Von: apa
Mit einem erfolgreichen Strategie-Poker und dem Sieg beim Großen Preis von Katar hat Max Verstappen die Entscheidung im Formel-1-Titelkampf vertagt. Der Red-Bull-Pilot überflügelte am Sonntag unerwartet seine vor ihm gestarteten Rivalen im McLaren. Sprint-Sieger Oscar Piastri wurde Zweiter, WM-Leader Lando Norris kam im vorletzten Saisonrennen nach einer suboptimalen Boxenstopp-Taktik nicht über Platz vier hinaus. Damit kommt es im WM-Dreikampf zum Showdown in Abu Dhabi.
Das Podium komplettierte überraschend und zum zweiten Mal in dieser Saison Williams-Pilot Carlos Sainz als Dritter. Norris konnte seinen ersten “Matchball” damit nicht verwerten und liegt nur noch zwölf Punkte vor Titelverteidiger Verstappen. Der von der Pole Position gestartete Piastri hat vor dem letzten Grand Prix in der kommenden Woche einen Rückstand von 16 Zählern auf Norris. Verstappen, der vor drei Monaten bereits 104 Punkte zurückgelegen war und seine Chancen auf den fünften WM-Titel in Folge am Leben hielt, feierte auf dem Lusail International Circuit seinen dritten Grand-Prix-Sieg hintereinander und den 70. in seiner Karriere.
Verstappen überglücklich
“Es ist unglaublich. Sehr gut gemacht mit der Strategie, das war großartig. Wir sind weiter dabei!”, funkte Verstappen, der mit seinem siebenten Saisonsieg mit Norris gleichzog, glücklich an die Box. “Es war ein unglaubliches Rennen für uns. Wir haben als Team die richtige Entscheidung getroffen. Wir sind bis zum letzten Rennen im Titelkampf, unglaublich”, ergänzte der Niederländer kurz darauf im Siegerinterview und blickte gelassen auf das WM-Rennen. “Es ist jetzt noch immer möglich. Wir werden sehen, darüber mache ich mir nicht so viele Gedanken.”
Piastri war nach einem nahezu perfekten Wochenende in der Wüste hingegen “sprachlos” über die verpatzte Strategie seines Teams knapp außerhalb von Doha. “Wir haben es heute nicht richtig hinbekommen. Ich bin so schnell gefahren, wie ich konnte. Leider hat es nicht gereicht”, sagte der Australier. Es sei aber nicht alles schlecht, ergänzte Piastri nach einem sonst starken Wochenende.
“Nicht großartig”, bewertete Norris die Strategie im Nachhinein im ORF. “Wir haben nicht die richtige Entscheidung getroffen, aber daran kann ich jetzt nichts ändern.” Der 26-jährige Brite hat in Abu Dhabi trotzdem weiter alles in der eigenen Hand, ein dritter Platz würde ihm für seinen ersten WM-Titel genügen.
Guter Start von Verstappen
Die Ausgangslage in Katar versprach Spannung, weil die drei WM-Kandidaten auf den ersten drei Positionen ins Rennen gingen. Verstappen hatte hinter dem McLaren-Duo Piastri und Norris wenig zu verlieren und konnte volles Risiko gehen. Piastri erwischte einen guten Start und verteidigte seine Führung souverän, dahinter zog Verstappen an Norris vorbei.
Vor den Augen internationaler Prominenz wie Tennis-Superstar Novak Djokovic, der McLaren die Daumen drückte, oder Ex-Fußballer David Beckham suchte Piastri die Flucht nach vorne. Da die Reifen aus Sicherheitsgründen nur 25 Runden auf den Boliden bleiben durften, mussten die Piloten auf dem Lusail International Circuit zweimal an die Box. In der 7. von 57 Runden sorgte Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg nach einem Crash mit dem Alpine von Pierre Gasly für eine Safety-Car-Phase, die einiges auf den Kopf stellen sollte.
McLaren gab das Rennen aus der Hand
Denn während sich das ganze Fahrerfeld inklusive Verstappen für einen Reifenwechsel entschied, verzichtete das McLaren-Duo auf den Boxenstopp. Norris monierte, dem Red Bull nicht in die Box gefolgt zu sein, sein Team reagierte gelassen. “Sie haben ihre strategische Flexibilität verloren”, wurde dem WM-Leader am Funk gesagt. Das neue Motto: Den Vorsprung auf Verstappen so weit wie möglich ausbauen. Das gelang trotz der älteren Reifen zumindest phasenweise.
Das McLaren-Duo kam nach dem ersten Boxenstopp auf den Plätzen vier und fünf haarscharf vor einem längeren Pulk von Autos wieder auf die Strecke und hielt somit die Siegchancen am Leben. Während Piastri im Fernkampf mit Verstappen etwas Zeit gutmachte, unterlief Norris ein kleiner Fehler. Piastri kam nach seinem zweiten Reifenwechsel aber mit deutlichem Rückstand hinter dem Red-Bull-Rivalen wieder auf die Strecke, Norris gar nur auf Platz fünf hinter Sainz und Mercedes-Rookie Kimi Antonelli.
Verkorkster Abend für Norris
Verstappen fuhr dem Grand-Prix-Sieg locker entgegen. Piastri schaffte es nicht mehr, an den Niederländer heranzukommen. Norris ging hingegen kurz vor Schluss noch an Antonelli vorbei und sicherte sich noch zwei weitere Punkte an einem sonst verkorksten Abend.




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