Von: apa
Julia Scheib bleibt die dominante Riesentorläuferin im Weltcup. Die 27-jährige Steirerin feierte am Dienstag auf dem Kronplatz im siebenten Saisonrennen in ihrer Spezialdisziplin den vierten Sieg und greift nach der kleinen Kristallkugel. Scheib verwies die Schweizerin Camille Rast (+0,37 Sek.) und die Halbzeitführende Sara Hector aus Schweden (+0,46) auf die Plätze zwei und drei. Federica Brignone begeisterte bei ihrem Comeback nach 292 Tagen Verletzungspause mit Rang sechs.
Scheib katapultierte sich im zweiten Durchgang mit Laufbestzeit auf der anspruchsvollen Piste “Erta” von Zwischenrang drei noch auf eins. Die Führende im Disziplinweltcup war am Kronplatz im Weltcup bis dahin nie besser als Neunte gewesen, dabei sei es eigentlich ihr “Lieblingshang”, wie sie betonte. “Ich bin schon sehr happy, dass es hier endlich gereicht hat”, erklärte Scheib im ORF. “Es war nicht einfach die letzten Jahre, ich bin da mehrfach abgeworfen worden. Auf dem Hang kann es blöd ausgehen, wenn du den Ski zu früh laufen lässt.”
Viele Athletinnen hatten auf dem enorm drehenden Kurs im ersten Durchgang Probleme. Scheib lag nach einer Fahrt, die sie als “keine einwandfreie” bezeichnete, 0,39 Sekunden hinter Hector. Der zweite Lauf war deutlich direkter gesetzt. Scheib attackierte mit Erfolg. “Der Lauf war flüssiger, das ist mir entgegengekommen”, sagte die derzeit beste Riesentorläuferin im Weltcup.
Griff nach der Kristallkugel
Nach vier Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem Ausfall führt Scheib im Disziplinweltcup nun 139 Punkte vor Kranjska-Gora-Siegerin Rast. Theoretisch könnte sie bereits am Samstag im letzten Weltcup-Riesentorlauf vor Olympia in Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) ihre erste kleine Kristallkugel fixieren. Nach dem Olympia-Riesentorlauf am 15. Februar in Cortina stehen in dieser Disziplin in Aare und Hafjell nur noch zwei Weltcups auf dem Programm. “In drei Rennen kann nach wie vor sehr viel passieren. Ich möchte mich jetzt auf das nächste Rennen konzentrieren, auf das Skifahren, dann denke ich, schaut es schon gut aus”, meinte Scheib.
Nina Astner (+3,67 Sek.), Stephanie Brunner (+3,69) und Franziska Gritsch (+3,73) landeten auf den Plätzen 16 bis 18. Die Tirolerinnen waren schon nach dem ersten Lauf als 19., 20. und 21. ein Paket gewesen. “Es war ein bisschen eine Befreiung”, sagte die zwei Tage nach einem Trainingssturz in Hinterreit noch von Prellungen beeinträchtigte Astner. Gritsch war nach ihrem besten Ergebnis seit November ebenfalls zufrieden: “Das war schon einmal ein Schritt vorwärts für mich.” Ricarda Haaser kam in ihrem dritten Riesentorlauf seit ihrem Comeback nach einem Kreuzbandriss mit über fünf Sekunden Rückstand nicht über Platz 26 hinaus.
Brignones Blick auf Olympia
Gesamtweltcupleaderin Mikaela Shiffrin wurde 0,86 Sekunden hinter Scheib Vierte. Der US-Star wartet trotz eines starken zweiten Laufes weiter auf den ersten RTL-Podestplatz der Saison. Für Begeisterung sorgte dagegen Brignone. Die 35-Jährige, die sich Anfang April einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch samt Kreuzbandriss zugezogen hatte, war schon nach dem ersten Durchgang Siebente. Dabei hatte sie mit ihren Nerven zu kämpfen. “Ich war angespannt, es waren viele Emotionen in mir”, erklärte Brignone. Bis zur ersten Zwischenzeit hätte sie sogar vergessen zu atmen.
Großes Ziel der Gesamtweltcupsiegerin des Vorjahres bleiben die in zweieinhalb Wochen beginnenden Olympischen Spiele in ihrer italienischen Heimat. “Sie hat schon sehr viel gewonnen, sie weiß, wie das Rennfahren geht”, meinte Scheib, die vergangene Woche gemeinsam mit Brignone trainiert hatte. Sie freue sich, dass es dem Bein ihrer Konkurrentin so gut gehe. “Für Cortina müssen wir uns sicher warm anziehen.”
Brignone hat seit ihrer Rückkehr auf Ski laut eigenen Angaben bisher nur 13 echte Trainingstage auf Schnee absolviert. “Ich bin wirklich froh, vor Olympia zumindest ein Rennen bestritten zu haben. Ich habe nicht gewusst, wie mein Körper reagiert”, erklärte die Ausnahmekönnerin. “Es ist ein sehr guter Tag, es ist wunderbar. Aber ich brauche mehr Training, ich muss noch schneller fahren.” Dieses wird sie in den kommenden Tagen mit der italienischen Speed-Gruppe in Cortina absolvieren. Den Riesentorlauf in Spindleruv Mlyn lässt Brignone wieder aus.




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