Argentinien zittert sich ins Achtelfinale

Argentinien zittert sich gegen Kap Verde ins WM-Achtelfinale

Samstag, 04. Juli 2026 | 04:13 Uhr

Von: APA/Reuters

Erst im “Nachsitzen” hat ein nachlässiges Argentinien mit einem 3:2 (1:1, 1:1) über den krassen Außenseiter Kap Verde das Achtelfinale der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko erreicht. In Miami ging der Titelverteidiger mit einer zweimaligen Führung viel zu großzügig um und wendete erst durch ein spätes Eigentor von Diney Borges (111.) das Elfmeterschießen ab. Nächster Gegner ist am Dienstag (18.00 Uhr MESZ/live ORF 1) in Atlanta Ägypten.

Superstar Lionel Messi (29.) brachte sein Team plangemäß in Führung, die Deroy Duarte (59.) ausglich. Selbst das 2:1 zu Beginn der Verlängerung dank Lisandro Martinez (92.) konterte der WM-Debütant durch Sidny Lopes Cabral (103.) und war nicht mehr weit vom Elferschießen entfernt. Dann aber kam der Köpfler von Cristian Romero, der von Dineys Hand ins Tor sprang. Der 39-jährige Messi markierte seinen siebenten Treffer bei dieser Endrunde und baute seine gesamte WM-Ausbeute auf 20 Tore aus. So wie beim aktuellen Turnier liegt der Rekordhalter zwei vor Frankreichs Kylian Mbappe.

“Das Spiel war unglaublich hart. Man muss immer das Positive mitnehmen – und das ist, dass diese Mannschaft niemals aufgibt”, sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni, dessen Truppe in der Vorrunde Österreich mit 2:0 geschlagen hatte. Und er wollte auch dem Gegner “gratulieren. Kap Verde hat 200 Prozent gegeben. Wenn man sagt, dass es bei einer Weltmeisterschaft keine leichten Spiele gibt, dann stimmt das. Das heute war für all jene, die gesagt haben, dass wir eine leichte Auslosung haben.”

Argentinien probierte es im Schongang

Argentinien bespielte vor 64.478 Zuschauern den tiefen Block des Gegners geduldig, aber vorerst mit angezogener Handbremse. Kap Verde verzeichnete sogar Ballbesitzphasen und verrichtete einmal mehr gute Defensivarbeit. Nach der Trinkpause ging es dann aber einmal sehr schnell für die Albiceleste. Lisandro Martinez’ perfektes Zuspiel fast von der Mittelauflage nahm Messi ebenso gefühlvoll an und vollendete im Fünfer ins kurze Eck. Bereits in der 15. Minute war ein Schuss des Miami-Legionärs in seiner Wahlheimat knapp am langen Eck vorbeigezischt.

Kurz vor der Pause prüfte Enzo Fernandez noch den kapverdischen Tormann-Held Vozinha (45.), der in der Vorrunde maßgeblichen Anteil an den drei Remis gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien hatte. Damit hatte es sich dann aber auch – trotz klaren Ballbesitzüberhangs war es bis zu diesem Zeitpunkt kein argentinisches Feuerwerk. Die Passivität gegen den Ball rächte sich nach fast genau einer Stunde. Über rechts spielten sich die Afrikaner in den Strafraum, aus spitzem Winkel ließ Duarte Goalie Emiliano Martinez mit einem Schuss ins lange Eck nicht gut ausschauen. Bereits fünf Minuten zuvor hatte Martinez bei einem Weitschuss eingreifen müssen.

Kap Verdes Kämpferherz unbelohnt

Argentinien zog das Tempo wieder an. Messi scheiterte wenig später allein vor Vozinha (63.), der Goalie reagierte auch bei einem Freistoß von “La Pulga” (der Floh, Anm.) stark (73.). Mit beherztem Abwehrverhalten ließ Kap Verde das finale Powerplay des dreifachen Weltmeisters verpuffen und hatte bei einem Handspiel im Strafraum auch Glück. Und selbst als Martinez zu Beginn der Verlängerung infolge eines Corners die vermeintliche Vorentscheidung herbeigeführt hatte, steckte der Underdog nicht auf.

Bei einem der kaum mehr stattfindenden Vorstöße von Kap Verde nutzte Sidny den Platz perfekt und ließ Goalie Martinez mit einem wunderbaren Schlenzer ins rechte, obere Eck keine Chance. Doch Klasse und Routine setzten sich dank Romero nach Messi-Flanke durch. Selbst danach kam Argentinien aber noch ins Schwitzen, Tormann Martinez verhinderte mit einer guten Reaktion den Doppelpack von Sidny (116.).

Die Kapverden werden die Heimreise dennoch als Helden antreten. “Vor allem müssen wir stolz auf das sein, was wir erreicht haben”, sagte Coach Bubista. “Diese Weltmeisterschaft ist der verdiente Lohn für unsere Anstrengungen. Sie hat unseren Charakter gezeigt. Es ist schade, dass wir verloren haben, aber es war einfach unglaublich.”

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