Von: apa
Illegale Grenzübertritte in die EU sind in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Das teilte die europäische Grenzschutzagentur Frontex am Freitag mit. Ausschlaggebend dafür seien die Zusammenarbeit mit Partnerländern, Präventivmaßnahmen in Herkunftsländern und Wetterbedingungen gewesen. Zuvor hatte Frontex bereits über einen 39-prozentigen Rückgang irregulärer Grenzübertritte im ersten Quartal 2026 berichtet.
“Wir arbeiten konsequent an der Umsetzung der europäischen Migrationswende. Dazu gehören ein effektiver Außengrenzschutz, die Zusammenarbeit mit Partnerländern entlang der gesamten Migrationsroute und ein funktionierendes System innerhalb der EU”, so EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach vorläufigen Daten registrierte Frontex im Jahr 2026 weniger als 29.000 Grenzübertritte. Im Jahr 2023 war die Anzahl der aufgedeckten Fälle knapp dreimal so hoch.
Routen im zentralen und östlichen Mittelmeer am meisten befahren
Die Routen über das zentrale und das östliche Mittelmeer wurden am stärksten befahren. Sie machten jeweils rund ein Drittel aller illegalen Einreisen in die EU aus. Obwohl die zentrale Mittelmeerregion mit rund 8.500 registrierten Ankünften die am stärksten frequentierte Route war, verzeichnete sie einen Rückgang von 46 Prozent.
Einen Anstieg verzeichnete nur die Route im westlichen Mittelmeer. Dort wurden um 50 Prozent mehr Aufgriffe registriert. Das sei laut Frontex hauptsächlich auf Abfahrten aus Algerien zurückzuführen. Strengere Kontrollen in Marokko und auf den benachbarten Routen in Westafrika und im zentralen Mittelmeerraum hätten dazu geführt, dass mehr Abfahrten in Richtung der algerischen Küste verlagert wurden. Die für den Mittelmeerraum zuständige EU-Kommissarin Dubravka Šuica besuchte das Land zur Beobachtung der Lage im Mai.
Libyen blieb der wichtigste Ausgangspunkt und war für den Großteil der Überfahrten in der zentralen Mittelmeerregion verantwortlich. Die meisten Menschen kamen aus Bangladesch, Somalia und dem Sudan. In der östlichen Mittelmeerregion wurden rund 8.400 Überfahrten verzeichnet. Das entspricht einem Rückgang von 32 Prozent. Während auf einigen Routen deutliche Rückgänge zu verzeichnen waren, blieb die Route von Libyen nach Kreta weiterhin aktiv.
Stärkster Rückgang auf westafrikanischer Route
Die westafrikanische Route verzeichnete mit 2.300 Fällen den stärksten Rückgang. Dort gingen Aufgriffe um 78 Prozent zurück. Grund dafür waren laut Frontex Präventivmaßnahmen, bei der Mauretanien, Senegal und Gambia mit Spanien und der EU kooperierten. EU-Migrationskommissar Brunner reiste im März nach Senegal und Mauretanien, um die Partnerschaft zu vertiefen und den Grenzschutz zu stärken. Laut Frontex bleiben Schleusernetzwerke in der Region jedoch anpassungsfähig.
Internationalen Organisation für Migration: Über 1.200 Tote im Mittelmeer
Während die Gesamtzahl illegaler Einreisen zurückging, bleiben die menschlichen Kosten laut Menschenrechtsorganisationen unverändert hoch. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben 2026 schon über 1.200 Menschen im Mittelmeer. Kriminelle Schleusernetzwerke würden weiterhin Menschen in überfüllten und seeuntüchtigen Booten auf gefährliche Überfahrten schicken – ungeachtet der Bedingungen.
Laut Frontex birgt die instabile Sicherheitslage im Nahen Osten weiterhin Risiken. Der Konflikt habe in der gesamten Region Menschen vertrieben. Die anhaltende Instabilität im Libanon sei Anlass zu besonderer Sorge, ebenso wie die Gefahr von Überfahrten nach Zypern und zu anderen Zielen im Mittelmeerraum. Mit über 3.800 Beamten an den EU-Außengrenzen unterstütze Frontex weiterhin die nationalen Behörden bei der Sicherung der europäischen Grenzen.
Rückgang auch auf Westbalkanroute
Auf der Westbalkanroute wurde mit 2.800 Fällen ein Rückgang von 19 Prozent registriert. Die kroatische Grenze zu Bosnien und Herzegowina bleibt laut Frontex der wichtigste Ausgangspunkt aus der Region. Da sich das Wetter verbessere und die Mobilität von Migrantinnen und Migranten zunehme, erwartet Frontex, dass die Route durch Sekundärbewegungen im Zusammenhang mit dem östlichen Mittelmeerraum zunehmend unter Druck geraten wird.
An der östlichen Landgrenze der EU wurden rund 1.100 Personen aufgegriffen, was einem Rückgang um 49 Prozent entspricht. Nach einem ruhigeren Jahresbeginn nahm der Druck aus Belarus im März laut Frontex stark zu. Gründe dafür seien besseres Wetter und jüngste Gesetzesänderungen, die den Zugang zum Grenzgebiet erleichtert hätten. Zwischen der EU und der Ukraine würden vor allem ukrainische Männer, die der Wehrpflicht entgehen wollten, die Grenze überqueren.
Weniger Ausreiseversuche in Richtung Großbritannien
Die Zahl der festgestellten Ausreiseversuche in Richtung Großbritannien über den Ärmelkanal fiel auf 9.900 und halbierte sich dadurch fast. Bei der Zählung berücksichtige Frontex sowohl Personen, die das Vereinigte Königreich erreichten, als auch jene, die an der Ausreise gehindert wurden.




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