Von: luk
Bozen – Universitätsstädte entwickeln sich zunehmend zu Experimentierorten für neue Formen der Demokratie. Ausgehend davon widmet sich eine Tagung am 4. und 5. Mai am Campus Bozen Zentrum den Beziehungen zwischen Stadt und Studierenden und veranschaulicht diese durch konkrete Beispiele.
„Vom Public Engagement zur Universitätsstadt: Eine Erzählung anhand von Videos, Theorie und Fallstudien“: Unter diesem Titel kommen am 4. und 5. Mai im Hörsaal D 0.02 des Campus Bozen Zentrum Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Studierende und Vertreter:innen aus Politik und öffentlichen Institutionen zusammen. Im Zentrum der Debatte steht ein bereits laufender Wandel: Universitätsstädte entwickeln sich zu Räumen, in denen die Bevölkerung, Institutionen und akademische Gemeinschaften gemeinsam Lösungen für komplexe Herausforderungen erarbeiten – von Nachhaltigkeit über soziale Inklusion bis hin zum Zugang zu Wohnraum und politischer Teilhabe. Die Beiträge, die im Rahmen der Tagung präsentiert werden, bieten eine interdisziplinäre Perspektive auf diese Entwicklung – von der gemeinsamen Verwaltung von Gemeingütern über neue Formen der Partizipation bis hin zu Studierendenpolitik und urbanen regulatorischen Experimenten.
Die Tagung bietet die Gelegenheit für einen Perspektivwechsel: Statt zu fragen, was die Stadt für die Studierenden tun kann, wird anerkannt, was Studierende bereits jeden Tag für die Stadt leisten. „Ihre alltäglichen Praktiken – von der Nutzung urbaner Räume bis zur Schaffung sozialer und kultureller Beziehungen – tragen wesentlich zum städtischen Leben bei, oft ohne sichtbar oder anerkannt zu sein“, sagt Prof.in Stefania Baroncelli. In diesem Sinne wirken Studierende als echte Mitgestalter der Stadt, wie auch die Ergebnisse eines Fragebogens zu ihren Erfahrungen in Bozen bestätigen, sagt die Ko-Leiterin des interdisziplinären Forschungsprojekts „Unicity – Strategische Kooperation zwischen Universität und Stadt gegen Diskriminierung und für eine nachhaltige territoriale Entwicklung“. Ziel des Projekts ist es, den Dialog zwischen akademischer Forschung, Institutionen und Zivilgesellschaft zu stärken und die Rolle von Universitätsstädten als Motor demokratischer Innovation sichtbar zu machen.
Der erste Tag der Tagung, der 4. Mai, stellt die Rolle der Studierenden als aktive Akteure bei der Gestaltung der Stadt in den Mittelpunkt. Nach den institutionellen Grußworten und der Präsentation des Videoprojekts „Dossiers – Wer studiert in Bozen?“ von Prof. Daniele Ietri gibt es ab 16.30 Uhr eine Podiumsdiskussion, bei der Studierende mit dem Bürgermeister von Bozen, Claudio Corrarati, sowie dem Präsidenten und dem Generaldirektor der Universität, Federico Giudiceandrea und Günther Mathà in direkten Austausch treten. Der zweite Tag ist dem Thema Public Engagement gewidmet und beleuchtet internationale Kontexte, Governance und aktive Bürgerschaft, mit Beiträgen zu sozialer Innovation, Nachhaltigkeit, der sogenannten „Third Mission“ der Universitäten sowie neuen Formen demokratischer Partizipation.
„Universitätsstädte sind heute einer der dynamischsten Räume, in denen Demokratie neu definiert wird. Orte, an denen ein bestehendes System auf neue soziale Praktiken trifft, die seine Entwicklung mitgestalten. Es geht nicht nur darum, diese Prozesse zu beobachten, sondern auch ihr transformatives Potenzial für Institutionen zu verstehen“, so Baroncelli
Prof. Daniele Ietri, Professor an der Fakultät für Bildungswissenschaften, hebt zudem die konkrete Dimension urbaner Transformationen am Beispiel der Südtiroler Landeshauptstadt hervor: „Bozen ist besonders interessant, weil sich hier im kleinen Maßstab Spannungen und Chancen zeigen, die viele europäische Städte prägen – von den Beziehungen zwischen Studierenden und der restlichen Bevölkerung bis hin zum Zugang zum öffentlichen Raum und Dienstleistungen. Die Stadt wird so zu einem echten Experimentierfeld, in dem Daten, Wahrnehmungen und öffentliche Politik ineinandergreifen.“




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