Lage in der Straße von Hormuz bleibt gefährlich

Weitere Entwicklung im Iran nach Angriffen offen

Freitag, 08. Mai 2026 | 17:15 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Nach den nächtlichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran ist nun offen, wie es mit den Bemühungen um Frieden weitergeht. Beide Seiten beschossen einander in der Nacht auf Freitag und gaben sich gegenseitig die Schuld dafür. US-Präsident Donald Trump betonte aber, die Waffenruhe sei weiter in Kraft. Eine Reaktion Teherans auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Kriegs steht noch aus, wird aber für Freitag erwartet.

Das iranische Militärkommando warf den USA vor, einen Öltanker, ein weiteres Schiff sowie zivile Gebiete angegriffen und damit die seit einem Monat geltende Waffenruhe gebrochen zu haben. Der Iran werde auf jeden Angriff ohne Zögern und mit aller Härte reagieren, hieß es in einer in den staatlichen Medien verbreiteten Erklärung vom Freitag. Das US-Militär sprach dagegen von einem Akt der Selbstverteidigung nach unprovozierten Angriffen aus Teheran.

Bei dem US-Angriff auf ein iranisches Frachtschiff wurden laut iranischer Nachrichtenagentur Mehr zehn Seeleute verletzt. Weitere fünf weitere würden vermisst, hieß es am Freitag. Rettungskräfte suchten weiter nach den Vermissten. Das Schiff habe sich in der Nähe der Gewässer von Minab befunden und sei infolge der Angriffe in Brand geraten. Ob das Frachtschiff direkt angegriffen worden war, blieb zunächst unklar.

USA: Haben zwei Tanker unter iranischer Flagge angegriffen

Das US-Militär setzte nach eigenen Angaben erneut unter iranischer Flagge fahrende, unbeladene Öltanker außer Gefecht. Zwei solche Schiffe hätten versucht, einen iranischen Hafen am Golf von Oman anzulaufen, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Von einem US-Kampfflugzeug seien an diesem Freitag Schüsse auf die Schiffe abgefeuert worden, um zu verhindern, dass sie die US-Seeblockade brechen würden, hieß es.

Das US-Militär verwies darauf, dass es bereits am Mittwoch einen anderen unbeladenen Öltanker, der unter iranische Flagge fuhr, außer Gefecht gesetzt habe. “Alle drei Schiffe sind nicht mehr auf dem Weg in den Iran”, hieß es. “Die US-Streitkräfte im Nahen Osten setzen sich weiterhin für die vollständige Durchsetzung der Blockade von Schiffen ein, die den Iran anlaufen oder verlassen”, betonte der Centcom-Kommandeur, Admiral Brad Cooper.

Vergeltungsschläge als “kleiner Denkzettel”

Trump erklärte, drei US-Zerstörer hätten die Meerenge unter Beschuss erfolgreich passiert. Dabei seien die amerikanischen Schiffe nicht beschädigt worden, den iranischen Angreifern sei jedoch großer Schaden zugefügt worden. Die US-Vergeltungsschläge bezeichnete der Präsident als “kleinen Denkzettel”. Der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr zufolge wurde in der Hauptstadt Teheran die Luftabwehr aktiviert. Inzwischen habe sich die Lage auf den iranischen Inseln und in den Küstenstädten an der Straße von Hormuz jedoch wieder normalisiert, berichtete der staatliche Sender Press TV.

US-Präsident Trump forderte die Islamische Republik erneut auf, schnell eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Ansonsten werde das US-Militär iranische Einheiten in Zukunft noch viel härter und viel gewaltsamer treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde “von WAHNSINNIGEN angeführt, und hätten sie die Chance, eine Atomwaffe einzusetzen, würden sie es ohne Frage tun – aber diese Gelegenheit werden sie nie bekommen.”

Rubio erwartet iranische Antwort am Freitag

Nach den Worten von Außenminister Marco Rubio rechnen die USA noch am Freitag mit einer Antwort des Iran auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges. “Wir werden sehen, was die Antwort beinhaltet”, sagt Rubio vor Journalisten in Rom. “Die Hoffnung ist, dass es etwas ist, das uns zu einem ernsthaften Verhandlungsprozess führt.”

Die Absichtserklärung, auf die der Iran reagieren soll, ist eine Seite lang und enthält 14 Punkte. Ziel ist es dabei unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden demnach auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormuz. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden.

Der US-Außenminister verwies in Italien auch auf Berichte zu iranischen Versuchen, sich die Kontrolle über die von ihm weitgehend unpassierbar gemachte Straße von Hormuz zu sichern. “Das wäre tatsächlich inakzeptabel”, sagte der US-Außenminister. Die Welt müsse sich fragen, was sie zu tun bereit sei, wenn der Iran versuche, die Kontrolle über eine internationale Wasserstraße zu “normalisieren”.

Teheran prüft US-Vorschlag

Der iranische Außenminister Abbas Araqchi warf den Vereinigten Staaten nach der nächtlichen Eskalation vor, eine Verhandlungslösung zu torpedieren. “Immer wenn eine diplomatische Lösung auf dem Tisch liegt, entscheiden sich die USA für leichtsinnige militärische Abenteuer. Ist das eine plumpe Einschüchterungstaktik?”, schrieb Araqchi auf X.

Satellitenbilder deuten auf Ölteppich vor iranischer Insel Kharg hin

Satellitenbilder deuten indes auf einen möglichen Ölteppich von etwa 45 Quadratkilometern vor der iranischen Ölinsel Kharg im Persischen Golf hin. Die grau-weiße Schliere sei auf Aufnahmen der europäischen Copernicus-Satelliten vom 6. bis 8. Mai westlich der acht Kilometer langen Insel zu sehen gewesen, erklärten Umweltforscher. Die Verschmutzung stimme vom Aussehen mit einem Ölteppich überein. Die Ursache und die genaue Herkunft seien unbekannt. Das US-Militär und die iranische UN-Vertretung in Genf äußerten sich zunächst nicht zu den Aufnahmen.

Von der Insel Kharg, etwa 25 Kilometer vor der iranischen Küste, werden 90 Prozent der iranischen Ölexporte verschifft. Die US-Streitkräfte haben seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar nach eigenen Angaben militärische Ziele auf der Insel angegriffen.

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