Von: apa
Österreichs Nordische Kombinierer haben auch in ihrem dritten und letzten Bewerb bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien eine Medaille geholt. Stefan Rettenegger und der davor im Val di Fiemme bereits zweimal versilberte Johannes Lamparter eroberten am Donnerstag in einem dramatischen Teamsprint Bronze. Rettenegger kam im Langlauf zu Sturz. Gold ging im Zielsprint gegen die Finnen Eero Hirvonen/Ilkka Herola an die Norweger Andreas Skoglund/Jens Luraas Oftebro.
Für Österreich war es die 18. Medaille bei diesen Winterspielen. Die Anzahl von Peking 2022, die ÖOC-Präsident Horst Nussbaumer als Ziel ausgegeben hat, ist damit drei Wettkampftage vor Schluss bereits erreicht. Neben fünf Gold- und acht Silber- stehen nun auch fünf Bronzemedaillen zu Buche. Lamparter ist der einzige ÖOC-Athlet, der Italien mit drei Medaillen verlässt – und der erst zweite österreichische Kombinierer nach Felix Gottwald 2002 und 2006, dem dies bei ein und denselben Winterspielen gelingt. “Ich bin megahappy mit den Olympischen Spielen. In drei Bewerben drei Medaillen zu holen, das ist ein cooler Kindheitstraum, der in Erfüllung geht”, sagte Lamparter im ORF.
Aufholjagd in tiefer Loipe
Vor vier Jahren in China waren Österreichs Kombinierer im damals noch klassischen Teambewerb nach Materialproblemen als Vierte leer ausgegangen. Bei der Olympia-Premiere des neuen Formats mit nur zwei Athleten und zehn Langlauf-Runden über jeweils 1,5 km gingen Rettenegger und Lamparter mit 29 Sekunden auf die nach dem Springen führenden Deutschen in die Loipe, auf den Bronzerang fehlten aber nur acht Sekunden.
Rettenegger schloss bei vom Neuschnee sehr tiefen Bedingungen schnell zu den vor ihm gestarteten Finnen und Japanern auf und übergab beim ersten Wechsel bereits als Dritter an den ebenfalls 24-jährigen Lamparter. In der dritten Runde schlossen sich die fünf Topnationen unter dem Tempodiktat von Rettenegger zu einer großen Gruppe zusammen. Fortan war Taktieren angesagt. In der drittletzten Runde kam Deutschlands zweimaliger Olympiasieger Vinzenz Geiger zu Sturz.
Retteneggers Malheur
Dasselbe Malheur passierte in der enorm tiefen Spur wenig später auch Rettenegger, die Goldchance war dahin. Der Salzburger jubelte dennoch über seine erste Olympia-Medaille. “Es war ein hartes Stück Arbeit, aber ich habe mich so mega gefühlt in der Loipe”, erklärte Rettenegger. “Ich war richtig froh.” Als es ihn überschlagen habe, habe er ein kurzes Tief gehabt. “Bei so einem Sturz zieht es einem den Stecker.” Er sei aber ruhig geblieben und habe versucht, seinen Rhythmus wieder zu finden – mit Erfolg.
“Hochachtung vor ihm, er hat sich nicht drausbringen lassen”, lobte Österreichs Cheftrainer Christoph Bieler. “Leider war die Post nach vorne dann weg.” Rettenegger übergab mit acht Sekunden Rückstand auf die Spitze als Dritter an Lamparter, der im Finish nicht mehr in den Kampf um Silber und Bronze eingreifen konnte. “Mit den Bedingungen war es echt so, so schwierig. Wir haben gefightet und gefightet”, schilderte der im Gesamtweltcup führende Tiroler. “Es war heute leider nicht alles so angerichtet wie erhofft. Ich habe dann versucht, dass ich sicher herunterkomme und Bronze ins Ziel rette.”
Bieler sprach von einem “Traumtag”. Seine Athleten hätten in der Loipe ebenso wie das Serviceteam eine “Megaleistung” gebracht. “Es waren Wahnsinnsverhältnisse”, betonte Bieler, selbst dreifacher Olympia-Medaillengewinner in Teambewerben. “Wir sind happy, dass wir bei allen drei Bewerben nicht mit leeren Händen heimgehen.”
Schwierigkeiten auf der Schanze
Bereits auf der Großschanze in Predazzo hatten der starke Schneefall für schwierige Bedingungen gesorgt. Zur langsamen Spur und teils schlechten Sicht kam auch noch teilweise drehender Wind. Rettenegger hatte vor allem mit der Anlaufgeschwindigkeit Probleme, landete als Sechster in seinem Durchgang nur bei 116 Metern. Lamparter bekam nach einem 124-Meter-Satz nur noch eine weitere Sekunde Rückstand auf Deutschland aufgebrummt.
Die Deutschen wurden trotz starker Sprungleistung von Johannes Rydzek letztlich hinter Italien nur Fünfter und blieben erstmals seit Nagano 1998 bei Winterspielen bei den Kombinierern ohne Medaille. Oftebro dagegen, der sich im Einzel von der Normal- und von der Großschanze jeweils vor Lamparter durchgesetzt hatte, ist mittlerweile vierfacher Olympiasieger. Im Val di Fiemme räumte der 25-Jährige alle drei möglichen Titel ab. “Es ist fantastisch – weit mehr, als ich mir erträumt habe”, sagte Oftebro.




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