Von: apa
Halbzeit in Berlin, auch wenn bei der Berlinale selbstredend keine Pause gemacht wird nach der ersten Hälfte der Filmfestspiele. Und doch ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Dicht war auch das Treiben am Roten Teppich vor dem Berlinale Palast im Schneetreiben der winterlichen deutschen Hauptstadt. So gaben sich Stars wie Pamela Anderson und Sam Rockwell, Isabelle Huppert und Conchita, Kultautorin Siri Hustvedt oder die Popikonen Dua Lipa und Charli xcx ein Stelldichein.
Aber dennoch steht bei der Berlinale tendenziell ja eher der Film als solches im Zentrum, weniger dessen Glamourfaktor. Und da zeichnen sich im Wettbewerb erste Favoriten ab, darunter mit Markus Schleinzers “Rose” auch ein österreichischer. Die Geschichte einer von Shootingstar Sandra Hüller gespielten Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt, um den Beschränkungen ihres Geschlechts zu entkommen, überzeugte die Kritik und kann sich Bärenhoffnungen bei der Gala am Samstag machen. Neben Hüller überzeugt auch deren junge deutsche Kollegin Caro Braun in ihrem Kinohauptrollendebüt.
Ebenfalls einen starken weiblichen Charakter verkörpert Amy Adams, die in Kornél Mundruczós etwas monothematischem “At the Sea” ein schauspielerisches Solo als Alkoholkranke hat. Um ein Paar geht es hingegen dem deutschen Regisseur İlker Çatak, der mit seinem vorherigen Werk “Das Lehrerzimmer” unter anderem eine Oscarnominierung einfahren konnte. In “Gelbe Briefe” erzählt er nun von einem türkischen Künstlerpaar, das sich mit den zunehmenden Repressionen des Staates auseinandersetzen muss, wobei Özgü Namal und Tansu Biçer schauspielerisch brillieren, während ostentativ Berlin und Hamburg als Ankara und Istanbul fungieren und so die Erzählung überraschend nahe an die europäische Realität holen.
Huppert kann zubeißen, Eidinger nicht
Eher in die Kategorie Starauflauf fällt hingegen der Wettbewerbsbeitrag “Rosebush Pruning” von Karim Aïnouz, der für seine Familiengeschichte im surrealen Duktus von Yorgos Lanthimos Jamie Bell, Elle Fanning, Pamela Anderson und den zuletzt als neuen James Bond gehandelten Callum Turner versammelt, aber dennoch eher zahnlos bleibt. Biss hat hingegen Isabelle Huppert in Ulrike Ottingers österreichischer Koproduktion “Die Blutgräfin”, die außerhalb des Wettbewerbs in Berlin uraufgeführt wurde. “Es hat Spaß gemacht, einen Vampir zu spielen”, machte die französische Filmdiva über ihren in Wien spielenden Part der Blutsaugerin deutlich. Auf das kraftvolle Zubeißen verzichten muss indes Lars Eidinger, der von Ottinger “nur” als menschlicher Beistand verpflichtet wurde: “Ich hatte erwartet, ein Vampir zu sein, aber dann schickten sie mir das Drehbuch, und es stellte sich heraus, dass ich der Therapeut des Vampirs bin.” Aber wenn jemand mit einer Punkattitüde wie Ottinger anfrage, sage man einfach zu.
Alles in allem zeigten sich im bisherigen Wettbewerb jedenfalls durchaus einige starke Stimmen. Da müssen sich Tizza Covi und Rainer Frimmel als Regieduo des zweiten österreichischen Wettbewerbsbeitrages 2026 durchaus ins Zeug legen. Ihr Porträt des Bluesmusikers Al Cook unter dem Titel “The loneliest man in town” steigt am Donnerstag ins Rennen um die Bären ein.
Manch Auszeichnung bereits vergeben
Mit manchen Auszeichnungen wartet man in Berlin allerdings gar nicht bis zum Ende der Festspiele. So wurden die zehn europäischen Shootingstars bereits gewürdigt, unter ihnen mit dem Wiener Lucas Englander nach längerem auch wieder ein Österreicher. Und die Stiftung Cinema for Peace, die alljährlich Filme und Menschen ehrt, die sich für den Frieden und nachhaltige Ziele einsetzen, hat ihre Preise ebenfalls bereits vergeben. Ausgezeichnet wurden unter anderem zwei Arbeiten, die den Gazakrieg beleuchten. “The Voice of Hind Rajab” wurde als “Wertvollster Film” würdigt, und der frühere israelische General Noam Tibon, Hauptfigur im kanadischen Dokumentarfilm “The Road Between Us”, wurde ebenfalls geehrt. Im Rahmen der hochkarätig besetzten Preisgala attackierte als Gastgeber Bob Geldorf US-Präsident Donald Trump scharf: “Er ist ein verdammter Idiot, und er sollte den Mund halten.”
Nachdem im Rahmen der Berlinale auch der Filmmarkt eine große Rolle spielt, hat der Co-Production Market seine Ehrungen ebenso schon verteilt. Der mit 20.000 Euro dotierte Development Award von Eurimages ging an das litauische Vorhaben “Liberations” von Laurynas Bareisa, der 5.000 Euro schwere Gen Z Publikumspreis an das spanische Projekt “Cura Sana” von Lucía G. Romero. Über den VFF Talent Highlight Award und damit 10.000 Euro kann sich der Schweizer Simon Jaquemet mit “The Most Romantic Man” freuen, während der ARTEKino International Award mit seinen 6.000 Euro “Lotus Feet” von Amanda Nell Eu aus Malaysia ging.




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