Bekannter Chefkoch bietet bis zu 2.200 Euro im Monat, findet aber kein Personal

“Heute wollen junge Leute nur noch das Nötigste tun”

Mittwoch, 21. Januar 2026 | 07:06 Uhr

Von: ka

Madonna di Campiglio – Der bekannte Chefkoch Andrea Alfieri ist nach zehn Jahren nach Madonna di Campiglio zurückgekehrt, um im prestigeträchtigen Viersterne-Superior-Hotel Majestic als Küchenchef die Kelle zu schwingen. Doch auch dieses Mal sieht er sich mit denselben Problemen konfrontiert, die ihn und seine Arbeitgeber auch in seinen letzten Arbeitsstätten plagten.

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich dieses Problem habe. Heute wollen die jungen Leute nur noch das Nötigste tun“, klagt er dem Corriere del Trentino. Eine Lösung ist nicht in Sicht, denn angesichts der steigenden Kosten für Energie und qualitativ hochwertige Lebensmittel – ein Muss für eine gute Küche – wird der Spielraum für höhere Gehaltsangebote immer enger.

Facebook/CHIC – Charming Italian Chef/Andrea Alfieri

Die Klagen über den Mangel an Fachkräften im Gastgewerbe und in vielen anderen Berufssparten sind nicht neu. Aufgrund seiner Bekanntheit in der italienischen Küchenwelt sorgte das Interview, das der Chefkoch Andrea Alfieri dem Corriere del Trentino gab, dennoch für Aufsehen.

Andrea Alfieri kehrte im Juni 2025 nach zehn Jahren nach Madonna di Campiglio zurück, um im Viersterne-Superior-Hotel Majestic im Zentrum des bekannten Trentiner Skiorts in den Brenta-Dolomiten zu arbeiten. Zuvor war er in Courmayeur und sechs Jahre lang in Mailand tätig.

Am 7. Januar veröffentlichte er auf seiner Instagram-Seite einen ausführlichen Beitrag, in dem er die Suche nach Mitarbeitern für verschiedene Bereiche in seinem Team ankündigte. Er beschrieb die grundlegenden Anforderungen: Erfahrung in der jeweiligen Tätigkeit, Leidenschaft für das Kochen, Augenmerk auf Qualität, Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Ordentlichkeit und Professionalität. Darunter fügte er die Angebote des Hotels hinzu: einen ordentlichen Vertrag samt Vergütung entsprechend der Erfahrung, ein strukturiertes und professionelles Arbeitsumfeld, die Eingliederung in ein gut organisiertes Team, Aufstiegsmöglichkeiten sowie Unterkunft und Verpflegung.

Instagram/chefalfieri Andrea Alfieri

„Ich möchte betonen“, erklärte Alfieri, „dass dies nicht das erste Jahr ist, in dem ich dieses Problem habe. Schon als ich in Mailand arbeitete, hatte ich Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden, und jedes Jahr wird es schlimmer.“

Die Ursachen sind nicht leicht zu verstehen, aber der Küchenchef versucht, sie zu erklären: „Es handelt sich nicht um einfache Jobs, denn sie erfordern auch an Feiertagen und während der wichtigsten Festtage des Jahres Einsatz. Die jungen Leute sind heute – anders als meine Generation – nicht mehr bereit, Opfer zu bringen. Sie erwarten, dass sie nicht mehr als das Nötigste tun müssen.“

Facebook/Hotel Majestic – Madonna di Campiglio/Andrea Alfieri

Oft hört man, dass diese Arbeitnehmer unterbezahlt sind. Laut Alfieri ist das wirtschaftliche Problem jedoch zweitrangig: „Ein Commis, der der Jüngste in der Brigade ist, verdient etwa 1.600 bis 1.700 Euro, während ein Chef de Partie für acht Stunden Arbeit pro Tag mit wöchentlicher Ruhezeit zwischen 1.900 und 2.200 Euro verdient.“

Auch in Bezug auf die angebotenen Unterkünfte betont der Küchenchef des Majestic: „Das Hotel bietet seinen Mitarbeitern drei Unterkünfte mit Doppelzimmern und allem Komfort. Natürlich handelt es sich nicht um Suiten, aber sie befinden sich in schönen Wohnhäusern. Wir versuchen, unseren Mitarbeitern die bestmöglichen Bedingungen zu bieten.“

Instagram/chefalfieri Andrea Alfieri

Alfieri blickt jedoch optimistisch auf die Saison: „In den letzten Tagen haben einige auf meinen Aufruf geantwortet, vor allem dank LinkedIn. Ich hoffe, bald mein Ziel zu erreichen und die offenen Stellen in meiner Küche besetzen zu können. Leider melden sich einige nach dem Vorstellungsgespräch nicht mehr, aber das passiert auch in Mailand, denn Küchenfachkräfte sind sehr gefragt. Sie erscheinen zu etwa zehn Vorstellungsgesprächen und entscheiden sich dann für denjenigen, der etwas mehr bietet.“

Zum Abschluss äußert der Küchenchef eine allgemeine Überlegung: „Die Leute müssen verstehen, wie wichtig Mitarbeiter für ein Unternehmen sind. Mittlerweile ist unsere Arbeit zu einer Managementaufgabe geworden, weil wir mit den explodierten Rohstoffpreisen und den hohen Personalkosten zurechtkommen müssen. Das heißt, wir müssen nicht nur auf dem Teller, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig sein.“

Tatsächlich ist das wirtschaftliche Umfeld, in dem sich Andrea Alfieri bewegt, nicht einfach, denn angesichts der steigenden Kosten für Energie und qualitativ hochwertiger Lebensmittel – ein Muss für eine gute Küche – wird der Spielraum für höhere Gehaltsangebote immer enger.

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