Von: APA/Reuters/dpa/sda
Otto Virtanen sorgte für die bisher größte Überraschung der diesjährigen Wimbledon-Auflage. Der finnische Qualifikant setzte sich am Dienstag gegen den als Nummer 4 gesetzten US-Amerikaner Ben Shelton nach 4:21 Stunden 6:4,3:6,6:7(8),6:2,7:6(9) durch. Nur auf Rang 140 im ATP-Ranking, wehrte Virtanen bei 8:9 im entscheidenden Tiebreak sogar einen Matchball ab. French-Open-Sieger Alexander Zverev kam gegen Alexander Blockx in vier knappen Sätzen weiter. Serena Williams verlor.
In ihrem ersten Einzel-Auftritt seit knapp vier Jahren bzw. 1.396 Tagen verlor die 44-Jährige gegen die 20-jährige Australierin Maya Joint 3:6,7:6(6),3:6. Im Tiebreak des zweiten Abschnitts wehrte Williams einen Matchball ab und rettete sich noch in den dritten Durchgang. Doch nach 2:22 Stunden Spielzeit verabschiedete sich die einstige Weltranglisten-Erste winkend vom Publikum. Am Ende wirkte Serena Williams auch müde, ihre deutlich jüngere Kontrahentin nutzte ihre Vorteile bei der Fitness aus und ging auch das Tempo in den Ballwechseln jederzeit mit.
“Es war wirklich großartig, zurück in Wimbledon zu sein”, meinte Williams danach. “Ich habe es nie erwartet, hier zu sein. Die Stimmung war beeindruckend, auf den Court gehen war beeindruckend. Ich habe das mehr genossen als alles andere.” Den letzten ihrer sieben Wimbledon-Titel im Einzel hat der US-Star vor zehn Jahren geholt.
Williams-Bezwingerin hatte seit Jänner kein Match gewonnen
“Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Wow. Ich weiß nicht, was gerade passiert ist”, sagte Joint nach ihrem Erfolg gegen die per Wildcard angetretene Williams. “Ich habe in der letzten Nacht nicht viel geschlafen. Sie hat so eine Aura, sie ist so eine Legende.” Für die Weltranglisten-87. ist es ein großer Sieg nach einer desaströsen Phase, sie hatte seit Mitte Jänner kein Match mehr gewonnen. Williams hatte gesagt, sie habe nichts mehr zu beweisen. “Ich denke, zum ersten Mal in meiner Karriere sind meine Erwartungen definitiv anders.” Sie spielt mit Venus nun noch im Doppel.
Für Virtanen war es gegen die Nummer 5 der Welt sein bisher wertvollster Sieg. “Ich weiß nicht, ob ich noch ein Herz habe”, scherzte Virtanen, als er nach seinem Nervenkostüm im Finish befragt wurde. In der Vorbereitung auf Wimbledon hat er bei zwei Rasen-Challengern erst im Finale verloren. Das Aus bei seinem letzten Wimbledon-Turnier kam für Stan Wawrinka, der Schweizer unterlag dem Italiener Matteo Berrittini nach vier Tiebreaks. Den zweiten Satz verlor der 41-jährige Eidgenosse nach sechs Satzbällen in der Kurz-Entscheidung mit 16:18,
Alexander Zverev nach Problemen weiter
Erleichtert war auch Alexander Zverev, der sein erstes Wimbledonmatch als Major-Sieger bestritt, nach einer echten Prüfung gegen den Belgier Blockx. Rund drei Wochen nach seinem emotionalen ersten Grand-Slam-Triumph in Paris zog der 29-Jährige mit einem hart erarbeiteten 6:4,6:7(8),7:6(5),7:6(0) in die zweite Runde ein. Zverev möchte an der Church Road endlich weiterkommen als nur bis ins Achtelfinale.
“Roland Garros im Kopf zu haben, hilft”, sagte Zverev im Siegerinterview. “Es ist die größte Ehre, auf diesem Court zu spielen. Ich habe hier zu kämpfen, das ist kein Geheimnis.” Gegen Blockx sei es für ihn schwer gewesen, konzentriert zu bleiben. “Es war sehr schwer für mich, die Konzentration zu halten. Wir kamen nicht zum Tennisspielen. Aufschlag, Return und fertig.”
Mühe für Swiatek und Rybakina
Viel Mühe hatte die Titelverteidigerin Iga Swiatek, auch wenn das Ergebnis es nicht so sehr ausdrückt. Die als Nummer 3 gesetzte Polin rang die US-Amerikanerin Taylor Townsend 6:1,2:6,6:3 nieder. Wie sehr sie sich unter Druck gesetzt hatte, sah man danach, als sie trotz eines eigentlich normalen Erstrundensiegs weinte. “Ich habe harte Wochen hinter mir, in der Saison ist nicht so viel so gelaufen”, sprach sie u.a. auch einige Dreisatz-Niederlagen an.
Auch die als Nummer zwei gesetzte Kasachin Elena Rybakina, die 2022 in Wimbledon triumphiert hatte, hatte gegen die Französin Lois Boisson beim 6:4,1:6,6:3 Schwierigkeiten. Nicht so gut davon kam die Ukrainerin Elina Switolina, die Nummer 8 des Turniers musste sich ihrer Landsfrau Daria Snigur 5:7,2:6 beugen. Die Ehefrau von Gael Monfils vergab dabei im ersten Satz eine klare 4:0-Führung.




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