Von: apa
Zwar trägt das westslowakische Trenčín neben dem finnischen Oulu seit 1. Jänner den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2026, doch erst am Wochenende startet man mit einem dreitägigen Eröffnungsfest in das Feierjahr. Von 13. bis 15. Februar bietet die beschauliche 55.000-Einwohner-Stadt nahe der tschechischen Grenze mit über 100 Veranstaltungen einen Vorgeschmack auf das ganzjährige Programm, das unter dem Motto “Erwachen der Neugier” verschiedene Kunstsparten vereint.
Von Wien aus erreicht man die Stadt am Fuße der im 11. Jahrhundert auf einem steilen Felsen erbauten Burg Trenčín in etwas mehr als zwei Stunden sowohl mit dem Auto als auch mit dem Zug. Nach Košice im Jahr 2013 ist es bereits die zweite slowakische Stadt, die den begehrten Titel trägt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einbindung der lokalen Bevölkerung. “Wir möchten, dass jeder seinen Platz in diesem Programm findet – sei es durch eine große Abendvorstellung oder eine kleine Veranstaltung in der Nachbarschaft”, wird Lumír Mati, Chefdramaturg des Eröffnungswochenendes, in der Programmvorschau zitiert. “Das Eröffnungswochenende wird zeigen, was eine Stadt werden kann, wenn sie sich für Menschen, Ideen und Neugierde öffnet.”
Familienprogramm, Galavorstellung und Community-Events
Am Freitag steht am Vormittag zunächst Programm in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen im Fokus, bevor am Nachmittag erste Ausstellungen eröffnen und umliegende Gemeinden zu Community-Abenden laden. Am Samstag sollen dann die Straßen und Plätze mit einem ganztägigen Programm vom Frühstück bis zu einer festlichen Faschingsparade zum Leben erweckt werden, bevor man am Abend zu einer Galavorstellung auf dem zentralen Mierové-Platz zusammenkommt. Im Rahmen des “Trenčín-Manifests” soll anhand von Bildern, Musik und Tanz die Geschichte der Stadt zum Leben erweckt werden.
Das Sonntagsprogramm richtet sich nach einem ökumenischen Gottesdienst in erster Linie an Familien, Kinder und Senioren und umfasst Theateraufführungen, musikalische und literarische Veranstaltungen, Diskussionen und vertonte Gedichte. Geplant ist etwa ein Konzert des Kammerorchesters Trenčín mit der Sopranistin Paulína Ovádková. An allen drei Eröffnungstagen sollen auch Communities gestärkt werden: “Wir möchten, dass das alltägliche Leben in der Nachbarschaft eine der Säulen dieser Veranstaltung ist. Einfach sich draußen treffen und reden – auch das ist Kultur”, so Lenka Abaffyová, Koordinatorin für Gemeinschaftsprojekte. Umrahmt wird das Eröffnungswochenende von zahlreichen Lichtinstallationen im öffentlichen Raum.
Kunst an ungewöhnlichen Orten, eine Kulturbrücke und eine Münze
Zu den über das Jahr verteilten Vorhaben zählt unter anderem das Projekt “Waiting Places”, das Kunst an Orte bringt, an denen niemand sie erwarten würde: Postämter, Krankenhäuser, Polizeistationen und Arbeitsämter. Zu einer Open-Air-Nachtgalerie wird Trenčín im Rahmen des “Light Art Festivals” im April, den Sommer läutet man im Juni mit “Splanekor” ein: Dabei fahren die Teilnehmer in handgefertigten Booten einen Teil des Flusses Váh hinunter. Hinzu kommen zahlreiche Ausstellungen, darunter “Global Equality and Hospitality”, in der Themen wie Solidarität, Migration und Gleichstellung verhandelt werden.
Auch die Geschichte der Mode in der Stadt bekommt ihren Raum, etwa in Form eines “Labors für nachhaltige Mode”, diversen Workshops und Modenschauen. Am Ende des Sommers wird die Fertigstellung der Umgestaltung der ehemaligen Eisenbahnbrücke zu einem Kultur- und Begegnungsraum mit einem großen Fest gefeiert. “Klänge der Demokratie” umfasst schließlich eine Reihe multidisziplinärer Veranstaltungen, die an wichtige Tage der slowakischen und europäischen Demokratie erinnern und gleichzeitig Inspiration für die Zukunft bieten wollen. Das Kulturhauptstadtjahr kann man sich übrigens auch in die Tasche stecken: Zum Start der Feierlichkeiten wurden 1 Mio. Stück der neu geprägten 2-Euro-Münze mit dem Logo der Kulturhauptstadt in Umlauf gebracht.
Kulturhauptstadt-Idee gibt es seit 40 Jahren
Den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen jährlich zwei oder drei Städte aus unterschiedlichen Ländern der EU oder ihr nahestehenden Staaten wie beispielsweise Norwegen. Die EU-Initiative soll Europas kulturelle Vielfalt herausstellen und die für jede Region charakteristische Kultur und Kunst würdigen. Erste Kulturhauptstadt war vor 40 Jahren Athen. Seitdem trugen auch drei österreichische Städte bzw. Regionen den Titel: Graz 2003, Linz 2009 sowie 23 steirische und oberösterreichische Gemeinden, die gemeinsam “Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024” bildeten. Auf Oulu und Trenčín folgen 2027 Liepaja in Lettland sowie das portugiesische Évora.
(S E R V I C E – www.trencin2026.eu )




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