Von: apa
Die sehbeeinträchtigte Äthiopierin Tigist Gezahagn hat am Sonntag beim warmen Vienna City Marathon in 2:20:06 Stunden für einen Streckenrekord gesorgt. Die zweimalige Paralympics-Siegerin über 1.500 m unterbot die vier Jahre alte Marke der Kenianerin Vibian Chepkirui (2:20:59) deutlich und verwies ihre Landsfrau Tesfaye Haftamnesh um zwölf Sekunden auf Platz zwei. Der Wien-Rekord der Männer blieb unangetastet, den Sieg sicherte sich der Kenianer Fanny Kiprotich in 2:06:53.
Die besten Österreicher waren Eva Wutti (2:42:37) als Zehnte bzw. Andreas Vojta (2:15:07) an der neunten Stelle. Der auf eine Zeit unter 2:10 hoffende ÖLV-Rekordhalter Aaron Gruen gab bereits vor der Streckenhälfte auf. Die mit Abstand größte Laufveranstaltung Österreichs verzeichnete bei der 43. Auflage eine neuerliche Rekordbeteiligung. Es gab 49.400 Anmeldungen, 13.000 für die volle Distanz von 42,195 km. Einige Spitzenläufer und viele Hobbyathleten hatten aufgrund der ziemlich hohen Temperaturen mit viel direkter Sonneneinstrahlung hart zu kämpfen.
Siegerin trotz ihres Handicaps überragend
Keine Probleme mit den fast schon frühsommerlichen Bedingungen bekundete Gezahagn, die ihre persönliche Bestzeit aus dem Jänner in Doha um mehr als eine Minute verbesserte. “Das ist ein schöner Erfolg für mich. Und ich freue mich sehr über den Streckenrekord und meine neue Bestzeit”, sagte die 26-Jährige nach ihrem dritten Marathonsieg. Dass es knapp nicht zu einer Sub-2:20-Zeit gereicht habe, könne sie verschmerzen. Ihre letzte verbliebene Konkurrentin Haftamnesh hatte sie in der Schlussphase auf der Ringstraße abgeschüttelt. “Es war sehr spannend. Bei 41 km habe ich realisiert, dass ich gewinnen kann und sie etwas müde ist.”
Die Paralympics-Siegerin von 2021 und 2024 gab an, dass sie ihre Sehbehinderung nur bei einigen Kurven und Unebenheiten etwas beeinträchtigt habe. Gröbere Schwierigkeiten seien auch dank vieler akustischer Warnhinweise ihres Tempomachers ausgeblieben. Ob sie sich in Zukunft voll auf den Straßenlauf konzentrieren will, ließ Gezahagn offen, die Entscheidung über weitere Para-Rennen will sie im Sommer treffen.
Keine Bestzeiten für Routiniers Wutti und Vojta
Im Gegensatz zur Siegerin litt Ex-ÖLV-Rekordhalterin Wutti sehr unter den Bedingungen. “Es war so ein hartes Rennen, aus irgendeinem Grund hat es heute nicht laufen wollen. Das Rennen wurde aufgrund der Wärme mit jeder Minute härter”, sagte die 37-Jährige. Die als Juristin tätige Alleinerzieherin einer Tochter hatte muskuläre Probleme und blieb deshalb bei ihrem fünften VCM erstmals über 2:40. Die Kärntnerin mit einer Bestzeit von 2:30:43 musste in der Schlussphase mehrere Male anhalten und sich sogar zweimal hinsetzen. Sie könne im Endeffekt aber stolz sein, trotzdem bis ins Ziel durchgebissen zu haben, so Wutti.
Auch Vojta hatte keinen wirklich guten Tag. Der langjährige Bahnläufer blieb mit einer ähnlichen Zeit und der gleichen Platzierung wie 2025 wieder einmal unter seinen Marathon-Erwartungen. “Ich habe mir mehr erhofft, die Bedingungen waren etwas schwierig. Die Wärme war nicht das große Problem und soll keine Ausrede sein. Für mich war eher die direkte Sonneneinstrahlung schwierig. Hinten raus habe ich die volle Brutalität des Marathons zu spüren bekommen”, sagte der rund eineinhalb Minuten über seiner Bestzeit gebliebene Wiener. “Objektiv war es nicht das, was man sich erhofft hat und was auch möglich sein sollte. Im Endeffekt kann ich mir für die 2:15 nicht viel kaufen.”
Überraschungssieger pulverisierte persönliche Bestzeit
Einiges mit dem Preisgeld von 15.000 Euro leisten kann sich hingegen Überraschungssieger Kiprotich. Der Kenianer triumphierte auch bei seinem zweiten Marathon nach jenem im Vorjahr in Tallinn und pulverisierte seine Bestmarke von 2:11:21. “Ich bin sehr stolz. Ich wusste, dass das möglich ist, weil mein Training sehr gut war”, sagte der nach einem langen Solo erfolgreiche Kiprotich im APA-Gespräch. Der 24-Jährige schwärmte von der guten Atmosphäre an der gesamten Strecke, die Wärme habe ihn nicht gestört. Der Wien-Rekord von 2:05:08 aus dem Jahr 2023 war aber auch für ihn außer Reichweite. Sein Limit sieht er in Zukunft bei Zeiten von 2:04, 2:05. Der schon dreimal unter 2:06 gelaufene Topfavorit Kibrom musste sich in 2:08:10 mit Platz zwei begnügen. “Es war heute leider nicht perfekt, ich hatte schon ab 33 km Probleme”, sagte der 28-Jährige aus Eritrea.
Österreichische Erfolge im Halbmarathon
Den Halbmarathon, mit 14.000 gemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, gewann Timo Hinterndorfer in 1:02:58, womit der Wiener aber über seiner Bestmarke blieb. Auch bei den Frauen siegte auf den 21,1 km mit Larissa Matz in 1:15:15 eine Österreicherin.




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