Lindsey Vonn war eine von drei schwer gestürzten Läuferinnen

Crans-Montana-Abfahrt der Frauen nach Stürzen abgebrochen

Freitag, 30. Januar 2026 | 20:05 Uhr

Von: apa

Die Abfahrtsgeneralprobe der alpinen Skirennläuferinnen gut eine Woche vor Olympia ist am Freitag gründlich misslungen. Das Rennen in Crans-Montana musste nach nur sechs Läuferinnen abgebrochen werden, nachdem Nina Ortlieb, Marte Monsen und Lindsey Vonn bei schlechter Sicht auf einer unruhigen Piste schwer gestürzt waren. Die Norwegerin Monsen wurde abtransportiert, während US-Star Vonn eine Knieverletzung erlitt. Ortlieb sagte, sie sei “mit einem blauen Auge davon gekommen”.

Die Vorarlbergerin erklärte, sie sei dankbar, dass bis auf einen blauen Fleck nichts passiert sei. Vonn meldete sich wenige Stunden nach ihrem Sturz via Instagram. “Das ist ein sehr schwieriges Erlebnis eine Woche vor Olympia … aber wenn es eines gibt, wo ich weiß, was zu tun ist, ist das ein Comeback”, schrieb die 41-Jährige. Sie gab sich kämpferisch: “Mein Olympia-Traum ist nicht vorbei.” Auf den genauen Grad der Blessur ging Vonn nicht ein. Sie wolle die Situation nun mit Ärzten und ihrem Team abklären und sich weiteren Tests unterziehen.

Rennen unter keinem guten Stern

Die letzte Weltcup-Abfahrt der Frauen vor Olympia stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Ortlieb, Schnellste im einzigen Training am Mittwoch, stürzte auf der verkürzten Strecke mit Startnummer eins nach 20 Fahrsekunden in einer Rechtskurve in die Fangnetze, blieb aber praktisch unverletzt. “Das Wichtigste ist, dass ich gesund bin”, sagte die schon oft schwer verletzte 29-Jährige. Ihr Airbag sei sofort aufgegangen. “Man kann nach so einem Sturz auch mit einem Helikopter wegfliegen.”

Dieser kam wenig später zum Einsatz. Monsen – als Dritte gestartet – erwischte die Zieleinfahrt nicht, fuhr durch die Torflagge und kam schwer zu Fall. Sie musste mit dem Akja und in weiterer Folge mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. Am Abend war die 26-Jährige bereits zurück im Teamhotel. Laut norwegischen Teamangaben habe Monsen keine Brüche erlitten, sie werde aber in die Heimat überstellt und dort noch einmal durchgecheckt. Ihr Olympia-Start ist fraglich.

Das gilt auch für Vonn, die mit Nummer sechs an der gleichen Stelle wie Ortlieb stürzte. Neun Tage vor der Olympia-Abfahrt in Cortina bangt die beste Abfahrerin in diesem Winter und Goldfavoritin nun um die finale Krönung ihrer Karriere. “Cortina war das große Ziel, daher hoffen wir, dass sie mitmachen kann. Sonst wäre es richtig schade”, sagte ihr Trainer Aksel Lund Svindal. Für den Super-G am Samstag (11.00 Uhr/live ORF 1) steht Vonn wie Ortlieb und im Gegensatz zu Monsen sogar weiter in der Startliste. Garantie für ein Antreten ist das aber nicht.

Diskussion um Abbruch

Nach dem Sturz von Vonn wurde bei einsetzendem Schneefall ein Vorläufer auf die Strecke geschickt. Nach dessen Feedback wurde das Rennen abgebrochen. “Die Sicht ist immer schlechter geworden, vor allem die Bodensicht. Der Vorläufer hat uns gesagt, man sieht die Rennlinie nicht mehr. Die Wettervorhersage war zudem schlecht. Das hat zu unserer Entscheidung geführt. Wir wollen die Sicherheit der Athletinnen nicht gefährden”, erklärte FIS-Renndirektor Peter Gerdol, der zwar von Fehlern der Rennläuferinnen sprach. “Aber die Fahrfehler waren wegen der schlechten Sicht.”

Der Abbruch hatte eine Diskussion zur Folge. “Wenn ich in die Gesichter der Athletinnen und Coaches schaue, so 100 Prozent überzeugt von der Absage sind, glaube ich, nicht viele”, erklärte Athletenvertreterin Cornelia Hütter. “Wegen der Sicht kann ich es mir fast nicht vorstellen. Sicher, es schneit, aber es ist jetzt nicht so, dass der Nebel drin hängt.” Die Steirerin sah den Grund der Absage eher im Pistenzustand, meinte aber auch: “Wir sind schon oft Trainings und Rennen gefahren, wo die nicht 100 Prozent perfekt war.”

Für Assinger “nicht nachvollziehbar”

ÖSV-Frauen-Cheftrainer Roland Assinger führte die deutlich schwierigeren Sichtbedingungen vor zwei Wochen in Tarvis ins Treffen, als das Rennen durchgezogen worden war. “Da sind wir mit 110 km/h durch eine Nebelwand gefahren. Heute war das Licht bei Gott nicht so schlecht, dass man kein Rennen fahren kann. Teilweise waren es sicher Fahrfehler.” Dass der Abbruch wegen des angeblich flachen Lichts “nicht nachvollziehbar” sei, habe er bei der Mannschaftsführersitzung am Abend wie auch die Kollegen aus Deutschland und der Schweiz deponiert, berichtete Assinger. “Aber letztendlich hat die Jury so entschieden, das muss man dann eh akzeptieren.”

Svindal unterstützte den Abbruch: “Ich glaube, es war von der FIS eine gute Entscheidung.” Verständnis hatte auch Ortlieb. “Die Sichtbedingungen haben sich deutlich verschlechtert. Das hilft natürlich nicht, wenn die Piste so unruhig ist. Wenn die beste Skifahrerin auch scheitert, dann zeigt das schon, dass die Piste momentan sehr anspruchsvoll ist.” In den vergangenen Tagen hätten sich durch den Neuschnee einige Wellen aufgebaut, erklärte Gerdol. Für den Super-G sollte das aber kein Problem mehr sein.

Gedenken an Brandkatastrophe

Kurz war es auch ein Thema gewesen, die Abfahrt bereits am Sonntag, wenn auf einem anderen Hang auch die Männer in Crans-Montana ihre Olympia-Generalprobe absolvieren, neu auszutragen. Das Thema war am Freitagabend aber vom Tisch. “Es ist halt ein Freiluftsport. Es tut mir für den Ort an sich leid”, betonte Assinger. “Wir hätten gerne eine Show geboten. Dass das jetzt so endet, war nicht geplant von allen.” Es gebe aber noch ein Frauen- und ein Männer-Rennen. “Ich bin mir sicher, dass wir da noch ein bisschen ein Lächeln in die Ortschaft bringen können.”

Der WM-Ort des kommenden Jahres war zu Silvester von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht worden. Vor dem Start der Frauen-Abfahrt war eine Gedenkminute für die Opfer abgehalten worden. Die Hoffnung, dem Ort mit den Rennen etwas Positives zu bringen, erfüllte sich am Freitag vorerst nicht. “Mir tut es leid für die Zuschauer. Wir hatten gehofft, ihnen eine positive Energie zu übermitteln”, sagte Ortlieb. “Das ist nicht das, was wir zeigen wollten.”

Ähnlich äußerte sich der Schweizer FIS-CEO Urs Lehmann: “Es war die Absicht, hier mit einer respektvollen, wertschätzenden Tonalität auch so ein Memorial zu machen für die Tragödie vor einem Monat in Crans-Montana. Das ist leider nicht aufgegangen. Es ist wirklich schade.”

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