Von: APA/dpa
Der ungarische Filmemacher Béla Tarr ist nach langem und schwerem Leiden im Alter von 70 Jahren gestorben. Das berichtet die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie. Der 1955 in Pecs geborene Regisseur wurde vor allem für seinen über siebenstündigen Film “Satanstango” (1994) bekannt. Dabei handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans des 2025 gekürten Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai.
“Die Europäische Filmakademie trauert um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hoch geschätzt, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde”, hieß es in einer Stellungnahme der Akademie.
Einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos
Tarr ist einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos. Seine Filme charakterisierten sich durch die Verwendung von schwarz-weiß, abstrakten Bildern und langen Einstellungen. Studiert hatte er an der Hochschule für Film und Theater in Budapest, zu seinen weiteren bekannten Filmen gehören u.a. “Verdammnis” (1988) und “Die Werckmeisterschen Harmonien” (2000). Sein letzter Film “Das Turiner Pferd”, das auf einem Drehbuch von Krasznahorkai basiert, erschien 2011. Damals gewann er bei der Berlinale dafür den Großen Preis der Jury. Wie er danach mehrfach erklärte, habe er “alles gesagt”, was er mit dem Kino ausdrücken wollte.
In seiner letzten Lebensphase widmete sich Tarr vor allem der Filmausbildung und kulturellen Arbeit. Eine zentrale Rolle spielte dabei die “film.factory” in Sarajevo, eine internationale Filmschule, die er 2013 zusammen mit anderen Regisseuren gründete. Als Lehrer wollte er vor allem ethische und philosophische Haltung zum Filmemachen vermitteln. 2023 erhielt Tarr beim Europäischen Filmpreis einen Ehrenpreis.
2019 realisierte Tarr mit “Missing People” im Rahmen der Wiener Festwochen ein Projekt über Obdachlose. Damals sagte er zur APA: “Ich kenne Wien jetzt – aber anders, als die Touristen. Wahrscheinlich auch anders als die Wiener.”




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