Ausstellung im Museion und im Plessi Museum

Und wenn der Horizont keine Grenze wäre?

Montag, 24. Juli 2017 | 17:32 Uhr

Bozen/Brenner – Heute wurde im Museion in Bozen das neue Projekt des jungen Bozner Künstlers Nicolò Degiorgis vorgestellt, der seine vierte Satellitenausstellung im Hinblick auf die große Themenausstellung „Hämatli & Patriæ“ im Plessi Museum zeigen wird. „Hämatli & Patriæ“ setzt sich mit Grenzen und deren Überquerung auseinander.

Grenzen und deren Überschreitung stehen im Mittelpunkt des neuen Projekts von Nicolò Degiorgis im Plessi Museum, das die vierte Satellitenausstellung im Hinblick auf die große Themenausstellung „Hämatli & Patriæ“ (Eröffnung im Museion: 15/09/2017) beherbergt. Dieser der Kunst von Fabrizio Plessi gewidmete Ausstellungsraum befindet sich in einem futuristischen Gebäude neben der ehemaligen Zollstelle zwischen Österreich und Italien.

Das Plessi Museum steht am Brennerpass neben der ehemaligen Zollstelle zwischen Österreich und Italien. Es handelt sich um ein architektonisch innovatives Gebäude mit einem permanenten den Kunstwerken von Fabrizio Plessi gewidmeten Ausstellungsraum. Im Verlauf der Jahre wurde der Brenner – durch die Überwindung der seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Inkrafttreten des Schengen-Vertrags am 1. Januar 1995 übernommen Funktion als Grenzlinie – zu einem Symbol für die Verbindung zwischen dem Mittelmeerraum und Mitteleuropa. Das Museum steht damit in einem symbolträchtigen und mit dem Begriff Identität eng verknüpften Grenzraum, der aufgrund der aktuellen Migrationsströme häufig in der Medienberichterstattung genannt wird.

„Als historische Grenzlinie zwischen Österreich und Italien, als ein Ort, den einst die typische Atmosphäre einer Grenze prägte und der lange Zeit keine architektonischen Sehenswürdigkeiten aufweisen konnte, hat der Brenner die physische und sicherlich sensibelste Grenze zwischen dem deutschen Sprachraum und Italien überwunden und zelebriert damit eine neue Epoche der Vereinigung. Wenn jetzt der Erfolg des „Projekts Europa“ ins Schwanken zu geraten scheint und neue Ängste und Egoismen mit der Wiedererrichtung von Grenzen drohen, wird jeder kulturelle Ansatz zum Nachdenken zu etwas Kostbaren, vor allem wenn es darum geht, an den Schmerz und an die Schwierigkeit des Menschseins an Orten zu erinnern, wo die Trennung der Völker konkrete Gestalt annahm“, sagt der Technische Generaldirektor der Brennerautobahn AG, Ing. Carlo Costa.

Vom 25. Juli bis zum 15. September präsentiert das Plessi Museum “Und wenn der Horizont keine Grenze wäre?”.

Das von Nicolò Degiorgis entwickelte Projekt erzählt – passend zu diesem ganz besonderen Ort – von Grenzen und deren Überquerung, wobei der Blick allerdings zu einer europäischen Perspektive erweitert wird. In einem Grenzgebiet wie dem Brenner wird das Video My head under water but still breath fine (Mein Kopf unter Wasser, Atem noch ganz gut) gezeigt, das Nicolò Degiorgis bei der Überquerung des englischen Kanals, von Calais nach Dover, gedreht hat.

Der Stellenwert, die wir den Räumen der ehemaligen Zollstelle dank der Aufwertung durch die Architektur des Museum Plessi gegeben haben, erfährt jetzt mit dem Projekt von Degiorgis – und aufgrund der Zusammenarbeit mit dem Museion – neuen Schwung und neue Dynamik. Mit seinem Nachdenken über innere Grenzen blickt der Künstler auf den Entwurf von Europa und dessen Geschichte, indem der einen symbolträchtigen Ort wie den Brenner in einen größeren Kontext stellt. Zu diesem Anlass kann ich schon jetzt sagen, dass diese Ausstellung einen neuen Ausstellungszyklus eröffnen wird, mit dem wir die Aufmerksamkeit auf Themen wie das Überschreiten und die Grenzziehung lenken“, erklärt der Geschäftsführer Brennerautobahn AG, Ing. Walter Pardatscher.

Die Narration dieser Arbeit stützt sich auf ein Umkippen oder Kentern sowie einen Dialog zwischen zwei Elementen: Die Bilder zeigen eine kontinuierliche Umkehrung von Himmel und Meer, während der Horizont in Bewegung gerät, schwankt und kippt. Wenn der Horizont umschlägt oder kentert, ändert sich auf die Positionierung der Grenzlinie. Daraus ergibt sich das Fragezeichen, mit dem der Künstler seinen Titel Und wenn der Horizont keine Grenze wäre? abschließt – und das zum Nachdenken anregt. In diesem Sinn bezieht die Ausstellung das Publikum mit ein: Die Besucherinnen und Besucher werden im Ausstellungsraum Postkarten vorfinden, auf denen sie eigene Anmerkungen notieren können, die dann Teil einer öffentlichen Diskussion mit dem Künstler werden. Teil der Ausstellung ist eine von Degiorgis im Flüchtlingslager Dünkirchen (Frankreich) aufgenommene Fotografie mit dem Schriftzug My head under water but still breath fine, der sich auf die Lebensbedingungen von Migranten bezieht und im Titel dieser Arbeit zitiert wird.

Zeitgleich zur Ausstellung im Plessi Museum wird in der Museion Passage das neue Künstlerbuch von Nicolò Degiorgis „blue as gold“ ausgestellt. Für diese anlässlich eines Arbeitsaufenthalts des Künstlers beim italienischen Kulturinstitut in Paris 2017 entstandene Arbeit greift Degiorgis auf die Bilder von Flüchtlingsbooten auf dem Weg nach Europa zurück, die er im Internet gefunden hat. Die Fotos weisen keine Geolokation oder Informationen über die Herkunft der Migranten auf. In Anlehnung an eine dialektische Formsprache präsentieren sich die Bilder in einer Art und Weise, die sie farblich sowohl im Positiv als auch im Negativ erscheinen lässt und das Blau dem Gold gegenüberstellt.

Die Ausstellungen im Plessi Museum und in der Museion Passage gehören zum Umfeld der Themenausstellung Hämatli & Patriæ von Nicolò Degiorgis, der sich damit – angesichts der aktuellen politischen Situation in Europa – mit den Begriffen Heimat und Vaterländer auseinandersetzt. Hämatli & Patriæ wird im Museion am 15. September um 19.00 Uhr eröffnet. Die Projekte „Und wenn der Horizont keine Grenze wäre?“ und „blue as gold“ sind eine Zusammenarbeit zwischen der Brennerautobahn AG und dem Museion.

Das Künstlerbuch blue as gold ist im Rorhof Verlag erschienen.

INFO
Das MUSEION in Bozen und das PLESSI MUSEUM am Brennerpass
präsentieren Nicolò Degiorgis:
“Und wenn der Horizont keine Grenze wäre?”
“blue as gold”

Grenzen stehen im Mittelpunkt des neuen Projekts von Gastkurator Nicolò Degiorgis
Plessi Museum, Brennerpass, Brennerautobahn (A 22)
Vom 25.07.2017 bis zum 15.09.2017

Museion Passage
Vom 25.07.2017 bis zum 10.09.2017 Öffnungszeiten
6.00 – 22.00 Uhr
Der Eintritt ist frei

Von: mk

Bezirk: Bozen, Wipptal

Kommentare

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2 Kommentare auf "Und wenn der Horizont keine Grenze wäre?"


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heinold
heinold
Grünschnabel
30 Tage 5 h

Dieses unnütze Gebäude am Brenner hat uns Autobahnbenutzer und Steuerzahler über 30 Mio Euro gekostet. Bezahlt wurde dieser Schuppen über unsere Mautgebühren und durch die Reduktion der öffentlichen Dividende. Massiv Kohle gemacht hat allerdings der Architekt, der zugleich auch Angestellter der Brennerautobahn ist. Die Autobahn soll dafür sorgen daß wir Benutzer sicher + schnell von A nach B kommen. Öffentliche Wohltaten sowie Politik und Kultur gehören nicht zu den Aufgaben dieser Strategen. 

gapra
gapra
Tratscher
30 Tage 3 h

Manche Grenzen gibt es leider schon vor dem Horizont…

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