„Eines der besten Rennen meiner Karriere“

Reiterer stürmt in Chianti zu Platz zwei – Geiser glänzt als Vierter

Sonntag, 22. März 2026 | 10:51 Uhr

Von: mk

Chianti – Andreas Reiterer hat beim Ultra Trail Chianti Castles by UTMB in der Toskana ein beeindruckendes Ausrufezeichen gesetzt. Der Haflinger sicherte sich über 120 Kilometer und 5.200 Höhenmeter den zweiten Rang und löste damit das begehrte „Golden Ticket“ für den legendären Western States 100 in den USA. Tobias Geiser rundete den Südtiroler Erfolg mit einem starken vierten Platz ab.

Sportliche Höchstleistungen erfordern oft Spontaneität. Das bewies Andreas Reiterer am vergangenen Wochenende eindrucksvoll. Ursprünglich hätte der Haflinger gar nicht in der Toskana an der Startlinie stehen sollen. Sein eigentlicher Fokus lag auf einem Rennen der UTMB World Series auf Fuerteventura. Doch als dieses aufgrund extremer Wetterkapriolen kurzfristig abgesagt wurde, musste schnell ein „Plan B“ her. Die Wahl fiel auf den Ultra Trail Chianti Castles – eine Rückkehr an einen Ort des Triumphes, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Dass Andreas Reiterer auf den Pfaden durch das Chianti-Gebiet besonders schnell unterwegs ist, ist in der Szene kein Geheimnis. Bereits im Jahr 2024 hatte der Haflinger das prestigeträchtige Rennen für sich entscheiden können. Nach einer schmerzhaften Aufgabe im Vorjahr brannte er nun darauf, seine Klasse auf italienischem Boden erneut unter Beweis zu stellen.

Das Ticket nach Kalifornien gelöst

In einer Zeit von 10:06:16 Stunden belegte Reiterer am Ende den zweiten Platz. Dieser Erfolg ist weit mehr als nur ein Podestplatz in der internationalen Serie: Er sicherte sich damit eines der extrem raren „Golden Tickets“. Diese Startplätze sind die einzige Möglichkeit, sich direkt für den prestigeträchtigen Western States 100 in Kalifornien zu qualifizieren – das älteste und wohl geschichtsträchtigste 100-Meilen-Rennen der Welt.

Das Rennen begann von der ersten Sekunde an mit einem enormen Tempo. Früh kristallisierte sich eine kleine Elitegruppe heraus, in der die beiden Südtiroler Reiterer und Tobias Geiser maßgeblich den Ton angaben. Besonders beeindruckend war der Auftritt von Geiser. Der Möltner, der sich nach einer herausragenden Vorsaison fest in der internationalen Elite etabliert hat und mittlerweile für das renommierte Dynafit-Team startet, bestätigte seine glänzende Verfassung. Dass Reiterer und Geiser nicht nur Landsmänner, sondern auch enge Freunde sind und weite Teile der Vorbereitung gemeinsam absolviert haben, verlieh dem Südtiroler Doppelschlag eine besondere Note.

Vorentscheidung und Sturz-Drama

Nach etwa 35 Kilometern forcierte der amtierende Europameister Thomas Cardin (Frankreich) das Tempo. Nur Reiterer und der Franzose Vincent Bouillard konnten folgen. Über Stunden hinweg belauerte sich dieses Führungstrio an der Spitze. Die Vorentscheidung fiel schließlich bei Kilometer 60, als Cardin erneut attackierte. Weder Reiterer noch Bouillard konnten diesen Vorstoß kontern, sodass der Franzose einer einsamen Fahrt Richtung Sieg entgegeneilte.

Für Andreas Reiterer wurde es bei Kilometer 70 noch einmal dramatisch. Der Südtiroler stürzte in einem technisch anspruchsvollen Abschnitt heftig und verlor kurzzeitig den Rhythmus. Doch der Haflinger bewies Kämpferqualitäten: Er fing sich rasch, schloss wieder zu Bouillard auf und setzte sich bei Kilometer 85 entscheidend ab. Im letzten Anstieg mobilisierte er alle Reserven, hielt den heranstürmenden Bouillard auf Distanz und brachte den zweiten Platz mit nur 36 Sekunden Vorsprung sicher ins Ziel. Den Sieg holte sich Thomas Cardin in 9:58:38 Stunden.

Geiser behauptet sich in der Weltklasse

Den perfekten Renntag aus Südtiroler Sicht machte Tobias Geiser komplett. Nachdem die absolute Spitzengruppe auseinandergefallen war, lief der Möltner über weite Strecken ein einsames Rennen gegen die Uhr. Mit großer mentaler Stärke hielt er seine Pace konstant hoch und überquerte die Ziellinie als hervorragender Vierter. Damit unterstrich Geiser, dass sein Aufstieg in die Profi-Ränge kein Zufall war.

„Für mich ist das ein Wahnsinn – das zählt zu den besten Rennen meiner Karriere“, bilanzierte Andreas Reiterer im Ziel. „Nach dem Sieg vor zwei Jahren und der Enttäuschung im Vorjahr konnte ich wieder zeigen, dass mit mir zu rechnen ist. Besonders freut mich die Leistung von Tobias. Es ist toll zu sehen, wie er nach all der harten Arbeit nun voll in der Weltspitze angekommen ist.“ Auch Tobias Geiser zeigte sich hochzufrieden: „Ich konnte die Trainingsleistungen voll umsetzen. Der vierte Platz fühlt sich hier fast wie ein Sieg an. Das gibt enorm viel Selbstvertrauen für die restliche Saison.“

Bezirk: Burggrafenamt

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