Die US-Boys haben eine lange olympische Durststrecke beendet

Eishockey-Gold für US-Männer nach Finaldrama gegen Kanada

Sonntag, 22. Februar 2026 | 19:45 Uhr

Von: APA/sda

Die USA haben zum Abschluss der XXV. Winterspiele in Italien Gold im olympischen Eishockey-Turnier der Männer geholt. In einem dramatischen Finale in Mailand besiegte das Team um Kapitän Auston Matthews am Sonntag Kanada 2:1 (1:0,0:1,0:0;1:0) nach Verlängerung. Es ist der insgesamt dritte Eishockey-Olympiasieg für die US-Amerikaner. Zuletzt war dies den US-Männern vor exakt 46 Jahren beim “Miracle on Ice” in Lake Placid gelungen. Bronze war am Samstag an Finnland gegangen.

Jack Hughes schoss die Vereinigten Staaten in der Overtime (62.) gegen den nordamerikanischen Rivalen, der ohne den verletzten Kapitän Sidney Crosby auskommen musste, zum umjubelten Sieg. “Wir haben eines der größten kanadischen Teams aller Zeiten geschlagen. Wir sind unheimlich stolz darauf”, erklärte der Siegtorschütze in einer ersten Reaktion.

Die US-Boys revanchierten sich damit für die knappe Finalniederlage gegen die Kanadier vor 16 Jahren bei den Spielen in Vancouver. Für Kanada, Mutterland des Eishockeys, ist es indes die zweite knappe Endspielpleite gegen das Nachbarland binnen drei Tagen: Auch das Frauen-Team hatte sich gegen die USA nach einem 1:2 nach Verlängerung mit Silber begnügen müssen.

Intensives Finale

Die Bedeutung des Spiels und die Rivalität waren auf dem Eis sofort präsent: Beide Teams schenkten sich nichts, teils heftige Bodychecks wurden ausgeteilt, die Referees führten jedoch eine großzügige Linie. Die US-Amerikaner fanden besser in die Partie: Matt Boldy nutzte eine Unachtsamkeit in der kanadischen Verteidigung und brachte die “Stars and Stripes” mit einer sehenswerten Einzelleistung nach sechs gespielten Minuten in Front. Die US-Truppe ließ zudem im ersten Drittel weitere Möglichkeiten in der ausverkauften Santagiulia-Eisarena liegen.

Im Mitteldrittel präsentierten sich die “Ahornblätter” deutlich engagierter. Connor McDavid vergab die Großchance zum Ausgleich, blieb im Eins-gegen-Eins gegen Keeper Connor Hellebuyck zweiter Sieger (30.). Ein doppeltes Überzahlspiel blieb in der Folge vom neunfachen Olympia-Champion ebenso ungenutzt wie eine Gelegenheit von Macklin Celebrini (36.). So blieb es Verteidiger Cale Makar vorbehalten, das 1:1 mit einem satten Schuss zu besorgen (38.). Ein abgefälschter Stangenpendler des US-Teams sowie eine Rauferei beendeten das intensive Mitteldrittel.

Showdown in der Overtime

Im Schlussdrittel brachte Devon Toews den Puck nicht im scheunentoroffenen US-Gehäuse unter, weil Hellebuyck mit dem Schlägerrand den Einschlag verhinderte (42.). Auch Celebrini scheiterte im Konter am US-Keeper (45.), während sein Teamkollege Nathan MacKinnon am leeren Tor vorbeischoss (50.). Weitere vernebelte Chancen und eine Vier-Minuten-Zeitstrafe für Sam Bennett wegen hohen Stocks, der im Gesicht von Hughes landete, spielte den US-Amerikanern vermeintlich in die Hände. Doch Hughes musste wenig später selbst auf die Strafbank und hob den Vorteil wieder auf.

Die Entscheidung fiel somit in der Verlängerung im Spiel Drei gegen Drei. Dort war Hughes nach 101 Sekunden zur Stelle. Er sowie der überragende Goalie Hellebuyck – er entschärfte 41 Schüsse – verhinderten den zehnten Olympia-Streich Kanadas. Sie krönten die Leistung der US-Amerikaner, die in Mailand ungeschlagen blieben, und auf den Tag genau nach 46 Jahren endlich wieder olympisches Gold feiern durften.

“Unsere Leistung war beinahe unrealistisch. Hellebuyck hat ein unglaubliches Spiel gezeigt. Er war unser bester und wichtigster Spieler – und das um Meilen”, sagte Hughes. In der Stunde des Sieges gedachte die Truppe auch ihrem 2024 verstorbenen Mitspieler Johnny Gaudreau und trug dessen Trikot durch die Eishalle.

Trump-Videoanruf und Retourkutsche für Kanada

US-Präsident Donald Trump schickte Gratulationen via X und meldete sich mit einem Video-Anruf in der Kabine. “Ich weiß nicht, ob es per Facetime oder was auch immer war, aber die Spieler haben mit ihm gesprochen und er hat seinen Respekt ausgedrückt und gratuliert”, berichtete US-Trainer Mike Sullivan. “Wir sind alle stolze Amerikaner, das war ein großartiger Moment”, sagte Matthews.

Etwas brisanter war ein weiteres vom Weißen Haus gepostetes Foto: Es zeigte einen Weißkopfseeadler, der Nationalvogel der Vereinigten Staaten, auf Beutezug. Darunter war ein alter Post des ehemaligen kanadischen Premierministers Justin Trudeau vom vergangenen Jahr zu sehen, als dieser schrieb: “Ihr könnt nicht unser Land nehmen – und ihr könnt nicht unser Spiel nehmen.” Damals hatte Kanada in Zeiten politischer Spannungen im Finale des Vier-Nationen-Turniers gegen die USA gewonnen. Jetzt gab es also den Revanche-Post des Weißen Hauses.

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