Von: luk
Gröden – Die ungesetzte Spanierin Eva Guerrero Alvarez gewinnt in St. Ulrich das Sparkasse ITF Val Gardena Südtirol, dominiert das Feld ohne Satzverlust und sorgt mit ihrer Mischung aus Power-Tennis und sonnigem Charme für Schlagzeilen, auf und neben dem Platz.
Die frischgebackene Turniersiegerin Eva Guerrero Alvarez feiert in St. Ulrich ihren bislang größten Coup und geht mit breiter Brust aus einem perfekt organisierten ITF-Turnier. Die 26-jährige Spanierin gewinnt das 40.000-Dollar-Event, kassiert 5.634 Euro Preisgeld und bringt das Publikum mit fünf souveränen Matches ohne Satzverlust zum Staunen.
Im Finale besiegt sie die Kanadierin Kayla Cross mit zweimal 6:4 und verhindert damit das angepeilte Double der 20-Jährigen, die zuvor bereits das Doppel geholt hatte. Guerrero Alvarez setzt im Endspiel wie schon die ganze Woche auf ihren wuchtigen Aufschlag und ihre bärenstarke Rückhand und behauptet sich gegen eine Gegnerin, die mutig angreift, aber im entscheidenden Moment zu viele leichte Fehler produziert.
„Sie hat zu Beginn hart geschlagen und kaum Fehler gemacht“, erklärt Guerrero Alvarez, während sie lächelnd die Trophäe poliert. „Ich hatte Probleme mit ihrer Geschwindigkeit, aber ich habe mich angepasst.“ Sie sammelt 50 wertvolle Weltranglistenpunkte ein, rückt den Top 200 ein Stück näher und liebäugelt schon mit der Qualifikation für die Australian Open.
Neben dem Platz spielt sie sich ebenso verlässlich in die Herzen. Als sie kurzfristig einen Sparringpartner für die Finalvorbereitung sucht, springt niemand Geringerer als der neue TC-Urtijëi-Präsident Andreas Wieser ein. „Hättest ich verloren, hättest du wohl ein wenig Schuld gehabt“, scherzte die Spanierin. „Jetzt, wo ich gewonnen habe …?“ – „… trifft dich wohl trotzdem ein kleiner Teil davon“, lachte Guerrero Alvarez und sorgte für breites Grinsen im Vereinsheim.
Die Turnierwoche liefert viele Geschichten. Die Kanadierin Cross wirkt im Endspiel leicht müde, zeigt aber mit ihrem offensiven Stil großes Potenzial und tröstet sich mit ihrem Doppeltitel. Die Britin Mimi Xu, erst 18, beeindruckt mit feinem Allround-Tennis und zieht bis ins Halbfinale. Die Portugiesinnen Francisca und Matilde Jorge liefern sich ein seltenes Schwestern-Duell, bei dem die ältere Schwester im dritten Satz die Nerven behält.
Auch die heimischen Spielerinnen setzen Akzente. Lisa Peer zeigt in der Qualifikation gegen Carlotta Moccia viel Talent, aber noch zu viele einfache Fehler. Laura Mair kämpft sich im Hauptfeld zu einem Sieg, scheitert aber an der Umstellung auf die schnellen Hallenplätze und die Höhenlage. Die Zuschauer strömen in Scharen in die tolle Halle von Runggaditsch und sorgen besonders bei den Partien der Südtirolerinnen und den Finalspielen für Stimmung.
Mit Greta De Angeli startete sogar eine Spielerin des Gastgebers TC Urtijëi. Im Doppel holt die 16-Jährige an der Seite der gleichaltrigen Micol Salvadori einen starken Auftaktsieg und sammelt wertvolle Erfahrungen für die Zukunft.
Das Doppelfinale liefert schließlich pures Drama. Kayla Cross und Ana Rogers holen sich den Titel, doch die jungen Italienerinnen Samira De Stefano und Gaia Maduzzi wehren sechs Matchbälle ab und bringen beide Sätze bis in den Tiebreak. Ein kleines Kunststück, das die Halle zum Beben bringt.
Emotional wird es bei der Siegerehrung, als Turnierdirektor Ambros Hofer die langjährige Präsidentin Patrizia Mairhofer ehrt und „Miss TC Urtijëi“ die Tränen kommen. Roland Sandrin von der FITP Südtirol lobt die Organisation und sichert die weitere Unterstützung zu.
OK-Chefin Martina Moser und ihr fleißiges Team stemmen ein Turnier, das an den ersten Tagen bis weit nach Mitternacht dauert und Supervisor Pier Luigi Grana und dem OK-Team nur wenig Schlaf gönnt. „Das Niveau war enorm hoch“, sagt Moser. „Viele Spielerinnen jagen Punkte für die Grand Slams. Die Mimi Xu hat mich beeindruckt und die Cross wird man sicher noch öfter sehen.“
Morgen geht es schon weiter: In Wolkenstein startet das nächste 40.000-Dollar-Turnier, das zweite und letzte große Damenturnier in Gröden in diesem Jahr. Neben Guerrero Alvarez und Cross greifen dort auch wieder Lisa und Julia Peer sowie Laura Mair an. Die Höhenlage bleibt gleich, die Geschichten wohl auch: spannend, emotional und ein bisschen verrückt. Genau wie Tennis manchmal sein muss




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