Trump nennt Iraner Tiere

Zeichen stehen auf Eskalation im Iran-Krieg

Dienstag, 07. April 2026 | 07:51 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Im Iran-Krieg zeichnet sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump an Teheran keine Einigung ab. Während Trump seine Warnung vor einer “völligen Zerstörung” aller iranischen Kraftwerke und Brücken bekräftigte, falls Teheran nicht bis Mittwochnacht 2.00 Uhr MESZ die Straße von Hormuz öffnet, verspottete ein Sprecher der iranischen Militärführung dies als “haltlose Drohungen” eines “wahnhaften” Präsidenten. Damit droht eine dramatische Eskalation.

Die USA könnten Irans Brücken und Kraftwerke innerhalb von vier Stunden zerstören, warnte Trump im Weißen Haus. Man wolle nicht, dass das passiert. Er betonte aber zugleich: “Wir haben einen Plan.” Irans stellvertretender Sportminister Alireza Rahimi rief für Dienstagmittag Ortszeit Künstler und Sportler dazu auf, Menschenketten an Stromkraftwerken im ganzen Land zu bilden. “Wir werden Hand in Hand stehen, um zu sagen: Angriffe auf öffentliche Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen”, schrieb Rahimi auf der Plattform X.

Das israelische Militär fordert die Menschen im Iran unterdessen auf, keine Züge zu benutzen und sich nicht in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten. “Zu Ihrer eigenen Sicherheit bitten wir Sie höflich, ab sofort bis 21.00 Uhr iranischer Zeit auf die Nutzung von Zügen und Zugfahrten im gesamten Iran zu verzichten”, teilte das Militär in persisch auf X mit. “Ihre Anwesenheit in Zügen und in der Nähe von Bahnstrecken gefährdet Ihr Leben.”

Iran lehnt Waffenruhe ab

Der Sprecher der Khatam-al-Anbiya-Kommandozentrale, Ebrahim Zolfaqari, sagte laut Staatsmedien, die “rüde, arrogante Rhetorik und haltlosen Drohungen des wahnhaften US-Präsidenten” würden Irans Angriffe gegen die “amerikanischen und zionistischen Feinde” nicht stoppen. Ali-Akbar Welayati, außenpolitischer Berater des obersten iranischen Führers, schrieb auf X, die arabischen Staaten sollten – “um zu verhindern, dass die Region im Dunkeln versinkt” – Trump klarmachen, dass der Persische Golf “kein Ort für Glücksspiel” ist. Der Iran greift unterdessen Golfstaaten mit US-Basen weiter an.

Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hatte es am Montag geheißen, man habe beiden Seiten einen Plan für eine 45-tägige Waffenruhe vorgelegt, in deren Rahmen Friedensgespräche geführt und ein Abkommen vorgeschlagen werden solle. In den Kontakten hätten die USA darauf bestanden, dass der Iran vor Verkündung einer Waffenruhe die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Straße von Hormuz öffne. Diese Bedingung wiederum habe Teheran zurückgewiesen.

Der Iran lehnt eine Waffenruhe ab. Laut Staatssender Irib übergab Teheran den Vermittlern ein zehn Punkte umfassendes Papier mit eigenen Forderungen wie einer Beendigung des Kriegs, Kriegsreparationen sowie die vollständige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen das Land.

Die Revolutionsgarden, die das eigentliche Sagen im Iran haben, fordern zudem das Recht auf Uran-Anreicherung, den Abzug aller US-Stützpunkte aus dem Persischen Golf sowie die Kontrolle der Straße von Hormuz durch den Iran. Ein US-Beamter habe die Antwort des Irans als “maximalistisch” bezeichnet, schrieb der Reporter des US-Nachrichtenportals “Axios” Barak Ravid auf X. Es sei unklar, ob dies Fortschritte hin zu einer diplomatischen Lösung ermögliche.

Experte: Trump-Regierung steht vor Dilemma

Danny Citrinowicz, einer der führenden Iran-Experten, schrieb auf X, Washington stehe nun vor einem Dilemma: “ein unvollkommenes Abkommen akzeptieren” oder in eine zeitlich unbegrenzte Konfrontation “ohne klaren Ausweg abrutschen”. Auch schwere Angriffe auf Irans Infrastruktur würden “keine Kapitulation herbeiführen.” Sie würden Vergeltung provozieren, die Entschlossenheit der iranischen Führung stärken und wahrscheinlich eine Eskalation in der ganzen Region auslösen. “Die Annahme, dass allein Druck Teheran brechen kann, ist keine Strategie, sondern Wunschdenken”, schrieb er.

Das Pentagon sagte unterdessen ohne eine Angabe von Gründen kurzfristig eine für heute anberaumte Pressekonferenz mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine ab.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die USA und Israel auf, von Angriffen auf Irans Kraftwerke und andere zivile Infrastruktur abzusehen. Solche Angriffe würden gegen internationales Recht verstoßen, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric. “Selbst, wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könnte, würde das humanitäre Völkerrecht Angriffe darauf dennoch verbieten”, wenn “übermäßige” Schäden für Zivilisten zu erwarten seien. Es sei “höchste Zeit”, dass der Krieg beendet werde.

Joseph Webster, Energieexperte bei der US-Denkfabrik Atlantic Council, erklärte, Angriffe auf die iranische Energie- und andere Zivilinfrastruktur würden den militärischen Fähigkeiten des Landes nur wenig Schaden zufügen. “Sie würden jedoch der iranischen Zivilbevölkerung erheblich schaden”, zitierte ihn die US-Denkfabrik auf X.

Öffnung der Straße von Hormuz steht im Fokus

Der UNO-Sicherheitsrat soll unterdessen heute (17.00 Uhr MESZ) voraussichtlich über einen Resolutionsentwurf von Bahrain zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormuz abstimmen. In dem Entwurf werden betroffene Staaten dazu aufgefordert, ihre defensiven Maßnahmen zu koordinieren, um zur Sicherheit der Schifffahrt beizutragen, wie es von Diplomaten hieß. Dafür soll der Iran seine Angriffe auf Handels- und Frachtschiffe einstellen. In einer vorangegangenen Version des Dokuments wurde etwa explizit auf Kapitel 7 der UN-Charta verwiesen, das dem Sicherheitsrat die Befugnis einräumt, Maßnahmen von Sanktionen bis zu militärischer Gewalt zu ergreifen. Dagegen hätten sich etwa die Vertreter Russlands und Chinas gewehrt, hieß es.

Nach dem Ausbruch des von Israel und den USA am 28. Februar begonnenen Kriegs hatte Teheran die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz mit Angriffen und Drohungen quasi zum Erliegen gebracht. Weil die Meerenge für den globalen Öl- und Gashandel zentral ist, schossen die Energiepreise nach oben.

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