Sonderausstellung im Stiftsmuseum Neustift

Neustifts verlorene Schätze

Samstag, 14. August 2021 | 01:06 Uhr

Neustift – Es gibt wohl keine andere Kulturstätte im historischen Tirol, deren einstiger Reichtum an Kunst- und Kulturgütern heute auf derart zahlreiche internationale Museen und Sammlungen verteilt ist wie das Augustiner Chorherrenstift Neustift. Ein wesentlicher Teil seiner Kunst- und historischen Buchbestände wurde zwischen 1807 und 1811, zur Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol, aus dem zeitweilig aufgehobenen Kloster nach München und Innsbruck gebracht. Zahlreiche weitere Kunstwerke wurden in den Jahrzehnten um 1900 vom Stift selbst verkauft. Einzelne dieser Objekte gelangten später – auch infolge der von den Nazis erzwungenen Migration deutsch-jüdischer Sammler und Händler – in so weit entfernte Städte wie Kopenhagen und Los Angeles.

Im Rahmen des von der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ausgerufenen gemeinsamen Museumsjahrs 2021 unter dem Motto „Transport – Transit – Mobilität“ hat das Stiftsmuseum mit seinem Kurator Hanns-Paul Ties ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt zu den Neustifter Kunst- und Kulturgutverlusten realisiert. Die Sonderausstellung umfasst eine Reihe von Stationen, die in die Dauerausstellung des Museums integriert sind. In Kurzvideos des Filmemachers Christoph Wieser sowie auf Schautafeln werden „Neustifts verlorene Schätze“ in repräsentativer Auswahl präsentiert und ihre wechselvollen Geschichten erzählt. Einzelne Videos sind etwa den spätgotischen Altartafeln von Michael Pacher und Marx Reichlich in der Münchner Alten Pinakothek, den kaum bekannten barocken Elfenbeinskulpturen im Bayerischen Nationalmuseum sowie den Inkunabeln und Handschriften in der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol in Innsbruck gewidmet.

Ein ungewohntes Erscheinungsbild bietet der spätbarocke Saal der Stiftsbibliothek, der zur Zeit der bayerischen Herrschaft als ein zentraler Schauplatz der Ausplünderung des Klosters fungierte. Transportkisten erinnern an die damals hier gelagerten und von hier aus weggebrachten Gemälde und rund drei Tonnen Bücher, während ein leerer Vitrinenschrank und die Haut einer Riesenschlange auf die verlorenen Neustifter Sammlungen von Naturalien und Münzen hinweisen. Von den um 1900 verkauften Kunstwerken werden in Videosequenzen und Fotoreproduktionen etwa der prächtige spätgotische Sakristeischrank auf Burg Kreuzenstein nordwestlich von Wien und das repräsentative Totenbildnis eines Barockprälaten in einer Budapester Privatsammlung gezeigt. Im Original zu sehen ist zudem ein aus dem Kloster weggekommenes niederländisches Barockgemälde, das Ende Mai 2021 im Kunsthandel aufgespürt und zurückgekauft werden konnte.

Am 1. und 2. Oktober 2021 findet im Kloster Neustift darüber hinaus eine Tagung mit historischen und kunsthistorischen Vorträgen zum Ausstellungsthema statt.

 

Von: bba

Bezirk: Eisacktal

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1 Kommentar auf "Neustifts verlorene Schätze"


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schneidigozoggla
1 Monat 2 Tage

Boa do muss i schaugn

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