Von: luk
Bozen – Eine Südtiroler Delegation aus Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern, Mitgliedern des Landesjugendbeirates der deutschen Sprachgruppe und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Eurac Research befasste sich bei einer Bildungsfahrt nach Bologna mit den Bleiernen Jahren in Italien und der Frage, wie Erinnerungskultur als Instrument der politischen Bildung und der Extremismusprävention in der Jugendarbeit wirksam eingesetzt werden kann. Die Bildungsfahrt wurde vom Landesamt für Jugendarbeit konzipiert und im Rahmen der Förderung der Erinnerungskultur umgesetzt. Ziel ist es, junge Menschen durch historisches Lernen, kritische Reflexion und persönliche Zugänge für demokratische Werte zu sensibilisieren und Radikalisierung frühzeitig entgegenzuwirken.
“Erinnerungskultur ist der Moment, in dem Geschichte Verantwortung wird: Wenn junge Menschen lernen, das Unrecht von gestern zu benennen, finden sie die Sprache, um Ausgrenzung und Hass von heute nicht zu übersehen. Genau dort beginnt wirksame Prävention: nicht bei Angst, sondern bei Haltung”, unterstreicht der Direktor des Landesamtes für Jugendarbeit Konrad Pamer. “Gerade aufgrund der besonderen Geschichte Südtirols ist Erinnerungskultur ein politischer Auftrag für unser Land”, betont Landesrat Philipp Achammer: “Sie hilft uns, junge Menschen für demokratische Werte zu sensibilisieren und ihnen zu vermitteln, dass Extremismus – unabhängig welcher Ideologie – eine ernsthafte Gefahr für das Zusammenleben ist. Politische Bildung und Jugendarbeit leisten hier einen zentralen Beitrag.“
Zur inhaltlichen Vorbereitung wurden die 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld von Gianluca Battistel, Koordinator des Schwerpunktes Politische Bildung im Landesamt für Jugendarbeit, in die historischen Hintergründe der Bleiernen Jahre sowie in die Dynamiken von rechtem und linkem Extremismus der 1970er‑Jahre eingeführt. Einen besonders eindrücklichen Beitrag leistete Sonia Zanotti aus St. Ulrich, Überlebende des Attentats am Bahnhof von Bologna vom 2. August 1980 und Vizepräsidentin der Associazione tra i familiari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980. Ihre persönliche Geschichte machte die langfristigen Folgen extremistischer Gewalt für Betroffene und Gesellschaft deutlich.
Am 15. April wurde die Delegation am Bahnhof von Bologna vom Präsidenten der Associazione 2 agosto Paolo Lambertini sowie von den Historikerinnen Cinzia Venturoli und Antonella Beccaria empfangen. Nach einer historischen und politischen Einordnung des Attentats setzte sich der Austausch im Sitzungssaal der Gemeinde fort. Dort begegneten die Teilnehmenden auch dem Zeitzeugen Agide Melloni, Busfahrer der Linie 37, dessen Fahrzeug am Tag des Anschlags unmittelbar nach der Explosion als Leichenwagen eingesetzt worden war. Die persönlichen Berichte unterstrichen die Bedeutung von Zeitzeugenschaft als zentrales Element lebendiger Erinnerungskultur.
Zum Abschluss der Bildungsfahrt besuchte die Delegation das Museo per la Memoria di Ustica. Die Auseinandersetzung mit dem Abschuss des Passagierflugzeuges am 27. Juni 1980, bei dem alle 81 Insassen ums Leben kamen, machte deutlich, wie wichtig Aufarbeitung, Transparenz und kollektives Erinnern für eine demokratische Gesellschaft sind. Die Präsidentin der Associazione parenti delle vittime della Strage di Ustica Daria Bonfietti rekonstruierte die Ereignisse und deren politische Hintergründe.




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