Von: ka
Bozen – Dreizehn Jahre nach Nibalis Sieg beim Giro del Trentino steht mit dem Fahrer aus den Marken von Red Bull-BORA-hansgrohe wieder ein Italiener ganz oben auf dem Podium des von Sport Alto Garda organisierten Rennens. Er zerlegte den Anstieg nach Jenesien und sicherte sich das Grüne Trikot von Melinda vor dem INEOS-Duo Bernal-Arensman.
Giulio Pellizzari hatte es wenige Wochen vor dem Start der 49. Tour of the Alps in Innsbruck angekündigt: „Es ist das Rennen, das mir gezeigt hat, dass ich auf hohem Niveau fahren kann. Die Tour of the Alps ist das Bergrennen schlechthin – und ich will zurückkommen, um sie zu gewinnen.“ Er hat Wort gehalten: Am Freitag, 24. April, holte sich der 22-Jährige aus den Marken in Bozen seinen zweiten Etappensieg bei dieser TotA-Ausgabe und verteidigte bis zuletzt das Grüne Trikot von Melinda, das er mit seinem ersten Erfolg im Martelltal erobert hatte.Ausgerechnet er, der vor dieser Woche nur einen einzigen Sieg als Profi vorzuweisen hatte – und noch nie eine Rundfahrt in irgendeiner Kategorie gewonnen hatte: Doch bei der Tour of the Alps hat sich etwas verändert. Oder vielleicht hat sich alles verändert – das wird die Zeit zeigen.

Sicher ist: Italien darf bei der Tour of the Alps 13 Jahre nach Vincenzo Nibali wieder jubeln (als das Rennen noch Giro del Trentino hieß) – und erstmals, seit die Rundfahrt ihr neues euroregionales Gewand trägt. Und das ausgerechnet in jener Ausgabe, die den ersten Zehnjahreszyklus der Zusammenarbeit zwischen Tirol, Südtirol und Trentino abschließt. 2013 stürmte der Hai direkt weiter zum Gewinn des Rosa Trikots; der Herzog von Camerino blickt nun mit einigen zusätzlichen Gewissheiten dem Start in Bulgarien entgegen.
In fünf Tagen zeigte der Fahrer aus den Marken Brillanz und Selbstvertrauen, kontrollierte das Rennen gemeinsam mit seinem starken Team Red Bull-BORA-hansgrohe und setzte jedes Mal deutliche Ausrufezeichen, wenn die Straße unter den Rädern der Fahrer anstieg.
Ob sich in Bozen tatsächlich eine Staffelübergabe vollzogen hat, wird die Zeit zeigen, doch der 22-Jährige aus Camerino verlässt diese Woche die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino mit neuem Selbstbewusstsein. Er verstand es, dem Druck der Favoritenrolle standzuhalten, und bewies auf der Straße, der Beste zu sein – auch gegen Gegner vom Kaliber eines Egan Bernal, früherer Sieger der Tour de France und des Giro d’Italia, oder gegen etablierte Tour-of-the-Alps-Protagonisten wie Michael Storer und Thymen Arensman.

Nach dem Erfolg im Martelltal legte Pellizzari auf der Etappe Trient-Bozen (128,6 km) nach. Beim Start war sein Vorsprung in der Gesamtwertung minimal – lediglich 4 Sekunden auf das INEOS-Grenadiers-Duo –, doch der Fahrer aus den Marken kontrollierte das Rennen souverän. Am Anstieg nach Jenesien selektierte er zunächst das Feld, ehe er bei der zweiten Passage den entscheidenden Angriff setzte und dem Sieg entgegenfuhr. Arensman und Bernal versuchten, sein Tempo mitzugehen, doch sein Rhythmus erwies sich als unhaltbar.
Im Ziel in Bozen belegte ein wiedererstarkter Bernal mit 30 Sekunden Rückstand Rang zwei und setzte sich im Sprint gegen Storer und seinen Teamkollegen Arensman durch. Dahinter folgten Jakob Omrzel (Bahrain Victorious), Ben O’Connor (Jayco AlUla), der Routinier Chris Harper (Q36.5) und der junge Mathys Rondel (Tudor Pro Cycling), allesamt mit 1:20 Minuten Rückstand. Noch weiter zurück lagen Aleksandr Vlasov und Derek Gee mit 2:29 Minuten.

In der Gesamtwertung setzte sich der Fahrer aus den Marken – zugleich Gewinner des weißen FORST-Trikots für den besten Nachwuchsfahrer – mit 40 Sekunden Vorsprung auf Bernal und 50 Sekunden auf Arensman durch. Neben dem Podium klassierte sich Titelverteidiger Storer mit 1:09 Minuten Rückstand, gefolgt von den jungen Fahrern Rondel (1:45) und Omrzel (1:55).
Das rote Trikot von Caffè della Bocca della Verità ging an den Überraschungsmann Tommaso Dati (Team UKYO), Sieger der ersten Etappe in Innsbruck. Das blaue Trikot der Gruppo Cassa Centrale für die Bergwertung sowie das Sondertrikot e-VISO Giro für den kämpferischsten Fahrer sicherte sich hingegen der ehemalige deutsche Eisschnellläufer Lennart Jasch (Tudor Pro Cycling), der auch mit dem Etappensieg am Donnerstag in Trient glänzte.

PELLIZZARI: „UNGLAUBLICH, DIE #TOTA ZU GEWINNEN – NÄCHSTES JAHR KOMME ICH ZURÜCK, UM DEN TITEL ZU VERTEIDIGEN“
„Ich bin zur Tour of the Alps gekommen, um mich an den Anstiegen zu testen: Zu Beginn waren die Gefühle nicht ideal, aber sie wurden von Tag zu Tag besser. Dieses Rennen hat uns im Hinblick auf die Zukunft viel Selbstvertrauen gegeben: Wir haben gezeigt, dass wir ein starkes Team sind, bereit, um etwas Großes zu kämpfen. Ich habe die Verantwortung gespürt, als Leader zu fahren – angesichts der großartigen Arbeit meiner Teamkollegen. Ich wollte auch für sie gewinnen, für alles, was sie für mich getan haben.“
„Heute bin ich mit der Überzeugung gestartet, anzugreifen und allein ins Ziel zu kommen. INEOS hat an der ersten Auffahrt nach Nobls ein hohes Tempo angeschlagen; bei der zweiten hat mich Aleotti perfekt lanciert, danach bin ich in der Abfahrt etwas Risiko gegangen, um den Vorsprung zu vergrößern. Die letzten zwei Kilometer habe ich in vollen Zügen genossen.“
„Die Tour of the Alps 13 Jahre nach Nibali zu gewinnen, ist für mich etwas Unglaubliches. Für mich bleibt er ein großer Bezugspunkt, und ich hoffe, mich mit der Zeit dem annähern zu können, was er erreicht hat.“
„Ich glaube, dass ich meine Form mit Blick auf den Giro noch weiter verbessern kann: In den kommenden Tagen werde ich in Südtirol, im Schnalstal, bleiben und dort gemeinsam mit Gianni Moscon einige Trainingstage absolvieren, bevor ich nach Bulgarien reise.“
„Diese Tour of the Alps hat mir viel gegeben – im Rennen und im Umfeld. Ich habe die Zuneigung des Publikums stark gespürt, vor allem im Trentino, wo meine Freundin lebt und mich viele kennen. Das ist ein Rennen, das ich immer fahren will und dem ich mich auch in Zukunft immer stellen möchte: Nächstes Jahr hoffe ich, mit der Nummer 1 auf dem Rücken am Start zu stehen.“

PIDCOCK VERSUCHT ES AUS DER DISTANZ, PELLIZZARI DIKTIERT DAS GESCHEHEN IN BOZEN
Schon in den ersten Kilometern war die fünfte Etappe der Tour of the Alps von Attacken und Kontern geprägt, während das Feld auf den ersten Rampen hinauf zur Sprintwertung von Palù di Giovo reagierte, die dem Andenken an Sara Piffer gewidmet war, an die auch heute Morgen beim Start in Trient erinnert wurde.
Nach der Sprintwertung setzte sich eine Gruppe von zwölf Fahrern ab: der Etappensieger von Trient Lennart Jasch (Tudor Pro Cycling), Sam Oomen (Lidl-Trek), Rainer Kepplinger (Bahrain Victorious), Reuben Mackellar und Jesús Rodríguez Contreras (EF Education-EasyPost), Koen Bouwman (Team Jayco AlUla), Alejandro Rojas Naranjo (Bardiani CSF Faizanè), Márton Dina (MBH Bank), Mattia Bais (Team Polti VisitMalta), Tom Pidcock und Mark Donovan (Q36.5) sowie Nicolò Garibbo (Team Ukyo).
Die Spitzengruppe erreichte rund um Kilometer 50 am Anstieg nach Altenburg bei Kaltern einen Maximalvorsprung von 2:40 Minuten, wo Jasch die entscheidenden Punkte für das blaue Trikot der Gruppo Cassa Centrale in der Bergwertung holte. Im Tal Richtung Bozen übernahm Red Bull-BORA-hansgrohe die Kontrolle über das Rennen und arbeitete daran, Giulio Pellizzari vor der ersten Passage des Anstiegs nach Jenesien in beste Position zu bringen.

In dieser Phase leistete Donovan den Großteil der Führungsarbeit in der Fluchtgruppe, doch das hohe Tempo von Jayco AlUla ließ den Vorsprung der Ausreißer kontinuierlich schrumpfen. Beim ersten Anstieg zur Bergwertung von Nobls übernahm INEOS Grenadiers die Nachführarbeit und erhöhte das Tempo deutlich.
An der Spitze konnten sich Tom Pidcock, Márton Dina und Rodríguez Contreras absetzen, wobei der Brite und der Kolumbianer rund zwei Kilometer vor der Bergwertung allein vorne blieben. Gleichzeitig reduzierte das gemeinsame Forcing von INEOS Grenadiers und Jayco AlUla den Rückstand des Feldes um mehr als zwei Minuten.
An den ersten Rampen der zweiten Auffahrt nach Jenesien blieb Rodríguez Contreras allein an der Spitze zurück und brach den Widerstand von Tom Pidcock. Der Brite, obwohl noch nicht in Bestform, ehrte die Tour of the Alps mit einem fast gelungenen Sieg auf der Auftaktetappe in Innsbruck und dem Tagessieg in Arco. Hinter Rodríguez Contreras schlug Red Bull-BORA-hansgrohe ein extrem hohes Tempo an und zog die Favoritengruppe in die Länge. Der Erste, der reißen lassen musste, war Derek Gee, kurz darauf gefolgt von Aleksandr Vlasov – beide außerstande, dem von Giovanni Aleotti vorgegebenen Rhythmus zu folgen.
Nach einem kurzen Flachstück zögerte Pellizzari nicht länger und setzte eine entschlossene Attacke, der zunächst das INEOS-Duo Thymen Arensman und Egan Bernal folgen konnte. Nach rund 500 Metern Vorstoß verloren die beiden jedoch an Boden, auch wenn sie versuchten, den Rückstand zu begrenzen.
Bernal fuhr sein eigenes Tempo weiter, während Arensman für seine Anstrengung bezahlen musste und von Michael Storer eingeholt wurde. Das Trio schloss kurz nach der Bonus-Sprintwertung in Oberkollern wieder zum Kolumbianer auf, wo Pellizzari 2 Sekunden auf Bernal und 6 Sekunden auf Arensman gutmachte.
Im Schlussabschnitt des Anstiegs nach Nobls baute der Fahrer aus den Marken seinen Vorsprung auf bis zu 19 Sekunden gegenüber den drei Verfolgern aus, die vergeblich versuchten, die Jagd zu organisieren. Pellizzari meisterte anschließend auch die Abfahrt perfekt, beschleunigte aus jeder Kurve heraus neu und erreichte das Ziel als Solist, empfangen vom Jubel des Bozner Publikums.
Zu den Gratulanten für Pellizzari zählten auch Größen des Südtiroler Sports: die Olympiasieger im Rennrodeln von Mailand-Cortina Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner sowie Nationaltrainer Armin Zöggeler, eine Legende des italienischen Wintersports.
Ein würdiges Finale einer Tour of the Alps, bei der sich aufstrebende Gesichter mit Champions abwechselten, die sich ganz sicher nicht schonten: vom großartigen Sieg von Tommaso Dati in Innsbruck bis zum ersten Ausrufezeichen Pellizzaris im Martelltal. Zur Rennhalbzeit trat Tom Pidcock in Arco ins Rampenlicht, ehe er in Trient Platz machte für die wunderbare sportliche Geschichte von Lennart Jasch, einst Eisschnellläufer und heute mutiger Radprofi. Und dann die Apotheose von Bozen, mit Giulio Pellizzari, der einer Etappe, die noch lange in Erinnerung bleiben wird, seinen Stempel aufdrückte.
Eine intensive, umkämpfte und facettenreiche Ausgabe, die die Berufung der Tour of the Alps bestätigt, Talenteschmiede und Bühne für große Protagonisten zugleich zu sein. Eine Veranstaltung, die nach vorne blickt, ohne ihre Identität zu vergessen, und die sich bereits auf einen neuen historischen Meilenstein zubewegt: das fünfzigjährige Jubiläum, wenn diese Tradition aus Spektakel und Leidenschaft verspricht, die Messlatte erneut höher zu legen.









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