Von: ka
Indian Wells (Kalifornien, USA)/Sexten – Zu Beginn der Tennissaison 2026 musste Jannik Sinner einige Enttäuschungen verkraften. Nach seinen Niederlagen bei den Australian Open und in Doha schien etwas Sand in „Janniks Getriebe” geraten zu sein.
Doch mit seinem Triumph beim wichtigen Masters 1000 in Indian Wells kehrte das Lächeln auf das Gesicht des Tennischampions aus Sexten und aktuellen Weltranglistenzweiten zurück. Zu seinem Erfolg trugen seine Entscheidung, ein spezielles „Hitzetraining” zu absolvieren, sowie der Besuch von befreundeten Paaren aus Sexten bei.
Dank seines Finalsieges gegen Daniil Medwedew rückt Jannik der Nummer 1, Carlos Alcaraz, näher. Der Sextner möchte jedoch offiziell keinen Gedanken daran verschwenden, bald wieder die Nummer 1 zu werden. „In Doha hatte ich nicht mein bestes Tennis gezeigt, aber ich wusste, wie ich zurückkommen würde“, so Sinner. Dann fügte Jannik Sinner hinzu: „Jetzt, wo ich so gut in Form bin, will ich nicht aufhören. Meine Gedanken sind schon in Florida. Es ist noch zu früh, um über Roland Garros zu sprechen.“

„In Doha hatte ich nicht mein bestes Tennis gespielt, aber ich war nicht besorgt, denn ich wusste, wie ich zurückkommen würde.“ Jannik Sinner sollte Recht behalten. Vier Monate nach den ATP Finals 2025 begann er in Indian Wells wieder zu gewinnen. Mit 24 Jahren und 211 Tagen ist er der jüngste Spieler, der alle Titel auf Hartplatz gewonnen hat: Er hat die Australian Open, die US Open, das Jahresend-Masters sowie die sechs Masters-1000-Turniere auf Hartplatz gewonnen.

Tatsächlich hatte der Sextner nach seinem eher mäßigen Saisonstart ganz klare Vorstellungen davon, wie er die beiden Masters-1000-Turniere des „Sunshine Doubles”, Indian Wells und Miami, angehen würde. Er war vorzeitig in Kalifornien eingetroffen. Bereits am 27. Februar fand das erste Training auf dem Center Court statt. Nach der Hitzeschlacht in Melbourne, bei der er im Halbfinale gegen Djokovic ausgeschieden war, und der Enttäuschung in Katar, wo er im Viertelfinale gegen Mensik unterlegen war, war es sein Ziel, sich an das Wüstenklima zu gewöhnen. „Hier kann es zwar brütend heiß sein, aber es ist nicht schwül. Das ist ein großer Unterschied”, so Jannik Sinner.

Der Engländer Cameron Norrie berichtete von einem dreieinhalbstündigen Training mit Jannik. Es hat sich ausgezahlt, die Trainingseinheiten in die heißesten Stunden des Tages zu legen. Nachdem er sein Tennis der Hitze angepasst hatte, dachte er daran, auch etwas für seine Stimmung zu tun.
Die amerikanische Tour mit den Turnieren in Indian Wells und Miami beginnt am Mittwoch. Die Nummer 2 der Tenniswelt hat jedoch ein Freilos und wird erst am Freitag oder Samstag auf den Platz treten. Die Tour dauert fünf Wochen. Das ist eine lange Zeit und der Sextner mag keine allzu langen Auswärtsreisen. Um sich ein bisschen wie zu Hause zu fühlen, hat er zwei Freunde aus Sexten samt ihren Freundinnen eingeladen. „Sie haben mir geholfen, nicht immer nur an Tennis zu denken. Wir sind Golf spielen gegangen und haben abends ein bisschen Playstation gespielt. Es war schön“, erzählte er.

Nicht zuletzt dank der kleinen Anpassung des Trainings an das heiße Klima Kaliforniens und dem Besuch befreundeter Paare, die ihre gute Stimmung aus der Heimat mit nach Indian Wells brachten, gelang es Jannik, seine spielerische Frische zurückzugewinnen. Diese gab wohl den Ausschlag, um sowohl gegen altbekannte Gegner wie Alexander Zverev und Daniil Medwedew als auch gegen Newcomer wie João Fonseca und Learner Tien die Oberhand zu behalten.

Der Russe Medwedew, der im Finale im Tiebreak des zweiten Satzes mit 4:0 in Führung lag, scheiterte an dem Unterfangen, das bisher nur Djokovic gelungen war: Alcaraz und Sinner im selben Turnier zu besiegen. Djokovic fehlte in Miami verletzungsbedingt.

Von einer Krise war nie die Rede: „Man kann schon mal verlieren, es ist normal, nicht immer in Topform zu sein.“ Das Tabu von Indian Wells, wo er 2023 und 2024 jeweils im Halbfinale ausgeschieden war, ist gebrochen. Zudem war es wichtig, die negative Erinnerung an den Ort der Clostebol-Kontaminierung vor zwei Jahren in einer Villa des Großunternehmers Larry Ellison gedanklich mit einem Turniersieg zu „überschreiben“. Das Team kehrte nicht mehr in diese Villa zurück.

Jannik gönnt sich nun zwei freie Tage und wird wie geplant Mitte der Woche in Miami wieder im Rampenlicht stehen. Mit Blick auf den Atlantik wird er im regnerischen Frühling Floridas die feuchte Hitze vorfinden, die er nicht mag. Dafür wird ihn der schnelle Belag der Tennisplätze im Hard Rock Stadium der NFL-Dolphins entschädigen, auf dem er sich sehr wohlfühlt. In Miami hat er mit 19 Siegen die meisten Spiele bei einem Masters-1000-Turnier seiner Karriere gewonnen. Seit 2021 hat er dort drei Finals erreicht und 2024 gewonnen. Doch selbst ein „Sunshine Double” als Nummer 2 würde nicht ausreichen, um Alcaraz zu verdrängen und die Spitze zurückzuerobern.

Der Rückstand beträgt 2.150 Punkte. Jannik wird in Florida versuchen, weiter Boden gutzumachen. Das Überholen wird jedoch erst auf den Sandplätzen zum Thema, ab Monte Carlo – was jedoch stark gefährdet ist, sollte der Sextner in Miami bis ins Finale kommen. Das Ziel für die erste Saisonhälfte bleibt Roland Garros. „Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Es liegen noch viele wichtige Turniere zwischen jetzt und Paris“, sagte er am Abend seines Triumphs in Indian Wells. „Mein Fokus liegt auf Miami. Jetzt, wo ich spüre, dass ich einen so hohen Rhythmus habe, werde ich ihn nicht verlieren.“

Der Sextner möchte jedoch – offiziell – keinen Gedanken daran verschwenden, bald wieder die Nummer 1 zu werden. Wie von ihm gewohnt ist es eine Politik der kleinen Schritte mit dem Wunsch, erneut Geschichte zu schreiben.









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