Von: APA/dpa
Der Belgier Wout van Aert hat nach einem packenden Zielsprint gegen Radsport-Superstar Tadej Pogacar zum ersten Mal den Klassiker Paris-Roubaix gewonnen. In einem von Defekten geprägten Rennen über 258,3 Kilometern und 30 Kopfsteinpflaster-Sektoren hatte der 31-Jährige im Zweiersprint die schnelleren Beine und entschied die 123. Ausgabe des prestigeträchtigen Eintagesrennens für sich. Pogacar verpasste es, alle fünf Radsport-Monumente hintereinander zu gewinnen.
“Als ich zusammen mit Wout fuhr, war nicht mehr viel Frische in den Beinen. Ihn auf dem Kopfsteinpflaster abzuhängen, wäre eine Mission impossible gewesen. Ich hatte noch Hoffnung auf den Sprint, aber meine Beine waren wie Spaghetti. Er hat auf den Champs-Élysées gewonnen. Es ist hart, ihn zu schlagen”, sagte Pogacar, der wie im Vorjahr bei dem als “Hölle des Nordens” bekannten Rennen zwischen Compiegne und Roubaix den zweiten Platz belegt hatte. Damit verpasste der Weltmeister den nächsten bedeutenden Meilenstein im Radsport hauchdünn.
Van Aert widmete Sieg verstorbenem Teamkollegen
Der slowenische Ausnahmekönner muss weiter auf seinen ersten Sieg in Roubaix warten, womit er dem elitären Kreis um Legende Eddy Merckx beigetreten wäre. Der zehnmalige Tour-Etappensieger van Aert feierte indes den größten Erfolg seiner Karriere. “Das bedeutet mir alles. Das ist ein Ziel seit 2018, als ich das erste Mal hier gefahren bin. Vor acht Jahren habe ich in dem Rennen meinen Teamkollegen Michael Goolaerts verloren. Seitdem war es mein Ziel, hierherzukommen und den Finger in den Himmel zu strecken. Dieser Sieg ist für Michael, vor allem auch für seine Familie”, sagte ein bewegter van Aert. Goolaerts hatte damals während des Rennens einen Herzinfarkt erlitten.
Vor seinem Sieg musste van Aert aber Schwerstarbeit leisten, denn Pogacar versuchte auf dem Kopfsteinpflaster alles, um den Visma-Profi abzuhängen. Mit einem Erfolg bei der “Königin der Klassiker” hätte Pogacar bei allen fünf bedeutenden Eintagesrennen – den sogenannten Monumenten – mindestens einen Sieg bejubelt. Das schafften vor dem Slowenen nur die drei Belgier Merckx, Roger De Vlaeminck und Rik Van Looy. Für van Aert war es der zweite Triumph bei einem Monument nach Mailand-Sanremo 2020.
Van der Poel mit Defekt im Wald von Arenberg
Das mit Spannung erwartete Duell von Pogacar mit seinem großen Widersacher Mathieu van der Poel fiel dagegen aus. Der niederländische Ex-Weltmeister verpasste nach einem Defekt zur Unzeit im berüchtigten Wald von Arenberg den Anschluss und damit auch seinen vierten Sieg in Serie. Van der Poel versucht zwar mit aller Macht, zurück an die Spitze zu kommen – ohne Erfolg. Am Ende wurde er Vierter.
In einer spektakulären 123. Auflage blieb aber kein Fahrer von technischen Problemen verschont. Auch Pogacar musste zweimal vom Rad und zwischenzeitlich eine Aufholjagd starten. Van Aert musste einmal aus dem Sattel, ließ sich dann aber auf den heftigen Kopfsteinpflaster-Sektoren im Zweikampf mit Pogacar nicht mehr abschütteln. Die Entscheidung fiel entsprechend erst im Velodrome. Dort lancierte Pogacar den Sprint, doch van Aert zog vorbei. Marco Haller, der einzige Österreicher am Start, kam nicht ins Ziel.




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