Bis Ende August sind in der Freiluftgalerie am Gries in Lana Werke von Markus Vallazza zu sehen

Hommage für Südtiroler Künstler Markus Vallazza

Mittwoch, 05. August 2026 | 11:51 Uhr

Von: importer

Lana – Eine Veranstaltungsreihe in Lana würdigt den 2019 verstorbenen Künstler und Tiroler Ehrenträger Markus Vallazza. Der gebürtige Grödner war besonders für seine Radierungen und poetischen Texte im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt und wäre am 8. August 90 Jahre alt geworden. Neben Ausstellungen werde das Programm durch Filme, eine Lesung von Gundi Feyrer und eine Vorführung der Radiertechnik mit Dietmar Gamper ergänzt, sagte Kuratorin Verena Kammerer.

“Als sein 90. Geburtstag näher rückte, dachte ich mir: Zu diesem Anlass muss etwas geschehen”, meinte sie im APA-Gespräch. Sie verdanke ihm sehr viel und schätze ihn bis heute außerordentlich. “Markus war für mich Mentor, Lehrer und Lebensgefährte”, betonte Kammerer, die selbst als Künstlerin, Therapeutin und Autorin in Berlin und Südtirol tätig ist. Ohne konkreten Plan habe sie begonnen, Menschen anzusprechen. “Nach und nach hat sich daraus eine ganze Festivalreihe entwickelt”, sagte die Kuratorin.

Eröffnung am 8. August

Zum Geburtstag von Vallazza werde die Veranstaltungsreihe um 11 Uhr im Studio Hannes Egger am Thalerhof in Lana eröffnet. Dort könne man seine Werke gemeinsam mit Bildern von Kammerer für eine Woche begutachten. “Die hießige Musikkapelle begleitet die Gäste anschließend für einen Umtrunk bis zum Bildhaus am Gries und abends wird dann die Ausstellung im Obstbaumuseum mit der Lesung von Gundi Feyrer feierlich eröffnet”, erklärte die Kuratorin. Vallazzas Radierungszyklus “Der Apfelbaum”, den er in einer schwierigen Lebensphase in Innsbruck entwickelte, werde dort bis Ende August ausgestellt.

Der Ort Lana wurde indes bewusst gewählt: Nicht nur Kammerer selbst stammt aus Lana, auch Vallazza hatte einen engen Bezug zur größten Obstanbaugemeinde Südtirols. So habe er etwa eine enge Freundschaft zum ebenfalls bereits verstorbenen Lananer Bildhauer Michael Höllrigl gepflegt und regelmäßig die Kultur- bzw. Literaturtage Lana besucht. Zudem habe er gemeinsam mit einem weiteren Freund und Wegbegleiter, dem Glurnser Zeichner Paul Flora, den von den “Bücherwürmern Lana” begründeten internationalen Norbert-C.-Kaser-Preis für zeitgenössische Lyrik gestiftet, berichtete Kammerer.

Als Künstler eine “Ausnahmeerscheinung”

“Markus Vallazza war als Künstler eine Ausnahmeerscheinung”, meinte indes Ulrike Tanzer, Leiterin des Innsbrucker Forschungsinstituts Brenner Archiv, gegenüber der APA. Er sei nicht nur ein Zeichner von europäischem Format gewesen, er habe mit seinen Werken zu verschiedenen literarischen Vorlagen den Brückenschlag zwischen den Künsten eindrucksvoll geschafft. Die Forscherin verwies etwa auf Arbeiten zu Oswald von Wolkenstein, Karl Kraus, Friedrich Nietzsche, Edgar Allan Poe, H. C. Artmann, Anita Pichler oder Friederike Mayröcker. Hervorzuheben seien auch seine Werke zu den Dolomitensagen oder zu Dante Alighieris “Divina Commedia”. “Dabei hat er literarische Vorlagen nicht bloß illustriert, sondern eigenständig interpretiert”, erklärte Tanzer.

Im Brenner Archiv in Innsbruck würden sich indes über 150 Tage- und Skizzenbücher Vallazzas aus den Jahren 1956 bis 2015 befinden. “Auf Wunsch des Künstlers sind diese jedoch bis 2037 gesperrt”, erklärte Tanzer. Darüber hinaus verwahre man einen umfangreichen Bestand an Korrespondenzen sowie den schriftstellerischen Nachlass des Künstlers, eine Schenkung der Töchter Alma und Saskia Vallazza. Eine intensive Beschäftigung mit seinem Werk sei jedenfalls wünschenswert, eine interdisziplinäre Erforschung seines Gesamtwerkes aber erst nach Ablauf der geltenden Sperre der Tage- und Skizzenbücher umfassend möglich.

Vom Tal hinaus in die Welt

Der Weg aus dem engen Grödental, aus seinem Geburtsort St. Ulrich über ein abgebrochenes Studium im Priesterseminar in Dorf Tirol bei Meran bis hin zum Dasein als vielseitiger Künstler und Weltbürger sei keineswegs vorgezeichnet und schon gar nicht einfach gewesen. “Das war ein radikaler Bruch”, erklärte Tanzer. Nach Stationen in Florenz, Paris, Wien und Salzburg sowie Besuchen in der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Kanada oder Israel habe Vallazza zuletzt mit seiner Lebensgefährtin in Bozen gelebt.

Im Rahmen seiner Reisen lernte er laut Tanzer Künstler-Größen wie Alberto Giacometti, Henry Moore, Franco Cioppi oder Alfred Hrdlicka kennen. Letzterer sei es auch gewesen, der ihm den Weg in die Wiener Secession ebnete, berichtete die Expertin. In Wien habe Vallazza zudem auf die großzügige Unterstützung des Kunstsammlers und Mäzens Peter Infeld und des Wiener Galeristen Ernst Hilger zählen können – etwa bei der Umsetzung des Kunstwerks zur “Divina Commedia” von Dante Alighieri. Wichtige Vermittlerfiguren seien zudem der Südtiroler Kunsthistoriker und -kritiker Kristian Sotriffer sowie der Salzburger Museumsdirektor Otto Breicha gewesen, sagte Tanzer. Breicha habe etwa die Anregung für eine Radierfolge zu Anita Pichlers Buch “Die Frauen aus Fanes” gegeben.

Enge Kontakte bestanden laut Tanzer auch zum Innsbrucker Verleger Michael Forcher und zum Schriftsteller Karl Lubomirski aus Hall in Tirol. Zudem hätten etwa die Albertina, das Museum der Moderne Salzburg und Wiener Galerien, das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, Museion in Bozen und Kunst Meran Arbeiten Vallazzas in ihre Sammlungen oder Ausstellungsprogramme aufgenommen, sagte die Forscherin.

Zahlreiche Preise und Ehrungen

Für sein “herausragendes Schaffen” und die Schenkung seiner Tage- und Skizzenbücher hatte Vallazza 2017 die Ehrenbürgerschaft der Uni Innsbruck erhalten. Neben dieser erhielt der Künstler im Laufe seines Schaffens zahlreiche weitere Preise und Ehrungen. Hervorzuheben sind etwa das Ehrenzeichen des Landes Tirol im Jahr 1998 oder der Walther-von-der-Vogelweide-Preis im Jahr 2010.

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