So "hackt" der Südtiroler Tennisstar sein Nervensystem

Panikattacke? Die Wahrheit hinter Sinners Rom-“Drama” – VIDEO

Mittwoch, 20. Mai 2026 | 09:17 Uhr

Von: luk

Rom – Nach dem Auftritt von Tennisstar Jannik Sinner beim Rom Masters sorgt nicht nur sein Sieg, sondern auch seine mentale Vorbereitung für Gesprächsstoff. Auslöser war eine Szene im Halbfinale gegen Daniil Medvedev: Sinner wirkte sichtbar angespannt, atmete hektisch und kämpfte offenbar mit Übelkeit. In sozialen Netzwerken wurde sogar über eine Panikattacke spekuliert.

Doch laut seinem Mentalcoach Giacomo Spiga handelte es sich vielmehr um eine bewusste Technik zur Stressregulierung. Sinner habe versucht, “sein Nervensystem zu hacken”, erklärte Spiga auf Instagram. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte Polyvagal-Theorie. Es ist ein Modell aus der Neurowissenschaft, das derzeit auch im Spitzensport immer mehr Aufmerksamkeit erhält.

Die Theorie wurde in den 1990er-Jahren vom US-Forscher Stephen Porges entwickelt. Sie beschreibt, wie das autonome Nervensystem auf Sicherheit, Gefahr und Stress reagiert. Im Zentrum steht der Vagusnerv, der unter anderem Herz, Lunge und Verdauung beeinflusst. Laut Theorie kann kontrollierte Atmung helfen, den Körper aus einem Alarmzustand zurück in eine ruhigere Balance zu bringen.

Genau darauf soll auch Sinners Technik abzielen: Durch langsames und bewusstes Atmen versucht der Weltranglistenerste, Herzschlag und Stressreaktionen zu kontrollieren, um in entscheidenden Matchphasen die mentale Klarheit zu bewahren.

Ein wichtiger Begriff der Theorie ist die sogenannte „Neurozeption“. Gemeint ist die unbewusste Fähigkeit des Körpers, Situationen als sicher oder bedrohlich einzustufen, noch bevor der Verstand sie rational bewertet. Gerade im Spitzensport können Druck, Publikum oder Angst vor Fehlern körperliche Stressreaktionen auslösen.

Wissenschaftlich bleibt die Polyvagal-Theorie allerdings umstritten. Viele Therapeuten und Psychologen sehen darin ein hilfreiches Modell, um den Zusammenhang zwischen Körper, Emotionen und Stress besser zu verstehen. Kritiker bemängeln hingegen, dass einige neurobiologische Erklärungen bislang nicht ausreichend belegt seien.

Unbestritten ist jedoch: Atemtechniken, Achtsamkeit und gezielte Entspannungsübungen können helfen, Stressreaktionen zu reduzieren – nicht nur im Spitzensport, sondern auch im Alltag.

Bezirk: Pustertal

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