Zeitzeugen erzählen auf der Bühne - VIDEO

Option – letzte Spuren der Erinnerung

Freitag, 22. Februar 2019 | 09:16 Uhr

Bozen – 2014 erinnerten zehn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in der Theaterproduktion „OPTION. SPUREN DER ERINNERUNG“ mit ihren Erzählungen an die Geschichte. Sie machten ihr Gedächtnis zu einem Vermächtnis. Geschichte wurde spürbar und lebendig, Theater zu einem unwiederbringlichen Erlebnis. Nun präsentieren die Vereinigten Bühnen von Bozen (VBB) eine Neuauflage.

1939 standen knapp 235.000 deutschsprachige Südtirolerinnen und Südtiroler vor einer Option: ins Deutsche Reich auszuwandern oder in Italien zu bleiben. Regisseur Alexander Kratzer und die Dramaturginnen Ina Tartler und Elisabeth Thaler begaben sich vor sechs Jahren auf die Spuren der Erinnerung und schufen aus 60 Zeitzeugeninterviews dieses außergewöhnliche dokumentarische Theaterprojekt, aus ineinander verwobenen Erinnerungssplittern, von Schauspielsequenzen begleitet und von dem fein gesponnenen musikalischen Netz der Musicbanda Franui getragen.

Aber die Spuren der Erinnerung verblassen. Die Zeichen der Zeit sagen: Die Erinnerung muss wider das Vergessen wachgehalten werden.

2019, zum 80. Jahrestag der Option, beschließen die VBB, dieses Theaterprojekt wiederaufzunehmen. Man trifft und bespricht sich, freut sich auf das Proben und das Wiedersehen. Doch die Zeit steht nicht still und geht an den Menschen nicht spurlos vorüber. Innerhalb nur weniger Wochen entstehen Lücken in der durch diese Theatererfahrung zu einer kleinen Schicksalsfamilie zusammengewachsenen Zeitzeugengruppe. Manchen fehlt die Kraft, das hohe Alter fordert seinen Tribut, manche holt das Vergessen ein. Fünf der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen können nicht mehr live auf die Bühne.

Was nun? Sich der Zeit stellen. Aber wie? Dennoch wiederaufnehmen? Umgestalten? Neu inszenieren? Es ganz ruhen lassen? All diese Fragen haben sich die VBB und das Projektteam gemeinsam mit den Zeitzeugen und den Familienangehörigen gestellt, alle diese Optionen gedacht und wieder in Frage gestellt. Vor wenigen Tagen ist die Entscheidung gefallen: die Chance zu ergreifen.

OPTION. LETZTE SPUREN DER ERINNERUNG

Fünf der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden fehlen, nicht aber ihre Geschichten. Gelebte Geschichte ist vergänglich, lebt aber in der Erinnerung wieder auf. Und kann von der nächsten Generation in die nächsten Generationen weitergetragen, von Kindern und Enkelkindern erzählt werden.  Dort wo dem Leben Grenzen gesetzt sind, hebt die Kunst sie wieder auf. Diese OPTION heißt Um- und Weiterdenken. Denn es sind und bleiben Geschichten, die Geschichte erzählen. Und Theater ist und bleibt der Ort, an dem das Unmögliche möglich werden kann.

OPTION. LETZTE SPUREN DER ERINNERUNG

Regie: Alexander Kratzer
Bühne: Luis Graninger
Kostüme: Alexia Engl
Komposition: Markus Kraler, Andreas Schett (Franui)
Video: Mike Ramsauer
Licht: Hubert Schwaiger

Mit: Günther Götsch, Christine Lasta, Lukas Lobis, Markus Oberrauch, Anna Unterberger

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: Edmund Dellago (Rücksiedler)*, Georg Dignös (Nichtrückoptant)*, Anna Gius (Rücksiedlerin), Martha Ebner (Dableiberin)*, Erich Innerebner (Optant), Hermann Oberparleiter (Rücksiedler)*, Marieluise Oberrauch Mahlknecht (Dableiberin), Anton Rinner (Optant), Karl Tarfußer (Dableiber)
* Zeitzeugen erzählen live auf der Bühne.

Familienangehörige: Alexander Donà, Gerda Gius

Musik: Musicbanda Franui

Premiere
Samstag, 23. Feb 2019 – 18.00 Uhr
Stadttheater / Bozen Großes Haus

Weitere Vorstellung
Sonntag, 24. Feb 2019 – 18.00 Uhr

Von: mk

Bezirk: Bozen

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