Von: mk
Hochgurgl – Wer hoch im Gebirge bauen will, steht vor besonderen Herausforderungen: Es gilt, den sensiblen hochalpinen Raum zu schonen, mit extremen Bedingungen zurechtzukommen und den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden. Mit Lösungsansätzen hat sich am 19. Juni im Land Tirol das erste interdisziplinäre Symposium ZVplus „Bauen im Hochgebirge“ beschäftigt. Den Austausch zwischen Architektur, Ingenieurwesen, Wirtschaft und Gesellschaft zu klimatischen und topografischen bis zu baukulturellen und gesellschaftlichen Fragestellungen hat der Tiroler Landesverband der Zentralvereinigung der Architekt.innen Österreichs (ZV) gemeinsam mit der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino in Hochgurgl im Ötztal organisiert.
In einer Videobotschaft dankte der Euregio-Präsident, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle den Organisatoren: “In Form der Baukultur nehmen unsere Geschichte und Identität Gestalt an. Daher freut es mich sehr, dass dieses erste, mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten aus aller Welt besetzte Symposion hier in der Euregio und im Land Tirol stattfindet.”
Die zwei Dimensionen der Europahütte
Als besonderes Beispiel nannte Euregio-Generalsekretär Matthias Fink die Landshuter Europahütte. Sie liegt auf 2693 Metern Höhe in den Zillertaler Alpen. Standortgemeinden sind Pfitsch und Gries am Brenner. Mit begleitender Unterstützung durch die Euregio und den Interreg-Rat Wipptal wird derzeit an Stelle der stark sanierungswürdigen, alten Schutzhütte ein Ersatzbau errichtet. Die österreichisch-italienische Staatsgrenze führt direkt durch das Gebäude, was die Bauherren nicht nur mit vielen bautechnischen, sondern vor allem rechtlichen und bürokratischen Grenzfragen konfrontiert.
Die länderübergreifende Perspektive macht dieses Projekt laut dem aus Triest stammenden und unter anderem in Brixen arbeitenden Architekten Matteo Scagnol zu einer Besonderheit: “Mit der Europahütte entsteht eine Synthese zwischen zwei Dimensionen – einer symbolischen und einer funktionalen: Einerseits verwandelt das Projekt die Grenzlinie in einen Raum für Zusammenleben, Begegnung und Austausch; andererseits antwortet es auf die extremen Bedingungen in großer Höhe mit einfachen technischen Lösungen.” Das große Dach werde zu einem aktiven Gebäudeelement: Es sammelt das Wasser und leitet es in eine Zisterne. Zugleich erzeugt es dank Photovoltaik die elektrische Energie für den Hüttenbetrieb. “Aus dem Zusammenspiel beider Aspekte entstehen die Architektur und Identität der neuen Hütte”, sagte Scagnol.
Nach wechselvoller Geschichte sind heute das Land Südtirol und der DAV Landshut die Besitzer. Den künftigen Betrieb soll die neue Stiftung Europahütte übernehmen, der die Alpenvereine aus Südtirol, AVS und CAI, sowie der DAV Landshut und der österreichische Alpenverein in Vertretung des Landes Tirol angehören.




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