von Martina Perkmann sowie den Vereinen, Sponsoren und Gemeindeverantwortlichen. Sie alle trugen wesentlich zum Gelingen der Feierlichkeiten bei.

Ein ehemaliges „Lumpenhaus“ unterhalb der Pfarrkirche von Mölten wurde vor zwei Jahrhunderten zum Ausgangspunkt einer sozialen Einrichtung, die bis heute das Leben vieler Menschen am Tschögglberg prägt. Die Stiftung geht auf Pfarrer Anton Oberrauch zurück. Pfarrer Anton Oberrauch wurde 1758 im Sarntal geboren, studierte Theologie in Innsbruck und wurde 1781 zum Priester geweiht. Ab 1792 leitete er die Pfarrei Mölten, eine Zeit voller Umbrüche durch napoleonische Kriege und kirchliche Reformen. 1823 zog er sich aus dem Pfarrdienst zurück, restaurierte ein ehemaliges Lumpen- oder Weberhaus unterhalb der Kirche und starb 1825. In seiner am 17. März 1826 veröffentlichten Stiftungsurkunde vermachte er dieses Haus samt Grundstücken der Gemeinde Mölten. Das Gebäude sollte dem jeweiligen „Chirurgen“ und bedürftigen Menschen der Gemeinde dienen. Darüber hinaus bestimmte Anton Oberrauch Brotspenden für mittellose Kinder in Mölten und Terlan sowie weitere Zuwendungen für kirchliche Zwecke. Sein Grabstein an der Pfarrkirche erinnert bis heute an dieses Vermächtnis: „Er ruhe in Frieden, der die ganze Gemeinde durch die Bestimmung seines Hauses zur Aufnahme der leidenden Menschheit so großmütig bedachte.“ Beim Festgottesdienst zum 200-Jahr-Jubiläum griff Bischof Ivo Muser diese Grundhaltung auf und betonte, dass wahre Nachhaltigkeit bedeute, Verantwortung über die Gegenwart hinaus zu übernehmen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Was bleibe, seien nicht Besitz oder Erfolg, sondern die Liebe und das Gute, das wir anderen schenken.

Aus dieser Initiative entwickelte sich über Generationen hinweg eine Einrichtung, die sich immer wieder an neue soziale Bedürfnisse anpasste. Anfangs bot das Haus vor allem obdachlosen oder mittellosen Menschen Schutz. Im Lauf der Zeit entstand daraus ein Versorgungshaus und schließlich das Altersheim. Eine wichtige Rolle in der Geschichte der Einrichtung spielten die Tertiarschwestern, die ab 1928 die Betreuung übernahmen und über Jahrzehnte sowohl Pflege als auch Hauswirtschaft leisteten. Im Jahr 1982 wurde die erste weltliche Hilfskraft angestellt. Immer mehr weltliche Hilfskräfte mussten eingesetzt werden, bis 1995 der Mangel an Ordensnachwuchs die Tätigkeit der Tertiarschwestern in Mölten beendete. Seither wird die Einrichtung mit bezahlten Fachkräften weitergeführt; Martina Perkmann leitet das Altersheim seitdem als Direktorin.

Im Jahr 2000 wurde das bestehende Haus durch ein Pflegeheim mit 20 Betten erweitert. Beide Gebäude wurden miteinander verbunden. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2015, als das ursprüngliche Stiftungsgebäude abgerissen und neu errichtet wurde. Heute verfügt das Seniorenwohnheim in Mölten über 42 Plätze für Langzeit- und Kurzzeitpflege. Im Jahr 2008 wurde die Stiftung Anton Oberrauch Teil der Altershilfe Tschögglberg, eines öffentlichen Betriebs, der die Pflege- und Betreuungsdienste für die Gemeinden Mölten, Jenesien, Vöran und Hafling anbietet. Neben stationärer Pflege gehören auch Tagespflege, Seniorenwohnungen und weitere Unterstützungsangebote zum Leistungsspektrum.

„Eine Gesellschaft des langen Lebens lebt von der Zuversicht, dass sich jemand um mich kümmert, wenn der Bedarf an Pflege und Unterstützung zunimmt. Es braucht die Bereitschaft aller, aufbauend auf den bestehenden Stärken, das soziale Netz der Seniorendienste dynamisch und kreativ weiterzuentwickeln. Zur Zeit sind Fachkräftemangel, Anerkennung der Berufe in den Seniorenwohnheimen, Finanzierung der steigenden Kosten, Technologie und KI in der Pflege vorherrschende Themen“, sagt Direktorin Martina Perkmann. „Dem Vermächtnis des Stifters folgend wollen wir auch zukünftig unseren Grundwerten als sorgende Einrichtung treu bleiben: Verantwortung, Nähe und Respekt vor der Würde jedes Menschen.“ Besondere Bedeutung hat dabei die Freiwilligenarbeit. Ehrenamtliche engagieren sich mit Besuchen, Gesprächen, Musik, Ausflügen oder Begleitdiensten und bringen so Abwechslung und Gemeinschaft in den Alltag der Bewohner:innen. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung haben sie auch die Festschrift zum 200-Jahr-Jubiläum gestaltet, die als 48-seitige Sonderausgabe der Gemeindezeitung „Die Schronn“ beim gestrigen Festakt vorgestellt wurde.

Präsident Konrad Tratter betont: „Aus einem einfachen Versorgungshaus aus dem Jahr 1826 ist eine moderne Einrichtung entstanden, in der der Mensch im Mittelpunkt steht. Das Jubiläum ist für uns ein respektvoller Blick zurück und zugleich ein Auftrag für die Zukunft.“ Auch für die Gemeinde ist das Heim ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens. Bürgermeister Walter Gruber unterstreicht: „Die Einrichtung gibt vielen Familien Sicherheit und zeigt, wie wichtig Solidarität zwischen den Generationen ist. Dieses Jubiläum würdigt das Engagement vieler Menschen über zwei Jahrhunderte hinweg.“

Aktueller Verwaltungsrat (seit 27.06.2024)
Konrad Tratter (Mölten), Präsident
Veronika Schönafinger (Jenesien), Vizepräsidentin
Andreas Peer (Hafling), Mitglied
Brigitta Rottensteiner (Mölten), Mitglied
Hannes Rechenmacher (Jenesien), Mitglied
Amtsdauer: 5 Jahre

Mitarbeiter (Stand 31.12.2025)
Gesamt: 65 Mitarbeitende – 60 Frauen, 5 Männer
Herkunftsgemeinden: Mölten 37, Jenesien 16, Vöran 8, Andere 4
Beschäftigungsstruktur: Stammrollen 50, befristete Verträge 14, freiberuflich 1

Zahlen und Fakten
1826: Stiftung Anton Oberrauch
1928: Betreuung durch Tertiarschwestern
1995: Ende der Ordensgemeinschaft und Neustart mit professionellen Fachkräften
2000: Eröffnung Pflegeheim
2015: Eröffnung Neubau Altersheim
42 Pflegeplätze heute

Bezirk: Salten/Schlern

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen