Die Kuratoren Adna und Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger

Österreich macht bei Architekturbiennale für Bosnien Platz

Dienstag, 27. Januar 2026 | 12:39 Uhr

Von: apa

Österreich wird seinen Biennale-Pavillon in Venedig für die 20. Architekturbiennale 2027 Bosnien und Herzegowina zur Verfügung stellen. Dies werde “ein starkes kulturpolitisches Zeichen setzen”, zeigte sich Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) am Dienstag bei der Präsentation des interdisziplinären bosnisch-österreichischen Kurator:innenteams überzeugt. Adna Babahmetović, Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger wollen dabei an die Lobby des Holiday Inn in Sarajewo erinnern.

Das von einer unabhängigen Jury vorgeschlagene Projekt mit dem Titel “Koncesija / Konzession / Concessione” sei “ein mutiger, ein kluger und ein zutiefst politischer Vorschlag”, so der Vizekanzler. Die Architekturbiennale sei ein Ort, an dem auch gesellschaftliche Fragen verhandelt werden, deswegen sei die Entscheidung nicht nur “gelebte europäische Solidarität” mit einem Land, mit dem es vielfältige Verbindungen und Verflechtungen gebe, sondern passe auch inhaltlich, indem die teilweise nachgebaute Hotellobby als Vermittlungsraum genutzt werde: “Der Hoffmann-Pavillon wird zum diplomatischen Parkett, zur Bühne für ein diplomatisches Rollenspiel.”

Lobbying in der Lobby

Bosnien-Herzegowina hat keinen eigenen Biennale-Pavillon. Die Zwillingsschwestern Ajna und Adna Babahmetović, die an der TU Graz Architektur studierten und das Architekturstudio Adna i Ajna betreiben, wollen die fragmentarische Replika der Lobby (Jurysprecher Nikolaus Gartner: “Der Umgang mit dem Hoffmann-Pavillon ist sehr, sehr maßvoll.”) auch für das Lobbying für einen künftigen eigenen Biennale-Pavillon ihres Landes nutzen. Österreich stellt wie 2025, als Sabine Pollak, Michael Obrist und Lorenzo Romito den Österreich-Pavillon unter dem Titel “Agency for Better Living” mit einem doppelten Blick auf die Wohnungskrise in Großstädten anhand von Wien und Rom bespielten, 600.000 Euro zur Verfügung. Für das Einwerben öffentlicher und privater Gelder in Bosnien und Herzegowina sei die heutige offizielle Präsentation des Projekts der Startschuss, hieß es.

Das Holiday Inn in Sarajevo wurde von Ivan Štraus, einem bosnischen Architekten slowenischer Abstammung und einer der wichtigsten jugoslawischen Architekten nach dem Zweiten Weltkrieg, geplant und rechtzeitig vor den Olympischen Winterspielen 1984 eröffnet. “Vor dem Krieg war das Hotel the place to be”, sagte Adna Babahmetović. Später war es 1992 u.a. Hauptquartier von Radovan Karadzics Serbischer Demokratischer Partei und Unterkunft internationaler Journalisten bei der Belagerung von Sarajevo, die dem an der “Sniper Alley” gelegenen Hotelkomplex schwere Schäden zufügte. Es ist also zugleich ein architektonisches und ein zeithistorisches Denkmal, dessen Lobby als “fragmentarische Replika” (Gartner) in Venedig aufgebaut werden soll. Dabei soll vor allem auf das auffällige geometrische Muster des Fliesenbodens sowie verschiedene Baldachin-artigen Elemente zurückgegriffen werden.

“We come from the future”

Hier soll ein vielfältiges Austauschprogramm realisiert werden, das Geschichte und Gegenwart des Landes aus einer weiteren Perspektive behandelt. “In Bosnien ist schon viel passiert, was Europa erst erleben wird”, meinten die Kuratorinnen. “Mit unserem Research-Vorhaben behaupten wir, dass Bosnien für eine allgemeine Diagnostik geeignet wäre. Deswegen haben wir es ‘We come from the future’ genannt.” Einen Schwerpunkt dabei wird ein Filmprogramm bilden, für das mit dem Sarajevo Film Festival und der Viennale kooperiert wird, und das von den Giardini auch in die Stadt ausstrahlen soll. “Wir glauben, dass wir mit Film ein breiteres Publikum, vielleicht auch ein anderes Publikum erreichen können”, sagte Ex-Diagonale-Co-Leiter Sebastian Höglinger, der ins Treffen führte, dass politische Verhandlungen mitunter zwar zäh sein könnten, der Besuch des Pavillons aber “auch lustvoll” sein werde. Man biete “eine invasive Erfahrung” und hoffe “auf das Kopfkino der Besucher”. Höglinger: “Es muss getanzt werden, es muss vernetzt werden.”

Getanzt werden dürfte auch schon heuer im Österreich-Pavillon: Die Performance-Künstlerin und Regisseurin Florentina Holzinger ist nämlich von 9. Mai bis 22. November 2026 Österreich-Vertreterin bei der 61. Kunstbiennale Venedig. Die 20. Architekturbiennale findet dann von 8. Mai bis 21. November 2027 statt. Die 19. Ausgabe verzeichnete 2025 mit 298.000 verkauften Tickets und 17.584 Besucherinnen und Besuchern an den Tagen der Vor-Eröffnung einen Besucherrekord.

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