George Russell hatte alles im Griff

Russell-Sieg in Melbourne – Zwei Mercedes vor zwei Ferraris

Sonntag, 08. März 2026 | 07:25 Uhr

Von: apa

Mercedes hat zum Auftakt der neuen Regelära in der Formel 1 einen souveränen Doppelsieg eingefahren. WM-Favorit George Russell setzte sich am Sonntag im Grand Prix von Australien in Melbourne vor seinem Teamkollegen Kimi Antonelli durch. Zweite Kraft waren die Ferraris von Charles Leclerc und Lewis Hamilton auf den Plätzen drei und vier. Weltmeister Lando Norris wurde im McLaren Fünfter, Red-Bull-Star Max Verstappen fuhr von Startplatz 20 auf sechs nach vorne.

“Ich liebe dieses Auto, ich liebe diesen Motor”, jubelte der Engländer Russell nach dem sechsten GP-Sieg seiner Karriere am Funk. “Es hat lange gedauert, bis wir wieder so ein Auto zur Verfügung haben.” Nach der bisher letzten größeren Regelreform 2014 hatte Mercedes jahrelang den Ton angegeben. Bis 2021 war das Team mit Hamilton achtmal in Folge Konstrukteursweltmeister. Seit 2021 wartet man aber auf einen Titelgewinn. Die Entwicklung des neuen, zu fast 50 Prozent elektrisch betriebenen Antriebes hatte bereits 2022 begonnen.

Eine riesige Enttäuschung erlebte Oscar Piastri. Der Lokalmatador verlor bereits auf dem Weg zur Startaufstellung die Kontrolle über seinen McLaren und krachte wie am Vortag im Qualifying Verstappen in die Streckenbegrenzung. An einen Rennstart war nicht zu denken, die mehr als 100.000 Fans an der Strecke mussten ohne ihren Liebling auskommen. “In dem Moment, als ich gecrasht bin, hatte ich mehr Leistung, als ich erwartet hatte”, erklärte der WM-Dritte des Vorjahres. “Es schmerzt sehr.”

Blitzstart und fragwürdige Strategie bei Ferrari

Ferrari zeigte den erwarteten Blitzstart. Leclerc übernahm von Startplatz vier aus die Führung, lieferte sich danach über einige Runden ein Duell mit Pole-Position-Mann Russell. Beide Piloten setzten die zusätzliche Batterieleistung offensichtlich an unterschiedlichen Stellen der Strecke ein, das hatte zahlreiche Führungswechsel zur Folge. “Wir hatten so eine Erwartung, dass es so einen Jojo-Effekt geben würde”, meinte Russell. Auch Hamilton griff kurz in den Kampf ein.

Der endete, als der Red Bull von Isack Hadjar in dessen erstem Rennen als Verstappen-Teamkollege in der elften Runde den Geist aufgab. Russell und Antonelli nutzten das folgende Virtual Safety Car zum Reifenwechsel, Ferrari ließ überraschend beide Piloten auf der Strecke. “Wenigstens einer von uns hätte reinkommen sollen”, kritisierte Hamilton am Funk. Der Rekordweltmeister sollte Recht behalten: Die Siegchance war dahin, weil Ferrari die Stopps Mitte des Rennens nachholen musste, als die beiden Mercedes mit frischen Reifen schon wieder herangefahren waren.

“Wir hätten erwartet, dass sie zumindest mit einem Piloten covern”, sagte auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Ein weiteres virtuelles Safety Car nach Out von Valtteri Bottas war für Ferrari nicht nutzbar, weil dieser seinen defekten Cadillac neben der Boxeneinfahrt abstellen musste. “Ich glaube aber, dass wir Mercedes heute sowieso nicht hätten halten können”, meinte Leclerc. “Sie hatten ein bisschen mehr Pace als wir.” Wolff äußerte aber seinen Respekt: “Ferrari war am Anfang unheimlich stark.”

Zwei Topteams in eigener Liga

In der zweiten Rennhälfte kontrollierte Mercedes aber das Tempo. Russell und Antonelli waren konstant rund sechs Sekunden voneinander entfernt, im Ziel waren es knapp drei. “Der beste Start in die Saison”, sagte Antonelli. Der 19-Jährige war nach einem schwachen Start kurzfristig auf Rang sieben zurückgefallen. “Aber insgesamt war es ein super Rennen.” Der elektrische Überholmodus (“Overtake Mode”) sei sehr leistungsstark. “Es hat viel Spaß gemacht.”

Nur Leclerc und knapp dahinter Hamilton fuhren im Finish ähnliche Rundenzeiten wie Mercedes, die Konkurrenz lag bereits deutlich hinter den beiden Topteams. Norris kam mit 51 Sekunden Rückstand ins Ziel, Verstappen mit 54. Alle anderen Fahrer wurden überrundet. In die Top Ten schafften es acht verschiedene Rennställe. Der 18-jährige Neuling Arvid Lindblad wurde für Red Bulls Zweitteam Racing Bulls Achter, Gabriel Bortoleto holte als Neunter für Neueinsteiger Audi nach der Übernahme von Sauber ebenfalls WM-Punkte. Sein Teamkollege Nico Hülkenberg konnte wegen technischer Probleme allerdings nicht starten.

Wie angekündigt keine volle Grand-Prix-Distanz gab es für das von Vibrationen am Auto gebeutelten Rennstall Aston Martin. Fernando Alonso stellte seinen Boliden nach 13 Runden erstmals ab, kam dann zu Testzwecken noch einmal auf die Strecke zurück. Auch Teamkollege Lance Stroll sah die Zielflagge nicht. Die nächste Chance auf weitere Lerneffekte mit dem neuen Reglement gibt es für alle Teams bereits kommendes Wochenende beim Grand Prix von China in Shanghai.

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