Letzter Gottesdienst unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Bischof Muser: „Hoffen heißt Grenzen überschreiten“

Sonntag, 17. Mai 2020 | 15:43 Uhr

Bozen – Bevor ab morgen, unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden dürfen, hat Bischof Ivo Muser heute im Bozner Dom noch eine Messe unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert. In seiner Predigt sagte der Bischof, dass es angesichts der Coronakrise mit Durchhalteparolen nicht getan sei: „Hoffen heißt Grenzen überschreiten; nicht im Hier und Jetzt aufgehen, nicht einfach bei einer bloß menschlichen, innerweltlichen Perspektive stehen bleiben. Hoffnung hält den Horizont nach vorne offen.“ Gott habe an Jesus gezeigt, dass er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lasse. „Um diese Hoffnung bete ich heute“, sagte Bischof Muser.

Bischof Ivo Muser sagte in seiner Predigt, dass er sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten der Coronakrise selbst oft die Frage gestellt habe, ob er ein Mensch der Hoffnung sei. Ein Satz wie „alles wird gut, tutto andrà bene“ sei ihm einfach zu wenig. Was bedeute eine solche Durchhalteparole angesichts der vielen Tausenden Toten der Coronakrise und für die Menschen, die um sie trauern? Was bedeute so ein Satz für Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssen oder ihn bereits verloren haben? „Wird wirklich alles gut? Ist der Preis, der zu bezahlen ist, nicht viel zu hoch?“, fragt sich der Bischof. In seiner Predigt gab der Bischof Antworten auf die Fragen: „Hoffnung ist nicht die Einladung, die rosarote Brille aufzusetzen und so zu tun, als ob nichts geschehen wäre. Hoffnung kann sich nicht erschöpfen in banalen Trostworten, in einem schnellen ‚geht schon wieder‘ oder ‚ist nicht so schlimm‘. Hoffnung, wenn sie wirklich diesen Namen verdient, muss viel mehr sein! Hoffen – das ist die Perspektive des christlichen Glaubens – heißt Grenzen überschreiten, nicht im Hier und Jetzt aufgehen, nicht einfach bei einer bloß menschlichen, innerweltlichen Perspektive stehen bleiben. Hoffnung hält den Horizont nach vorne offen. Grund der christlichen Hoffnung ist eine Person. Die heutige Lesung aus dem ersten Petrusbrief beginnt deswegen mit der Einladung: ‚Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn heilig!‘ Seine Geschichte in dieser Welt ist nicht einfach gut ausgegangen. Sein Leben in dieser Welt endet nicht mit einem ‚happy end‘. Ganz im Gegenteil: In den Augen dieser Welt ist er gescheitert. Bloß menschlich und innerweltlich betrachtet, schenkt das Schauen auf ihn keine Hoffnung. Über sein Leben kann nicht der Slogan geschrieben werden: ‚Alles wird gut‘. Gott aber hat an ihm gezeigt, dass „er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lässt“, wie es Papst Franziskus formuliert hat. Um diese Hoffnung bete ich heute. Diese Hoffnung brauchen wir – auch in der gemeinsamen Bewältigung der Coronakrise und ihrer Folgen, die uns noch lange begleiten werden. Wir brauchen Hoffnung. Wir brauchen einen langen Atem. Wir brauchen Gott und seine Perspektive!“

Bischof Ivo Muser wird morgen Montag, 18. Mai, ab 9.00 Uhr der heiligen Messe im Bozner Dom vorstehen. Dieser Gottesdienst darf wieder mit Gläubigen gefeiert werden, allerdings unter strengen Auflagen.

Die wichtigsten Regeln sind in dieser Infografik zusammengefasst.

Von: sis

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Bischof Muser: „Hoffen heißt Grenzen überschreiten“"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
So ist das
So ist das
Universalgelehrter
13 Tage 59 Min

Hören sich die Politiker und Kirchenfürsten bei ihren Reden eigentlich auch selbst zu ? Schöne Worte, aber geringe Taten.

Tanne
Tanne
Superredner
13 Tage 1 h

Hoffen Heist Grenzen überschreiten? Also ich steh am Brenner und hoffe, dass ich die Grenze überschreiten darf? Oh Herrgott hilf, dass das stimmt.

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
12 Tage 23 h

Hallo nach Südtirol,

die Führer der Kirche haben in der Vergangenheit und werden in Zukunft alles widerspruchslos hinnehmen was angeordnet wird.
Ein wenig Protest hätte schon sein können, zumindest jederzeit die Kirchen offenzuhalten für private Einkehr hätte man rausholen können.
Die Bedingungen ab morgen sind streng bis absurd, Fiebermessen am Eingang, Gesangsverbot und vieles anderes.

Bin gespannt wie und ob das Schlupfloch der “Messen im Freien” gestaltet wird, eine Wald-und Wiesenkirche ist mit einigen Steinplatten und Bierzeltgarnituren schnell aufgebaut.

Auf Wiedersehen in Südtirol

Nocom
Nocom
Neuling
12 Tage 21 h

Hallo lieber Andreas,

mit erstaunen verfolge ich seit einer Weile deine ,,blöden“ Kommentare und frage mich ernsthaft was genau du mit deiner ständigen Kritik an Südtirol bezwecken willst.

Gibts bei euch nix zum lesen?

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
12 Tage 21 h

Hallo @Nocom,

wenn du meine anderen Kommentare aufrufst (du kannst alle Kommentare der letzten Monate von jedem Teilnehmer nachverfolgen, das wird dich als “Neuling” interessieren)
wirst du sehen das ich Südtirol hasse und gegen alles hetze was Südtirol betrifft, vor allem Land und Leute und deren Traditionen.
Mein Ziel ist die Entvölkerung Südtirols und die Umwandlung in ein Atomwaffentestgelände.
Zur Zeit habe ich eine Klage in Den Haag eingereicht um LH Kompatscher völkerrechtlich von seinen Ämtern zu entbinden und einkerkern zu lassen ,
die Aktion heisst “100 % für LH Kompatscher auf seinem Kurs”

Auf Wiedersehen in Südtirol und 100 % hinter LH Kompatscher.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
13 Tage 1 h

Sehr gut verehrte Herr Bischof. Gilt das auch für die vielen Heimatlosen bzw. -suchenden und die Schützen ?

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