Von: apa
Lilli Tagger hat am Dienstag beim Upper Austria Ladies ihre Linz-Premiere beim WTA-500-Turnier gewonnen. Die 18-jährige Osttirolerin besiegte die Ex-Weltranglisten-Zweite Paula Badosa aus Spanien im mit 2.500 Fans ausverkauften Design Center nach 2:07 Stunden 6:4,7:6(5). Sie beendete damit auch den ÖTV-Bann in Linz und sorgte für den ersten rot-weiß-roten Einzelsieg seit 2013. Der Tennis-Jungstar trifft am Donnerstag auf die als Nummer 3 gesetzte Russin Ljudmila Samsonowa.
Das Aus in Runde eins kam hingegen für Sinja Kraus und Julia Grabher. Die noch 23-jährige Wienerin Kraus unterlag der als Nummer 5 gesetzten Rumänin Sorana Cirstea nach 87 Minuten 3:6,3:6. Sie ging damit auch nach ihrem vierten Hauptfeld-Auftritt bei Österreichs einzigem WTA-Frauen-Tennisturnier als Verliererin vom Platz. Cirstea zog hingegen an ihrem 36. Geburtstag ins Achtelfinale ein. Im Abendmatch verlor auch Grabher gegen die höher eingestufte Philippinin Alexandra Eala. Die 29-jährige Vorarlbergerin musste sich nach 102 Minuten 4:6,3:6 beugen. Es war ihr sechstes Erstrundenaus in Linz.
Tagger: “Unglaublich, bin als Außenseiter gekommen”
Tagger war im Court-Interview mit Barbara Schett-Eagle überwältigt. “Unglaublich, ich bin als Außenseiter auf den Platz gekommen, aber ich habe mich schon seit der Auslosung so auf das Match gefreut, vor euch zu spielen. Daheim zu spielen, ist immer unglaublich”, bedankte sich Tagger beim Publikum. Wie sie es schaffe, sich derartig auf Sieg einzustellen, beantwortete Tagger locker: “Du hast zu 50 Prozent ja schon mal die Chance, das Match zu gewinnen, weil du bist ja schon einmal am Platz, oder?”, sorgte sie für Gelächter und fügte ernst hinzu: “Es ist mir unheimlich viel dran gelegen, dass ich vor euch mein erstes Sandplatzmatch auf der WTA Tour gewinne, gegen so eine große Spielerin. Da hat man nicht jeden Tag die Chance. Ich wollte wirklich reinkommen und gewinnen.”
Vor den Augen ihrer Trainerin Francesca Schiavone und begeisterten Fans zeigte Lilli Tagger, dass der um sie entstandene Hype seine Gründe hat. Der Teenager mit dem großen Potenzial ließ sich im ersten Satz von einem 1:3-Rückstand nicht irritieren und schaffte selbst zum 5:4 das entscheidende Break im ersten Satz. Sie wehrte einen Rebreakball ab und verwertete dann den zweiten Satzball zum 6:4.
Danach zog Tagger auf 4:0 davon, doch Badosa gab nicht auf und verkürzte auf 3:4. Dann stellte Tagger auf 5:3 und 0:30 bei Aufschlag der aktuellen Nummer 102, doch Badosa riss sich heraus und glich zum 5:5 aus. Tagger bewies Nerven, schaffte das Break zum 6:5, musste dann aber neuerlich zwei Punkte vor dem Sieg den Ausgleich zum 6:6 zulassen. Im hauchdünnen Tiebreak hatte Tagger das bessere Ende für sich.
Sieg für Tagger einer der bisher wichtigsten
Bei der Einstufung dieses Erfolgs tat sich Tagger zunächst schwer: “Es ist ein sehr wichtiges Match, das ich gewonnen habe.” Die Heimpremiere auf Sand auf der Tour war ihr am Herzen gelegen. “Und dann gleich ein 500er im Hauptfeld gegen so eine gute Spielerin – es ist sehr weit oben.” Im Liveranking hat Tagger weiter Boden gut gemacht, sie liegt auf Rang 106. Ein weiterer Sieg am Donnerstag würde ihr den Hauptbewerb bei den French Open sichern, was ihr viel bedeuten würde. “Natürlich, wir haben uns dieses Ziel schon seit Längerem gesetzt, dass ich im Hauptfeld in Paris stehe.”
Seit Patricia Mayr-Achleitner vor 13 Jahren (damals im Viertelfinale out) hatte es keine Österreicherin geschafft, in Linz auch nur eine Runde zu gewinnen. Tagger brach den Fluch und zeigte auch, warum sie zuletzt nach Wildcards in Indian Wells und Miami jeweils eine Runde gewonnen hatte.
Kraus: “War heute nicht mein Tag”
“Das war heute nicht so ganz mein Tag. Ich bin nicht gut ins Match reingestartet, aber sie hat sehr gut gespielt und steht nicht umsonst Top 30”, lautete die erste Analyse von Kraus im ORF-TV. Man sei vor eigenem Publikum immer besonders nervös.
Die Vorentscheidung im ersten Satz fiel schon im zweiten Game, dem ersten Service-Spiel von Kraus. Dieses ging nach einer 40:15-Führung acht Mal über Einstand, Kraus ließ sieben Möglichkeiten zum 1:1 aus und Cirstea schaffte gleich das Break. Danach zog Cirstea rasch auf 5:0 davon. Die mit einer Wildcard versehene Kraus bäumte sich noch auf, verlor aber doch Satz eins 3:6.
Cirstea, die ihre 20. und letzte Profi-Saison bestreitet, ist als aktuell Weltranglisten-29. um 90 Positionen besser platziert als die Österreicherin. Im zweiten Durchgang hielt die seit kurzem vom Deutschen Alexander Grau gecoachte Kraus bis zum 3:3 gut mit. “Ich bin stolz auf mich, wie ich mich zurückgekämpft habe”, sagte Kraus später, musste dann aber ihr Service zum 3:4 abgeben. Diesen Vorsprung ließ sich Cirstea nicht mehr nehmen.
Auch für Grabher wäre mehr möglich gewesen, guten Phasen folgten aber zu viele Eigenfehler. “Extrem enttäuschend. Ich glaube, ich habe gar nicht zu meinem Spiel gefunden, das ist extrem schade, vor allem hier in Österreich”, sagte Grabher im ORF. “Ich war trotzdem dran, habe aber generell einfach zu viele Fehler gemacht.”




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen