Von: APA/dpa/Reuters
Die Seattle Seahawks haben zum zweiten Mal in ihrer Geschichte die Super Bowl gewonnen. Das favorisierte Team um Quarterback Sam Darnold setzte sich am Sonntag auch dank seiner starken Defensive in einem einseitigen Finale der National Football League (NFL) gegen die New England Patriots mit 29:13 durch. Die Patriots – gemeinsam mit den Pittsburgh Steelers Super-Bowl-Rekordchampion – verpassten den angestrebten siebenten Titel deutlich.
Die Fans aus Seattle feierten in Santa Clara die lang ersehnte Wiedergutmachung für die dramatische Niederlage vor elf Jahren, als die Seahawks 24:28 gegen die Patriots verloren hatten. Damals hatten die Seahawks sich in bester Position kurz vor Schluss einen entscheidenden Ballverlust erlaubt und den möglichen Sieg aus der Hand gegeben. Mit fünf verwandelten Field Goals wurde Kicker Jason Myers nun zum Schlüsselfaktor für Seattle und stellte einen Rekord für die Super Bowl auf.
“Spezielle Reise” endete erfolgreich
“Wir hätten etwas besser sein können im Angriff. Aber das ist mir jetzt gerade wirklich egal. Wir haben es geschafft, es war so eine spezielle Reise, wir haben so hart dafür gearbeitet”, sagte Darnold. “Es ist unglaublich. Alles, was passiert ist in meiner Karriere.” Der Spielmacher galt in seiner NFL-Laufbahn schon als gescheitert – und feierte nun in der 60. Auflage der Super Bowl den großen Triumph. “Alle meine Teamkollegen haben an mich geglaubt, ich habe an mich geglaubt wegen meiner Familie und Freunde. So lange du an dich glaubst, ist alles möglich”, unterstrich der 28-Jährige.
In den Mittelpunkt der Feierlichkeiten wollte er sich nicht stellen. “Hey, macht einmal Lärm für unsere Verteidigung”, rief der Spielmacher. Das völlig zurecht, zumal nicht die überragenden Einzelleistungen entscheidend waren. Stark in der Abwehr, gefährlich genug im Angriff, Fehler vermeiden und als Team auftreten waren die Erfolgsfaktoren.
Die Seahawks gingen direkt mit der ersten Angriffsserie in Führung, mussten sich dabei aber mit einem Field Goal von Myers zufriedengeben. Für die Patriots gab es im ersten Anlauf keine Punkte – das sollte in der von starken Abwehrreihen geprägten Begegnung den Ton setzen. Das zweite Field Goal zur 6:0-Führung im zweiten Viertel war für Seattle daher eher ein Gewinn als eine vertane Chance, elf Sekunden vor der Pause erhöhten die Seahawks auf 9:0. Dies war kein gutes Omen für die Patriots: Noch nie hatte ein Team ohne eigene Punkte in der ersten Halbzeit die Super Bowl gewonnen.
Zwischenzeitliche 19:0-Führung
Nach der Pause zwang die Seahawks-Abwehr die Patriots schnell wieder vom Feld. Die Offensive aus Seattle arbeitete sich dank Runningback Kenneth Walker III über das Feld und ging durch das vierte Field Goal von Myers 12:0 in Führung. Die restliche Hoffnung platzte dann mit dem ersten Ballverlust kurz vor Ende des dritten Viertels. Direkt im Anschluss machten die Seahawks früh im Schlussabschnitt den ersten Touchdown zur 19:0-Führung. Ein Flitzer sorgte für etwas Unruhe und musste von Ordnern zu Boden gebracht werden.
Der erste Touchdown für die Patriots zwölfeinhalb Minuten vor Schluss gab der Partie etwas Leben zurück, doch auch das 7:19 brachte nicht mehr die Wende. Stattdessen erlaubte sich New Englands Quarterback Drake Maye einen kapitalen Fehler, als er den Ball zu Seattle-Verteidiger Julian Love warf. Myers traf auch noch sein fünftes Field Goal. Die Seahawks-Abwehr belohnte sich schließlich noch selbst mit einem Touchdown, als Uchenna Nwosu einen abgefangenen Ball direkt in die Endzone trug. Der zweite Touchdown der Patriots sorgte kaum noch für Jubel im Stadion.
Seahawks-Runningback glänzte
Walker III sorgte mit seinen Läufen lange für die wenigen Highlights der Partie. Er erarbeitete seinem Team die Vorteile, auf die Fans der Patriots vergeblich hofften. Bis zu 30 Yards holte er so auf einmal raus, immer wieder umkurvte er Gegenspieler und transportierte den Ball zusätzliche wenige Meter nach vorne, was in der Begegnung den Unterschied ausmachte. Walker lief für insgesamt 135 Yards und wurde dafür auch mit der Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Partie geehrt. Er ist der erste Running Back seit Denvers Terrell Davis 1998, der sich MVP nennen darf. “Es ist einfach ein Traum wahr geworden.” Darüber freute sich auch sein Vater, der große Menschenansammlungen meidet, nun aber erstmals ein NFL-Spiel im Stadion verfolgte.
Kommende Saison werden Walker III und seine Kollegen als Titelverteidiger die Gejagten sein. Änderungen beim Team wird es fix geben. Offensiv-Coach Klint Kubiak gilt als ausgemachter neuer Cheftrainer der Las Vegas Raiders – und das Team selbst könnte in den kommenden Monaten den Besitzer wechseln. Dass es dazu kommen wird, ist sicher, nur wann ist offen. Der ehemalige Besitzer, Microsoft-Mitgründer Paul Allen, hat das so für nach seinem Tod verfügt, seither sind mehr als sieben Jahre vergangen. Zuletzt gab es Berichte, dass der Zeitpunkt für Verhandlungen nach der Super Bowl gekommen sei.
Bei den Patriots war Wunden lecken angesagt, sechs verlorene Super-Bowl-Duelle sind ein neuer Rekord. “Ich würde alles dafür geben, um noch einmal spielen zu dürfen und es besser zu machen”, betonte Maye. “Es tut enorm weh.” Coach Mike Vrabel blieb ein Titel in seiner Premierensaison bei den Patriots verwehrt. “Ich bin stolz auf das, was das Team geleistet hat, genauso enttäuscht und traurig. Jedes Jahr muss es einen Verlierer geben, wir müssen uns merken, wie es sich anfühlt und dafür sorgen, dass es sich nicht wiederholt.”




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