Doppel: Das Endspiel lieferte ein kleines Meisterstück

Ein Finale, das keiner erwartete und alle verdient haben

Samstag, 29. November 2025 | 08:16 Uhr

Von: ka

St. Ulrich – Im Hochgebirgsglanz von St. Ulrich spielen am morgigen Samstag ab 10.00 Uhr zwei Frauen um den Titel, die sich still und stetig in Topform geschlagen haben: Kayla Cross und Eva Guerrero Álvarez. Das Sparkasse ITF Val Gardena Südtirol krönt ein Finale, das auf dem Papier überrascht, auf dem Platz aber völlig logisch wirkt.

Wer in St. Ulrich die Augen zusammenkneift, erkennt sofort, wie sich zwei Spielerinnen mit Anlauf ins Rampenlicht geschlagen haben. Kayla Cross rauschte mit frischen Erfolgen aus Chihuahua in die Dolomiten und bestätigte ihre Form mit jedem Ballwechsel. Eva Guerrero Álvarez sprang mit dem Schwung eines Serie-A1-Halbfinalsiegs für den AT Verona ins Turnier und zeigte, dass sie auf schnellen Belägen weiterhin blendend mit dem Taktstock wedelt.

Plopp/Sparkasse ITF Val Gardena Südtirol

Die 20-jährige Kanadierin sammelte zuletzt ein Semifinale und ein Finale bei zwei 40.000-Dollar-Events in Mexiko ein und marschierte auch im Grödnertal zielstrebig weiter. Die 26-jährige Spanierin schlug am vergangenen Sonntag Camilla Zanolini vom TC Rungg im A1-Halbfinale nieder, weil sie im dritten Satz mit 7:6 schlicht mehr Biss zeigte und sie steuerte davor aus Funchal ein weiteres 40.000-Dollar-Semifinale nach Hause. In Rovereto wirbelte sie durch drei Runden ins Achtelfinale eines WTA-125-Turniers. Ein Trend, der sie mit kleinen, aber festen Schritten wieder Richtung Grand-Slam-Hauptfelder schiebt.

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Guerrero Álvarez weiß, wie sich das große Tennis anfühlt, weil sie bereits fünfmal bei Majors aufschlug, dort sogar einen Sieg feierte und erst dann an Sara Errani scheiterte. Sie kämpft in Gröden und kommende Woche in Wolkenstein um wertvolle Punkte, weil sie ihre Chance auf die Australian-Open-Quali wahren möchte. Sie serviert druckvoll, sie greift früh an, sie hält das Tempo und sie präsentiert sich wie eine Spielerin, die längst wieder im Top-200-Windschatten segelt.

Cross erledigte im Halbfinale die 18-jährige Britin Mimi Xu mit einem kompakten 6:4, 6:4 und setzte auf ihr Rezept aus gnadenlosem Zurückbringen und mutigem Zupacken. Guerrero Álvarez rang wenig später die an drei gesetzte Portugiesin Francisca Jorge mit 6:4, 6:2 nieder und sprach hinterher bemerkenswert klar: Sie habe gut aufgeschlagen, das Tempo gehalten und Fehler vermieden. Sie müsse nun „so viele Punkte wie möglich machen“, um Down Under eine Chance zu haben und sie sagte das mit der Gelassenheit einer Frau, die weiß, was sie kann.

Kayla Cross wiederum erklärte, sie habe „einen Ball mehr zurückbekommen wollen“ als die Gegnerin, ohne ihre Aggressivität zu verlieren. Die Linkshänderin dreht ihren Aufschlag gefährlich nach außen, öffnet den Platz mit chirurgischer Genauigkeit und zeigt nicht nur im Doppel starke Nerven.

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Apropos Doppel: Das Endspiel lieferte ein kleines Meisterstück

Kayla Cross und Anna Rogers holten sich mit 7:6(4), 7:6(7) den Titel, obwohl sie in beiden Sätzen ihre Führungen fast wieder verströmten. Die jungen Italienerinnen Samira De Stefano und Giulia Maduzzi spielten mutig, brachten die Favoritinnen ins Wanken und zeigten, dass Mut und Unbekümmertheit oft dichter am Sieg liegen, als es aussieht. De Stefano drosch als linkshändige Ballkanone gefährliche Winkel, während Maduzzi mit feinem Händchen ihre Volleys streichelte.

Rogers schwärmte später von der Atmosphäre, vom Tal, vom Bergpanorama und vom besonderen Gefühl, direkt aus Mexiko in die Dolomiten zu stürmen. Cross wirkte nach zwei intensiven Turnierwochen müde, streute leichte Fehler ein und biss sich trotzdem durch. Ein Zeichen, dass sie nicht nur Talent, sondern auch Zähigkeit trägt. Die Italienerinnen verabschiedeten sich enttäuscht und dankbar zugleich; Maduzzi erinnerte daran, dass sie und De Stefano „seit Kindheitstagen“ miteinander spielen und hier einfach „viel Spaß“ hatten.

Bei der Siegerehrung führte Turnierchefin Martina Moser charmant durch die Preisvergabe, während FITP-Südtirol-Boss Marco Cordaro die Bedeutung solcher Events für die Südtirol betonte. Und während Cross am Samstag ab 10 Uhr um ihr Double in St. Ulrich spielt, zieht der Tenniszirkus nahtlos weiter.

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Denn am Sonntag packt das Turnierkarussell seine Netze zusammen und rollt die wenigen Kilometer weiter nach Wolkenstein. Der TC Gherdeina richtet dort das nächste 40.000-Dollar-Event aus, erneut das höchstdotierte des Landes und zahlreiche Spielerinnen aus St. Ulrich schlagen auch dort wieder auf. Das Feld präsentiert sich hochklassig, und mit Laura Mair sowie den Peer-Schwestern Lisa und Julia greift auch Südtirol selbst wieder aktiv ins Geschehen ein.

Man kann sagen: Das Grödnertal schickt die Spielerinnen gut aufgewärmt in Woche zwei und serviert den Tennisfans ein Winterspecial mit Extra-Rotation.

Bezirk: Salten/Schlern

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